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08.10.2013

10:19 Uhr

Neue Textverarbeitung

Word trifft Whatsapp

VonChristof Kerkmann

Der frühere Technikchef von Facebook fordert Microsoft heraus: Bret Taylor, gerade 33, entwickelt mit seiner Firma Quip eine Textverarbeitung für das iPad- und Facebook-Zeitalter. Eine Bedrohung für den Software-Riesen?

Mit dem Tablet-Computer auf Reisen: Das Start-up Quip hat eine Textverarbeitung für mobile Geräte entwickelt. dpa

Mit dem Tablet-Computer auf Reisen: Das Start-up Quip hat eine Textverarbeitung für mobile Geräte entwickelt.

DüsseldorfEs ist eine stille Revolution, die sich in den Flughafen-Lounges und ICE-Waggons abspielt. Immer weniger Anzugträger klackern auf Notebooks und Blackberrys herum, immer mehr wischen und tippen lautlos auf kleinen Bildschirmen. „Derzeit verändert sich grundlegend, wie die Menschen arbeiten“, ist der Software-Entwickler Bret Taylor überzeugt. Seine Beobachtung: Die Smartphones und Tablet-Computer dienen nicht nur als E-Mail-Maschine und Spielkonsole, sondern als PC-Ersatz.

Doch die Werkzeuge der Büroarbeiter – Programme wie Microsoft Word – seien für die kleinen Bildschirme nur bedingt geeignet, meint Taylor in Gespräch mit Handelsblatt Online. Zu unübersichtlich, zu unhandlich. „Viele etablierte Firmen haben ihre Produkte in den 70er und 80er Jahren entwickelt und seitdem nicht wirklich etwas verändert.“

Das kann das neue Microsoft Office

Umstellung auf Touchscreens

Anfang 2013 brachte Microsoft eine gründlich überarbeitete Version seiner Büro-Software Office heraus. Die augenscheinlichste Änderung: Die Software lässt sich zwar wie gehabt mit Tastatur und Maus bedienen, aber auch über einen Touchscreen.

Noch nicht für alle Betriebssysteme

Für Windows 8, das Betriebssystem aus eigenem Haus, hat Microsoft eigene App entwickelt. Für andere mobile Geräte stehen jedoch noch keine eigenständigen Anwendungen parat – Nutzer dieser Geräte können müssen sich mit dem Browser behelfen. Office läuft somit vor allem auf Windows-Geräten.

Verbindung mit der Cloud

Integraler Bestandteil des neuen Office ist der Online-Speicher Skydrive. Nutzer können hier ihre Dokumente ablegen und von überall aus laden – Briefe, Präsentationen und Tabellen sind so auf allen Geräten aktuell. Zudem lassen sich die persönlichen Einstellungen in der Wolke sichern, zum Beispiel die Liste der zuletzt bearbeiteten Dokumente oder eigene Vorlagen.

Entweder kaufen oder mieten

Microsoft verkauft die Software, vermietet sie aber unter dem Namen Office 365 auch. Für 100 Euro pro Jahr können Anwender die Programme auf fünf verschiedenen Geräten nutzen. Anders als beim Konkurrenten Google Docs läuft Office auf dem lokalen Gerät, nur die Daten werden übers Netz heruntergeladen.

Arbeit mit mehreren Geräten

Das neue Office erleichtert die Arbeit mit mehreren Geräten. Ein Beispiel: Wer zu Hause einen Text schreibt und ihn anschließend im Büro öffnet, kann gleich zur letzten Position springen.

Nah dran an Sozialen Netzwerken

Das neue Office soll es erleichtern, das Adressbuch aktuell zu halten. Nutzer können Daten aus Facebook und LinkedIn mit den eigenen Kontakten zusammenzuführen – die Daten werden auf einer Kontaktkarte zusammengefasst.

Der Programmierer, 33 und bis zum vergangenen Jahr noch Technikchef beim Sozialen Netzwerk Facebook, erkannte in der Wartelounge seine Chance. Er kündigte seinen lukrativen Job und gründete mit seinem Kompagnon Kevin Gibbs im vergangenen Jahr das Start-up Quip. Mit einem kleinen Team entwickeln sie eine Textverarbeitung für das Zeitalter von iPad und Facebook. Man könnte auch sagen: Zwei der talentiertesten Entwickler des Silicon Valley fordern Microsoft heraus.

Quip ist eine Mischung aus Word, Wikipedia und Whatsapp. Die Textverarbeitung ist minimalistisch, lässt sich dafür aber auch auf Mini-Bildschirmen nutzen. Ähnlich wie im Online-Lexikon können mehrere Autoren mitschreiben. Das hat den Vorteil, dass man das Dokument nicht mehr E-Mail hin- und herschicken und anschließend die Versionen abgleichen muss. Und wer will, kann sich über Änderungen eine Nachricht aufs Smartphone schicken lassen. Auch in der Flughafen-Lounge.

Quip-Gründer: „Ein Meer von Smartphones und Tablets“

Quip-Gründer

„Ein Meer von Smartphones und Tablets“

Immer mehr Menschen lassen das Notebook zu Hause und arbeiten auf Smartphone und Tablet. Bret Taylor entwickelt mit dem Start-up Quip eine Textverarbeitung für mobile Geräte – und hofft auf eine Chance gegen Microsoft.

Geld verdient Quip mit Abogebühren. Privatkunden nutzen den Dienst kostenlos, Geschäftskunden mit mehr als fünf Mitarbeitern zahlen pro Person und Monat zwölf Dollar.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.10.2013, 10:56 Uhr

Klingt ein bisschen wie Microsoft OneNote.

Codex

08.10.2013, 12:22 Uhr

Warum macht denn niemand einen ordentlichen MS Word Ersatz für das iPad? So wie Pages nur eben direkt im Word Format und auch möglichst voll kompatibel dazu. Der Markt wäre doch da...

petca

08.10.2013, 16:29 Uhr

Oder Google Drive, erhältlich auch für alles Androide.

Es gibt bereits diverse derartige Lösungen. Der Witz ist hier wohl eher, die Nutzerbasis von facebook mitzunehmen.

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