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29.06.2016

16:26 Uhr

Neue Sony-Strategie

Mit Kunstwelten zum Konzerngewinn

VonMartin Kölling

Nach bitteren Krisenjahren will Sony-Chef Kazuo Hirai den japanischen Konzern wieder zur Gewinnmaschine machen. Dabei setzt der Manager vor allem auf virtuelle Realität – und will die Robotersparte wiederbeleben.

Der Sony-Chef hat seinen neuen Geschäftsplan vorgestellt. AFP; Files; Francois Guillot

Kazuo Hirai

Der Sony-Chef hat seinen neuen Geschäftsplan vorgestellt.

TokioSony setzt künftig auf virtuelle Realität, um seine Spielesparte zum neuen Gewinnmotor in der realen Welt zu machen. Sein Unternehmen habe die digitalen Kunstwelten als ein Gebiet identifiziert, das großes Zukunftspotenzial für den Gesamtkonzern habe, erklärte Kazuo Hirai, der Chef des japanischen Elektronik- und Unterhaltungskonzerns, am Mittwoch in Tokio bei der Vorstellung des neuen Geschäftsplans.

Dabei denkt der Sony-Chef, der selbst aus der Games-Sparte stammt, allerdings über Videospiele hinaus. Spiele und Netzwerkdienste nannte er zwar als „größten Wachstumsmotor“. Aber Videospiele böten daneben auch Gelegenheit, mehrere Sony-Technologien wie Kameras, die Produktion von Inhalten sowie die eigene Expertise in der Unterhaltungsindustrie voll zu nutzen. Darüber hinaus will er die Robotersparte wiederbeleben, die 2006 mitsamt Sonys legendärem Roboterhund Aibo eingeschläfert wurde.

Virtual-Reality-Brillen

Taucherbrille fürs Virtuelle

Ob Oculus Rift, Playstation VR oder HTC Vive: Alle Virtual-Reality-Brillen funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Im Sichtfeld zeigt ein Bildschirm die virtuelle Umgebung an, Linsen sollen für einen Rundum-Effekt sorgen. Das Bild wird bei jeder Bewegung des Kopfes angepasst – Sensoren messen jede Veränderung, der Computer errechnet blitzschnell das neue Bild.

Oculus Rift von Oculus VR

Gründer Palmer Luckey baute eine erste Datenbrille aus Smartphone-Komponenten zusammen. Inzwischen hat die Facebook-Tochter die Technik so verfeinert, dass 2016 eine erste Verbraucherversion von Oculus Rift fertig sein soll. Viele Entwickler experimentieren bereits mit der Hardware und schreiben Programme. Ohne leistungsfähigen PC werden Nutzer aber nichts davon haben.

Gear VR von Samsung

Samsung bietet die Datenbrille Gear VR als Zubehör fürs Smartphone an – es wird in die Halterung geschoben und dient als Display, die zwei Linsen in der Brille sorgen für die 3D-Optik. Damit ist das System nicht so leistungsfähig wie Konkurrenzprodukte, aber mobil. Die Technik stammt übrigens von Oculus VR.

Vive von HTC und Valve

Der Elektronikhersteller HTC entwickelt seine Virtual-Reality-Brille Vive gemeinsam mit dem Spielespezialisten Valve. Um die Position des Spielers möglichst genau zu ermitteln, werden im Raum zwei Lasersensoren montiert, die mit den Sensoren am Gerät permanent in Kontakt sind. Eine Besonderheit: Nutzer können sich damit im Raum bewegen. Einführung: noch 2016.

Cardboard von Google

Die virtuelle Realität muss nicht teuer sein: Mit Cardboard hat Google eine zusammenfaltbare Pappkonstruktion entwickelt, in die Nutzer ihr Smartphone schieben können. Eine App bereitet die Bilder passend auf. Technisch sind die anderen Systeme überlegen, Cardboard lässt aber erahnen, welche Möglichkeiten es gibt. Der Internetkonzern soll auch anderen Produkten arbeiten.

Die Konzentration auf die Videospielsparte stellt eine erneute Strategiewende dar, mit der Hirai sein Gewinnversprechen retten will. Nach Jahren der Krise hat Hirai den Anlegern für 2017 eine Eigenkapitalrendite von mehr als zehn Prozent und einen Betriebsgewinn von über 500 Milliarden Yen (rund 4,4 Milliarden Euro) in Aussicht gestellt. Das Unternehmen ist zwar auf gutem Weg. Doch zwei der drei Segmente, die Hirai bei seinem Amtsantritt 2012 zu Wachstumspfeilern der Elektroniksparte ernannt hatte, bröckeln.

Bei Smartphones schaffte Sony es angesichts des beinharten Preiskampfes chinesischer Wettbewerber nie, unter die Tophersteller aufzusteigen. Nun senkte Hirai die Umsatzprognose der Sparte für 2017 um zehn bis 20 Prozent auf 900 Milliarden bis 1050 Milliarden Yen. Auch die Gewinnspanne soll nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz betragen.

Die Kamerasparte soll sich zwar stabilisieren. Aber dafür wird es voraussichtlich mit Bildsensoren bergab gehen, bei denen Sony sowohl für Kameras als auch Smartphones Weltmarktführer ist. Denn der globale Smartphone-Boom flaut ab.

Bei Videospielen und den Gebühren aus dem PlayStation-Network will Hirai hingegen mit 1600 Milliarden bis 1900 Milliarden Yen rund 30 Prozent mehr Umsatz als bisher geplant und eine Gewinnspanne von acht bis zehn Prozent geplant. Und VR-Spiele sollen bereits dazu beitragen. Im Oktober bringt Sony seine Videobrille Playstation VR auf den Markt, die Spieler noch stärker in die Kunstwelten hineinziehen soll als bisher schon.

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