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13.04.2013

10:33 Uhr

Neue Wege

Tageszeitung „taz“ startet Wochenzeitung

Die Berliner Tageszeitung möchte mit einer Wochenzeitung neue Leser ergattern. Diese tritt an die Stelle der Samstagsausgabe. Die „taz“ hofft auf 5.000 neue Abonnenten. Diese sind auch dringend nötig.

Die Tageszeitung „taz“ startet eine Wochenendausgabe in Form einer Wochenzeitung. dpa

Die Tageszeitung „taz“ startet eine Wochenendausgabe in Form einer Wochenzeitung.

BerlinDie „taz“ wird nach eigenem Slogan „dick und gemütlich“ - aber nur einmal in der Woche. Am 20. April erscheint erstmals die „taz am Wochenende“. Damit geht die Berliner „tageszeitung“ neue Wege - und hofft auf neue Leser. Anstelle der bisherigen Samstagsausgabe soll die Zeitung als eine Art Wochenzeitung angelegt sein, beschreibt Chefredakteurin Ines Pohl im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa das Projekt.

„Wir reduzieren die kleinteilige tagespolitische Berichterstattung und wenden uns den Themen der Woche zu“ zugunsten von mehr großen Themen, mehr Einordnung und Hintergrund - und ausdrücklich auch Positivem: „Der Satz "good news are no news" stimmt so doch schon lange nicht mehr.“ Der stellvertretende Chefredakteur Reiner Metzger leite das Team für die Wochenend-„taz“ und sei für den Aufbau des Projekts freigestellt bis Ende 2013.

Die Zeitungskrise

Deutschland, Zeitungsland

Trotz aller Hiobsbotschaften aus der Medienbranche ist Deutschland immer noch ein Zeitungsland: Nach aktuellen Angaben des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt es hier 315 lokale und regionale Abonnementzeitungen, 10 überregionale Blätter sowie 8 Straßenverkaufszeitungen, vor allem die „Bild“.

Die Auflagen sinken

Doch die meisten Blätter verlieren von Jahr zu Jahr an Auflage. Im zweiten Quartal 2013 wurden pro Erscheinungstag 20,64 Millionen Tageszeitungen verkauft, wie aus einer Erhebung der IVW hervorgeht. Das sind rund 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darin sind rund 0,38 Millionen E-Paper-Ausgaben enthalten. Bei den Wochenzeitungen zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Die verkaufte Auflage sank um rund 20.000 auf 1,73 Millionen Exemplare.

Der Werbemarkt schwächelt

Die sinkende Auflage trifft die Zeitungen gleich doppelt: Zum einen sinken die Vertriebserlöse, wenn die Verlage den Verkaufspreis nicht anheben (was in den letzten Jahren aber viele getan haben). Zum anderen verdienen sie weniger mit den Anzeigen – deren Preis richtet sich nach der Reichweite. Während der Gesamtwerbemarkt 2012 um 0,9 Prozent schrumpfte, verzeichneten die Zeitungen einen Umsatzrückgang von 9,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Fürs laufende Jahr erwartet der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft, dass die Verlage maximal eine schwarze Null erreichen.

Rubrikenmärkte wandern ins Netz ab

Mit Kleinanzeigen, Stellenausschreibungen und Autoanzeigen haben die Verlage jahrzehntelang gutes Geld verdient. Doch die Rubrikenmärkte sind weitgehend ins Internet abgewandert – viele der Portale gehören nicht Verlagen, sondern anderen Akteuren. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen. Im Online-Geschäft sehr aktiv ist beispielsweise der Axel-Springer-Verlag, ihm gehören das Immobilienportal Immonet und das Stellenportal Stepstone.

Digitale Produkte gleichen Minus nicht aus

Die große Hoffnung auf den Verkauf digitaler Ausgaben hat sich bislang nicht erfüllt. Zwar verkaufen sich E-Paper immer besser, im zweiten Quartal 2013 waren es rund 380.000 Exemplare. Doch das ist zu wenig, um den Rückgang der Printauflage aufzufangen. Die Reichweite der Web-Portale steigt zwar, doch die Werbeeinnahmen gleichen das Umsatzminus nicht aus. Viele Verlage hoffen, mit Bezahlmodellen im Netz mehr Geld zu erwirtschaften.

Hoffnung auf die große Reichweite

„Gedruckt, online und mobil erreichen die Zeitungen aktuell ein Publikum, das so groß ist wie nie zuvor“, erklärt der BDZV. Auf diese Reichweite hoffen die Verleger. Als Chancen nennt der Verband das Digitalgeschäft, aber auch neue Geschäftsfelder wie Aus- und Weiterbildung oder Veranstaltungsmanagement. Allerdings haben viele Verlage mit diversen Sparrunden das Personal stark ausgedünnt – das erschwert die Umsetzung neuer Ideen.

Bezahlinhalte als Ausweg?

Immer mehr Verlage hoffen, mit Bezahlinhalten den Umsatz steigern zu können. Beim „metered model“, das etwa die „Welt“ verwendet, dürfen die Leser nur eine bestimmte Zahl an Artikeln kostenlos lesen – danach müssen sie ein Abo abschließen. Und die „Bild“ stellt nur einen Teil der Artikel kostenlos ins Netz, andere Beiträge bekommen nur zahlende Kunden zu sehen.

5000 neue Abonnenten noch in diesem Jahr nennt Pohl als Zielmarke - teils über Kombi-Abonnements mit digitaler Lektüre in der Woche und gedruckter Zeitung am Wochenende. „Wir wollen dann, wenn die Leute mehr Zeit und Ruhe haben zu lesen, eine andere Form von Journalismus präsentieren.“ Das Konzept einer Wochenzeitung sei dafür der beste Weg.

2012 hatten vor allem sinkende Abo-Zahlen der „taz“ nach drei Jahren mit Gewinnen erstmals wieder Verluste beschert. Nach wie vor trug nach Verlagsangaben zwar das tägliche Abo der gedruckten Zeitung den größten Anteil zur Erlösseite bei. Doch mit 41 778 bezahlten Abonnements im Jahresdurchschnitt gingen ihre Zahl im Vorjahresvergleich um 5,5 Prozent zurück.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

13.04.2013, 10:41 Uhr

Das Beste wäre, die TAZ würde verschwinden oder eine "Jahres-Zeitung" auflegen ... immer nur am 1. April als linkes Klatsch-Blatt. Und das nackte Penis-Relief sollten sie mal abbauen an ihrer berliner Zentrale (Bild Dieckmann ?). Abartig.

Account gelöscht!

13.04.2013, 10:42 Uhr

http://de.wikipedia.org/wiki/Friede_sei_mit_Dir

baier

13.04.2013, 10:57 Uhr

liest der Kaviarlinke überhaupt am Wochenende? Und ist er bereit, so ein Blatt zu kaufen? Es droht das Schicksal der Frankfurter Rundschau!

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