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27.02.2014

16:19 Uhr

Neue Modelle in Entwicklung

Die Billig-Smartphones kommen

VonChristof Kerkmann

Vom Luxus zur Massenware: Smartphones werden immer billiger. In China, Indien und Brasilien verjubeln lokale Hersteller die Geräte für weniger als 100 Dollar. Warum auch Europäer auf billigere Smartphones hoffen dürfen.

Smartphone mit Mozilla-Betriebssystem: Die Stiftung arbeitet an Smartphone, das sich für 18 Euro herstellen lässt. dpa

Smartphone mit Mozilla-Betriebssystem: Die Stiftung arbeitet an Smartphone, das sich für 18 Euro herstellen lässt.

BarcelonaFür 18 Euro bekommt man ein Buch, zwei Kinokarten – und demnächst vielleicht auch ein Smartphone.

Das will zumindest die Mozilla-Stiftung erreichen, die mit dem Browser Firefox bekannt geworden ist, inzwischen aber auch ein Betriebssystem für Mobiltelefone entwickelt hat. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona zeigt die Organisation einen Entwurf, der sich zum Kampfpreis von 25 Dollar, derzeit 18 Euro, herstellen ließe. Natürlich mit der eigenen Software an Bord.

Ob ein Unternehmen das Superbillig-Smartphone in Serie produzieren wird, ist nicht klar. Doch allein die Idee ist bezeichnend: Immer mehr Elektronikhersteller entdecken die Entwicklungs- und Schwellenländer als lukrativen Markt. Sie wollen die Menschen, die bislang noch keinen Zugang zum Internet hatten, mit den Personal Computern des 21. Jahrhunderts ausstatten: Smartphones und Tablets. Das dürfte sich auch in den Elektronikmärkten der westlichen Welt bemerkbar machen.

Der globale Smartphone-Markt

Gesamtmarkt

Der Smartphone-Markt wuchs 2013 rasant: Die Hersteller setzten laut dem Marktforscher Gartner 968 Millionen Geräte ab, ein Plus von 42,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt verkauften die Unternehmen 1,8 Milliarden Mobiltelefone, also erstmals mehr Smartphones als einfache Handys.

Samsung

Nach Stückzahlen ist inzwischen Samsung die unangefochtene Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern. Die Südkoreaner verkauften im vergangenen Jahr nach Schätzungen der Marktforschungsfirma Gartner 300 Millionen Computer-Handys. Damit kam fast jedes dritte weltweit verkaufte Smartphone von Samsung, wobei der Marktanteil leicht sank. Insgesamt setzte der Konzern 444 Millionen Handys ab.

Apple

Apple war 2013 mit knapp 151 Millionen verkauften iPhones die Nummer zwei im Smartphone-Markt, der Marktanteil rutschte jedoch auf 15,6 Prozent ab.

Huawei

Drittgrößter Smartphone-Hersteller ist Huawei mit knapp 47 Millionen verkauften Geräten und einem Marktanteil von 4,8 Prozent.

LG

Fast gleichauf mit Huawei war LG Electronics. Der südkoreanische Hersteller verkaufte rund 46 Millionen Smartphones und verdoppelte fast damit den Absatz, der Markanteil liegt nun bei 4,8 Prozent. Einschließlich einfacher Mobiltelefone verkaufte LG 69 Millionen Geräte (3,8 Prozent Marktanteil).

Lenovo

Lenovo ist bislang vom chinesischen Heimatmarkt abhängig. Der Konzern verkaufte 2013 knapp 44 Millionen Smartphones (4,5 Prozent Marktanteil). Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern aber den Absatz künftig deutlich steigern.

Nokia

Nokia war 2013 mit 250 Millionen Geräten und 13,9 Prozent Marktanteil immer noch der zweitgrößte Handyhersteller, verlor aber weiter an Boden. Im lukrativen Smartphone-Markt läuft das Unternehmen unter „ferner liefen“. Die Gerätesparte übernimmt Microsoft.

Sonstige

Viele Unternehmen mit klangvollen Namen haben derzeit weniger als 4 Prozent Marktanteil, darunter Sony, HTC und Blackberry.

Die Gründe für den Billig-Boom sind in Shenzen zu finden, aber auch in Kalkutta oder Caracas. Zum einen wird die Produktion immer billiger: Zulieferer wie Mediatek bieten Bauteile zu Spottpreisen an, chinesische Hersteller schrauben diese in ihren Fabriken zusammen und werfen sie für 60 bis 100 Dollar auf den Markt – dagegen ist der Wettbewerb der deutschen Elektronikhändler ein Gruppenkuscheln. Zum anderen steigen die Einkommen vielerorts in China, Indien, Afrika und Südamerika.

Die Folge: „Smartphones sind für Nutzer bezahlbar geworden, die bislang ein einfaches Handy haben“, sagt der Analyst Anshul Gupta vom Marktforscher Gartner.

Auf den meisten Billig-Smartphones läuft Android, jenes von Google entwickelte Betriebssystem, oder eine Variante, die der Hersteller für seine Zwecke angepasst hat – meist ohne die vielen Dienste des Internet-Konzerns. Diesen Rückstand wollen zwei Spätstarter aufholen: Mozilla mit Firefox OS und seit jüngstem auch Microsoft mit Windows Phone.

Der Windows-Konzern hat auf der Messe angekündigt, die Hardware-Anforderungen seines Betriebssystems Windows Phone herunterzuschrauben. Gleichzeitig läuft das System künftig auf bestimmten Chips des Herstellers Qualcomm, die in Billiggeräten zum Einsatz kommen. Neue Partner sollen die Geräte herstellen.

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