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13.09.2014

13:51 Uhr

Neue Technologie

Eine Internet-Cloud für Europa

Trotz der NSA-Affäre setzt sich ausgerechnet eine US-Firma für einen europäischen Datenraum ein. Sie will die Technologie liefern, damit Datentransfers innerhalb Europas die Grenzen Europas nicht überschreiten.

Die US-Computerfirma Hewlett Packard setzt sich für eine „europäische Cloud“ ein. ap

Die US-Computerfirma Hewlett Packard setzt sich für eine „europäische Cloud“ ein.

BöblingenDer US-Computerhersteller Hewlett-Packard will sich für einen gemeinsamen europäischen Datenraum einsetzen. „Wir treten für eine europäische Cloud ein“, sagte HP-Deutschlandchef Heiko Meyer der Nachrichtenagentur dpa.

„Wir sollten einen gemeinsamen Datenraum für Europa entwickeln wie den europäischen Wirtschaftsraum.“

Im Zuge der NSA-Affäre haben sich mehrere europäische Firmen für rechtliche Abkommen zu Diensten und Software ausgesprochen, auf die Nutzer über das Internet zugreifen (Cloud Computing). Der ehemalige SAP-Chef Jim Hagemann Snabe forderte vergangenes Jahr europäische Regeln für Datendienste.

Was ist über die NSA-Spionage in Deutschland bekannt?

Wie konnte die NSA Merkels Handy abhören?

Der GSM-Standard, mit dem Telefongespräche auf Handys verschlüsselt werden, gilt schon lange als geknackt. Die Gespräche können von Lauschern also entschlüsselt werden. Dazu müssen die Angreifer die Telefonate allerdings mitschneiden. Es besteht der Verdacht, dass sich auf dem Dach der US-Botschaft im Berliner Regierungsviertel technische Vorrichtungen befinden, die dazu genutzt werden können.

Hört die NSA Merkels Handy weiter ab?

Nachdem der „Spiegel“ das Abhören des Merkel-Handys aufgedeckt hatte, reagierte US-Präsident Barack Obama. „Die Vereinigten Staaten überwachen die Kommunikation der Kanzlerin nicht und werden sie nicht überwachen“, erklärte Sprecher Jay Carney Ende Oktober. Was die heute als gesichert geltenden Abhörmaßnahmen in der Vergangenheit nicht ausschloss. Das Weiße Haus gab zudem keine Zusicherung, dass Merkels Umfeld nicht abgehört wird.

Kann Merkel sich gegen die Telefon-Überwachung schützen?

Die Kanzlerin kann ein besonders geschütztes Kryptohandy nutzen. Damit wurde die Bundesregierung im vergangenen Herbst ausgestattet. Diese Geräte verwenden zusätzliche Verschlüsselungstechnik. Allerdings funktioniert die sichere Kommunikation nur, wenn die Gesprächspartner ebenfalls über ein solches Sicherheitshandy verfügen. Die Hersteller berichten, dass seit Bekanntwerden des Spähskandals die Nachfrage nach ihren teuren Geräten gestiegen sei.

Warum wurde Merkel abgehört?

Die USA und Deutschland arbeiten eng zusammen, etwa in der Nato. Doch nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA wurde Deutschland zum wichtigsten Aufklärungsziel in Europa, wie der ehemalige NSA-Mitarbeiter Thomas Drake dem „Spiegel“ sagte. Einige der Todespiloten lebten unentdeckt von deutschen Sicherheitsbehörden in Hamburg. Die USA sollen sich außerdem für die wirtschaftliche Lage und die außenpolitischen Ziele Deutschlands interessieren.

Seit wann wurde Merkel belauscht?

Nach Berichten des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden soll der Geheimdienst NSA seit 2002 das Privat-Handy Merkels abgehört haben. Damals war sie CDU-Vorsitzende. Die NSA soll mehr als 300 Berichte über Merkel gespeichert haben.

Interessierte sich der US-Geheimdienst nur für Merkel?

Offenbar nicht. Nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ und des NDR wurde auch schon SPD-Kanzler Gerhard Schröder abgehört. Grund sei sein Konfrontationskurs zu den USA im Irak-Krieg 2003 gewesen.

Wie sieht es mit der deutschen Bevölkerung aus?

Dass die Kanzlerin belauscht wurde, brachte den NSA-Skandal in Deutschland erst richtig ins Rollen. Doch auch die Kommunikation ganz normaler Internetnutzer kann vom US-Geheimdienst und seinem britischen Partnerdienst GCHQ ausgespäht werden. Die Dienste zapfen zum Beispiel die Unterseekabel an, über die Daten verschickt werden.

Ex-Telekom-Chef René Obermann sprach sich für ein sogenanntes „Schengen-Routing“ aus – Internet-Dienste, bei denen die Daten auf dem Weg zwischen zwei Punkten in Europa entsprechend auch die europäischen Grenzen nicht verlassen sollen.

HP will sich nun der Technologie dahinter annehmen. Unter dem EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 habe HP einen Antrag für ein Projekt namens „Cloud 28+“ eingereicht, sagte Meyer. Darunter versteht der IT-Konzern, der neben Computern und Servern auch IT-Dienstleistungen anbietet, einen rechtlichen und technologischen Rahmen für Cloud-Dienste in den 28 EU-Mitgliedsländern.

Auf dieser Basis will der IT-Konzern einen gemeinsamen Marktplatz für Cloud-Anwendungen schaffen. „Das wird unseren gemeinsamen Wirtschaftsraum stärken“, so Meyer.

Kommentare (1)

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Herr Tim Gerdes

16.09.2014, 11:30 Uhr

Habe ich etwas verpasst?

US-Amerikanische Unternehmen sind gesetzlich sowohl dazu verpflichtet, mit den Geheimdiensten ihres Landes vollumfänglich zuz kooperieren als auch darüber absolutes Stillschweigen zu bewahren.

Einem solchen Unternehmen soll nun die Errichtung eines vertraulichen, abgeschirmten europäischen Netzwerkes anvertraut werden?

Ist schon der 1. April, ist das Satire oder habe ich einen Realitäteverlust?

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