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10.05.2012

10:43 Uhr

Neuer Kodex

Das Geschäft mit der Liebe soll sauberer werden

VonThorsten Giersch

Liebe geht durch das Internet: Immer mehr Menschen lernen sich bei Partnerbörsen kennen. Doch die Branche hat sich selbst in Verruf gebracht. Nun gehen die Firmen gegen raue Sitten und unseriöse Anbieter vor.

Eher wenig romantisch: Sexbörsen versprechen nicht unbedingt, den Traumpartner zu finden. dpa

Eher wenig romantisch: Sexbörsen versprechen nicht unbedingt, den Traumpartner zu finden.

DüsseldorfVon zehn Millionen Singles, die es in Deutschland gibt, suchen sieben Millionen ihren Partner mittlerweile über das Internet. Den Liebesdienstlern ist es offenbar gelungen, nahezu das komplette Marktpotenzial abzuschöpfen. Und damit die moderne Umsetzung eines Satzes, den die Schauspielerin Katharine Hepburn einst sprach: „Liebe ist nicht das, was man erwartet zu bekommen, sondern das, was man bereit ist zu geben.“ Die Online-Dater haben genau das gemacht: Liebe ist das, was man bereit ist zu investieren. Nie war emotional so rational.

Doch die Branche ist in Verruf geraten: Einige großen Portale verschleiern, wie viele aktive Mitglieder sie haben: Laufende Kundennummern gibt es nicht, eine Auswahl unter allen Mitgliedern ist nicht möglich. Die Sitten sind rau geworden, das Geschäft anonym und renditeoptimiert.

Aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks leiden bei vielen Services allerdings Qualität und Seriosität. Zusätzlich ist es für die Partnersuchenden im zunehmend undurchsichtigen Markt schwierig geworden, seriöse von unseriösen Anbietern zu unterscheiden.

Die großen Online-Partnervermittlungen

Der kleine Unterschied

Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Online-Partnervermittlungen und Online-Flirt-Portalen. Es folgt eine Auflistung der wichtigsten Anbieter.

Friendscout 24

Das Online-Flirt-Portal kommt auf 761.000 Besucher pro Monat. Gemessen wurden die Daten im Juni 2011. Der Preis liegt bei knapp 90 Euro pro Quartal. Die Stiftung Warentest gibt der Seite in ihrer Untersuchung eine 3,3.

Flirt Café

Auf Rang zwei der Online-Flirt-Portale folgt mit einigem Abstand das Flirt Café mit 464.000 Besuchern pro Monat.

Neu.de

Auf Rang drei folgt Neu.de mit 355.000 Besuchern.

Dating Cafe

Abgesehen von den größten Drei gibt es eine Reihe von weiteren Flirtbörsen. In einer Untersuchung von Stiftung Warentest erreicht DAting Cafe die beste Note - nämlich eine 2,7. Pro Quartal kostet die Mitgliedschaft 51 Euro. Die Zielgruppe sind Singles mit Niveau, im Schnitt Ende 30.

Finya

Kostenlos und dennoch gut bewertet ist Finya. Bei Stiftung Warentest kommt die Flirtbörse für junge Manschen ab 18 auf eine Durchschnittsnote von 2,9.

50plus-Treff

Wie der Name schon sagt, richtet sich 50plus-Treff an Single in höherem Alter. Die Mitgliedschaft kostet rund 60 Euro im Quartal.

Flirtcafe

Zumindest die Stiftung Warentest hält nicht besonders viel von der Börse Flirtcafe, denn sie vergab die Note 5,2. 57 Euro kostet Flirtcafe im Quartal.

Elitepartner

Bei den Online-Partnervermittlungen liegt Elitepartner.de klar vorne. Das Portal kommt auf 352.000 Besucher. Auch hier wurde im Juni 2011 gemessen. Mit 60 Euro pro Monat ist die Teilnahme aber nicht gerade ein Schnäppchen.

Parship

Mit einigem Abstand folgt auf dem zweiten Rang Parship. Hier klicken monatlich 180.000 Besucher.

Edarling

Auf dem dritten Platz folgt Edarling mit 141.000 Besuchern. Die Daten stammen von Singlebörsen-Vergleich, Bitkom und Nielsen.

partnersuche.de

Nicht gerade ein Schnäppchen ist das Portal partnersuche.de - denn pro Quartal kostet die Teilnahme 179 Euro. Dabei bewertet die Stiftung Warentest das Portal nur mit 3,4. Parship (2,2), Elitepartner (3,1) und Edarling (3,3) kommen da besser weg.

Be2

Be2 richtet sich an Single ab 25 Jahren, die eine feste Beziehung suchen. Pro Quartal kostet es 150 Euro. Die Durchschnittsnote liegt bei 3,0.

Partner.de

Mit einer Gebühr von 74,50 Euro pro Quartal ist partner.de die günstigste Partnerbörse. Die Zielgruppe ist im Schnitt Mitte 40.

Erfahrung nach Altersgruppe

Der Aussage "Ich habe ein Date via Internet verabredet" stimmen vor allem die 14- bis 29-Jährigen zu: 47 Prozent sagen hier: das habe ich schon mal getan. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 21 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen neun Prozent und bei den über 65-Jähringen immer noch 13 Prozent.

Der Markt ist eben allzu attraktiv: Früher beendete der klassische Single seine Einsamkeit auf dem Dorffest, in der Disko oder am Arbeitsplatz. Das hat sich verändert. Neun Millionen Deutsche, behauptet der IT-Branchenverband Bitkom, haben bisher einen Partner im Internet gefunden. Sieben bis neun Prozent aller Paare sind Internetbekanntschaften, hat der Bamberger Soziologe Hans-Peter Blossfeld ermittelt.

Sie zollen damit zwei gesellschaftlichen Trends Tribut: Erdrückt von Berufstress bleibt vielen gut gebildeten und verdienenden Großstadt-Singles kaum noch Gelegenheit, jenseits des Büros Bekanntschaften zu knüpfen. Und das Internet hat es mit den Jahren geschafft, in nahezu alle Lebensbereiche der Deutschen vorzudringen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die virtuelle Welt auch das Schlafzimmer erreichte.

Kommentare (6)

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Betroffener

10.05.2012, 13:20 Uhr

Vor "Elitepartner" kann ich jeden nur warnen. Da schließt man ein 3-Monatsabo ab und wenn man das nicht rechtzeitig kündigt, verlängert sich das Abo um ein Jahr. Ansonsten dominiert die Schrotschusstaktik. bis zu 8 Idealpartnerinnen pro Tag. Natürlich werden geografische Präferenzen regelmäßig ignoriert, genauso die Angabe, dass man keine Vaterrolle übernehmen möchte. Rekord: Frau mit 5 Kindern, die mit im Haus wohnen oder stark übergewichtige Frauen. Interessentinnen aus Rumänien, Ukraine, Russland oder Österreich werden als Traumpartnerinnen präsentiert, die mein Profil besucht haben.
Und jeden Tag lockt ein neues Sonderangebot, ein Zeichen, dass das Wasser diesem unseriösen Abzockerdienst langsam bis zum Halse steht. Und das völlig zurecht!

Ex-Kunde

10.05.2012, 13:31 Uhr

Kann ich nur bestätigen. Und kaum fangen die Ferien an,
schwappt die Lehrerinnenschwemme über einen. Viele dieser angepriesenen Traumpartnerinnen sind nur zu beneiden: anhand der Auflistung aller Hobbies, Interessen, Freizeitaktivitäten usw. müssen die mit weniger als 2 Std. Schlaf auskommen und trotzdem ihren akademischen Beruf erfolgreich meistern. Einfach toll!

Niewieder

10.05.2012, 20:34 Uhr

Warum wundert es mich nicht das elitepartner nicht bei der vereinbarung dabei ist? ich glaube die sind nur auf das geld des kunden aus und alles andere ist egal. meine 3 monatsmitgliedschaft wurde damals auf weitere 6 monate verlängert. als ich mich weigerte zu zahlen, kam der wink mit dem inkasso. meiner meinung nach ein abzockerladen.

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