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21.01.2010

10:23 Uhr

Neue Software

SAP-Konkurrenten rüsten zum Kampf um den Mittelstand

VonHans Schürmann

Der deutsche Software-Riese SAP muss sich auf einen harten Kampf um den Mittelstand einstellen. Denn etliche etablierte Software-Partner der kleineren Firmen räumen das Feld nicht kampflos. Nun will der Großkonzern aus Walldorf mit einer neuen Software-Wunderwaffe angreifen.

SAP muss mit starker Konkurrenz rechnen. dpa

SAP muss mit starker Konkurrenz rechnen.

DÜSSELDORF. Nach dem Geschäftseinbruch im vergangenen Jahr muss Deutschlands größter Softwarekonzern SAP 2010 wieder deutlich mehr Umsatz machen, um die Erwartungen der Aktionäre und Analysten zu erfüllen. Das Unternehmen aus Walldorf nimmt dazu verstärkt den Mittelstand ins Visier. Einfach wird die Eroberung des Marktsegments, in dem der Hersteller von Unternehmenssoftware bislang weniger erfolgreich agiert hat, aber nicht. Die in dem Markt etablierten Anbieter haben längst Gegenstrategien entwickelt.

Einer der großen ERP-Anbieter für den Mittelstand, der britische Hersteller Sage, hat gestern seine Strategie in Paris vorgestellt. Das Unternehmen, das bislang nur Programme für kleinere und mittelgroße Firmen anbietet, will SAP nun seinerseits mit einem weiterentwickelten Produkt im gehobenen Mittelstand angreifen. „Aber auch die anderen Anbieter, die in den letzten Jahren durchaus passable Programme entwickelt haben, werden den Markt dem Riesen nicht kampflos überlassen“, lautet die Einschätzung von Cristian Wieland, Berater bei dem Marktforscher RAAD in Münster.

Für SAP ist 2010 ein entscheidendes Jahr. Während das Unternehmen seine Marge während der Krise nur durch eisernes Sparen halten konnte, hofft es jetzt wieder verstärkt durch den Verkauf sowie das Vermieten von Software wachsen zu können. „On-Demand-Angebote werden künftig eine verstärkte Rolle spielen“, sagt Andreas Naunin, verantwortlich für das SAP-Mittelstandsangebot in Deutschland. Die Nachfrage nach Hosting-Angeboten sei in den letzten Monaten deutlich gewachsen. „Das Vertrauen in die Sicherheit des Zugriffs über das Internet wächst“, meint Naunin. SAP bietet ein solches Hostingangebot, bei dem die Software im Rechenzentrum von Partnern wie Intelligence betrieben wird und der Kunde die Anwendung übers Internet nutzt, jetzt auch für den Mittelstand. Vorteil für den Kunden: Er bezahlt monatlich für die Nutzung und ist flexibler – er kann kurzfristig bei einem Wachstum Arbeitsplätze hinzubuchen und in der Krise reduzieren.

Zusätzlich wird in den nächsten Monaten das bereits vor drei Jahren angekündigte Programm „Business by Design“ allgemein verfügbar sein. Dabei handelt es sich um eine neue Softwaregeneration, die hoch standardisiert ist und über einen Browser im Internet aufgerufen und bedient wird.

Der ERP-Markt für den Mittelstand ist allerdings sehr heterogen. In Deutschland gibt es rund 300 Softwareanbieter, die auf diesen Markt spezialisiert sind. Darunter sind sehr viele kleine Anbieter, die ganz spezielle Branchenlösungen für wenige Kunden entwickeln. Die am weitesten verbreiteten Anbieter neben SAP sind – über alle Branchen betrachtet – Microsoft, Oracle, Sage, SoftM und Infor Global Solutions. „Letztere haben sich in den letzten Jahren durch mehr als 20 Zukäufe wie Baan und Brain eine breite Bestandskundschaft geschaffen“, sagt RAAD-Analyst Wieland.

Kommentare (1)

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Dr. Mabuse.

27.01.2010, 14:06 Uhr

Als Software unabhängiger berater kann ich dazu nur folgendes sagen:

Dieses "alles aus einer Hand" Geschwafel kommt zwar bei (kaufmännischen) Geschäftführern und Vorständen immer gut an, ist jedoch einfach nicht allgemeingültig. Kann sogar sehr gefährlich sein, denn:

1. in der Praxis werden oftmals hochspezialisierte Softwarefunktionen gebraucht, die von den ERP Herstellern einfach nicht gebracht werden (können). Zwar wird das von den Herstellern stets behauptet, aber bekanntermaßen bekommt man als Kunde nie wieder so viel wie im Verkaufsprozess.Hinterher wird ein langes Gesicht gezogen.
2. billiger wird es in der Regel auch nicht, wenn man als Unternehmen von EiNEM Lieferanten abhängig ist. Die Erfahrung haben die meisten Firmen bestimmt schon gemacht.
3. Generell müssen Unternehmen VOR der Softwareentscheidung ihre bedarfe EXAKT definieren (Lastenheft) und Sie müssen sich über die Ziele, die Sie verfolgen, im klaren sein.
4. Lassen Sie keine Kaufleute über technische Software (Module) entscheiden. Die haben einfach keine Ahnung! ich sehe das täglich.
5. Die Softwareeinführung muss professionell gemanagt werden. Dazu braucht man ein kompetentes Team. Das ist im Mittelstand alles andere als selbstverständlich. Lösung: Externe Hilfe.

Fazit: "Alles aus einer Hand" ist kein Allheilmittel. Die Frage ist, wo will ich als Unternehmen hin (Ziele), und welche Funktionen (Applikationen)benötige ich dafür. Die sog. Schnittstellenproblematik ist nur dann ein Problem, wenn man das Thema nicht vorher gründlich prüft.

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