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26.07.2012

22:48 Uhr

Neuer Tiefstand

Facebook taumelt nach enttäuschenden Zahlen

VonAxel Postinett

Zehn Prozent fiel die Aktie des populärsten sozialen Netzwerkes nach dem ersten Quartalsbericht – auf einen neuen Tiefstand. Facebook gab einen Verlust bekannt. Doch das war nicht, was die Investoren beunruhigte.

Facebook verunsichert Investoren

Video: Facebook verunsichert Investoren

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San FranciscoKein eigenes Smartphone, keine Prognosen für das laufende Quartal, keine konkrete Antwort auf das Problem der fehlenden Mobil-Umsätze, dafür aber das Versprechen steigender Kosten durch höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Infrastruktur.

Die Wall Street zeigte sich weniger entsetzt vom aktuellen Quartalsbericht des Social-Networks Facebook als von den nebulösen Aussichten des Unternehmens, dass zeitweilig mit deutlich mehr als dem 50-fachen des erwarteten Jahresgewinns bewertet wurde.

Diese Stimmen hatten den Facebook-Börsengang begleitet

Warren Buffett

Warren Buffett (Star-Investor)

„Die Idee, dass eine frisch an den Markt gebrachte Firma unter tausenden und abertausenden Firmen weltweit die günstigste Gelegenheit ist, ist einfach dümmlich."

Michael Pachter

Michael Pachter (Analyst bei Wedbush)

„Die platzierenden Banken haben es völlig vergeigt.“

Phillip Goldberg

Phillip Goldberg (Investor)

"Orders von Investoren, die am ersten Handelstag Facebook- Aktien kaufen wollten, wurden häufig erst Stunden später ausgeführt. In der Zwischenzeit hatten die Investoren, die diese Aktien kaufen wollten, keine Ahnung, ob ihre Geschäfte ausgeführt worden waren und daher keine Ahnung, ob sie überhaupt Facebook-Aktien hielten."

Goldberg hat Klage gegen den Börsenbetreiber Nasdaq eingereicht.

Mary Schapiro

Mary Schapiro (SEC-Chefin)

„Es gibt einige Probleme, die wir uns anschauen müssen, vor allem im Zusammenhang mit Facebook.“

Robert Greifeld

Robert Greifeld (Nasdaq-Chef)

„Es hat ganz klar Fehler gegeben.“

Jim Cramer

Jim Cramer (Ex-Börsenhändler und TV-Moderator)

„Es ist unbestritten, dass (Facebook) ein schnell wachsendes und gut geführtes Unternehmen ist und es könnte ein guter Deal sein (…) Nur nicht am Eröffnungstag“.

Henry Blodget

Henry Blodget (Chef der Analyseplattform “Business Insider”)

“Wenn sich das Wachstum nicht wieder zulegt, ist es schwer zu sehen, wie die Aktie groß zulegen soll“

David Rolfe

David Rolfe (Investmentchef von Wedgewood Partners)

„Die Wall Street ist ein strenger Lehrmeister. Nun wird von Facebook erwartet, dass das Unternehmen regelmäßig seine Ziele anhebt, um sie dann zu übertreffen.“

Simon Lee

Simon Lee (Analyst bei der Navy Federal Credit Union)

„Für Facebook ist immer noch eine Menge mehr Platz, und es wird weiterhin mehr Nachfrage nach der Aktie als Angebot geben 

Yves Maillot

Yves Maillot (Head of Investments von Robeco Gestions)

„Facebooks Preisgestaltung erscheint recht teuer zu sein" Der Börsengang dränge darüber hinaus in ein „sehr schwieriges Umfeld für den US-Aktienmarkt."

Tom Taulli

Tom Taulli (IPO-Experte für Tech-Aktien)

„Banker werden das Beispiel als Erinnerung für Firmen nutzen, dass sie beim Preis nicht zu hoch greifen sollten. Die Devise 'der Himmel ist die Grenze' gilt nicht mehr.“

John Scandalios

John Scandalios (Leiter Franklin Templeton Technologiefonds)

„Bei den Geschäftsmodellen gibt es noch viele offene Fragen"

Nick Einhorn

Nick Einhorn (Analyst der Beratungsfirma Renaissance Capital)

"Es war nicht so aufregend, wie es hätte sein können. Aber ich denke nicht, dass wir den Börsengang als Misserfolg werten sollten."

Larry Page

Larry Page (Gründer und Konzernchef von Google)

„Wir haben versucht, mehr einfache Leute teilhaben zu lassen.

In einer Talkshow äußerte sich Page über die Unterschiede zwischen den Börsengängen von Google und Facebook.

Die Antwort folgte auf dem Fuß: mit 23,85 Dollar taumelte das Papier, das erst am 18. Mai zu 38 Dollar emittiert worden war, zeitweilig auf ein neues Rekordtief.

Für das zweite Quartal 2012 meldete Facebook CEO Mark Zuckerberg einen Umsatz von 1,18 Milliarden Dollar, ein Plus von 32 Prozent zum Vorjahreszeitraum und zwölf Prozent mehr als im 1. Quartal 2012. Analysten hatten im Schnitt 1,15 Milliarden Dollar (940 Millionen Euro) erwartet.

Die Wall Street zeigte sich jedoch nicht überzeugt, da zugleich ein Nettoverlust von 157 Millionen Dollar eingefahren wurde. Dies hauptsächlich deshalb, weil zum Börsengang die stattlichen Aktienpakete für Mitarbeiter im Wert von hunderten Millionen Dollar fällig geworden waren.

Die größten Sorgen von Facebook

Die Nutzer bleiben aus

Facebook ist seit seinen Anfängen im Februar 2004 rasend schnell gewachsen. Das Soziale Netzwerk hat mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, knapp 600 Millionen schauen sogar täglich vorbei. „Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg“, erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten. „Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh.“ Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

Die Werbung bleibt aus

Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. Knapp 90 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen. Bislang tut sich die Werbebranche aber noch schwer damit, den Wert von Facebook-Anzeigen zu erkennen, in vielen Unternehmen gelten sie eher als Experiment denn als fester Bestandteil der Kampagnen. Überdies besuchen immer mehr Nutzer Facebook mit dem Smartphone oder Tablet-Computer. Auf den kleinen Bildschirmen der mobilen Geräte lässt sich Werbung jedoch schlechter platzieren. Immerhin konnte das US-Unternehmen bei den mobilen Anzeigen zuletzt deutlich zulegen – ein Hoffnungszeichen für die Investoren.

Die Konkurrenz schläft nicht

Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. „Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft und Twitter“, erklärt Facebook in einem Bericht an die Börsenaufsicht SEC. So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als der blaue Riese. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf. Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. „Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir.“

Die Staatsmacht greift durch

Die Regierungen haben Facebook im Blick: „Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken“, weiß das Unternehmen. Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten – wie der arabische Frühling zeigte. Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf. Alles große Märkte. In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

Die Nerds untergraben das Geschäft

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen. „Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen.“ Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein. „Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können.“

So müssen sich die Aktionäre mit einem Minus von acht US-Cent pro Aktie begnügen, statt einem theoretischen Plus von zwölf Cents aus dem operativen Geschäft ohne die Mitarbeiter-Pakete.

84 Prozent des Umsatzes stammt aus dem Werbegeschäft, der Rest überwiegend aus Zahlungstransaktionen mit dem hauseigenen Bezahlsystem Facebook Credits. Hier, bei der zweiten tragenden Umsatz-Säule, bahnen sich offenbar Wachstumsprobleme an: Die gemeldeten 192 Millionen Dollar liegen nur marginal über den 186 Millionen im Vorquartal.

Quartalsbericht: Zynga präsentiert desaströse Zahlen

Quartalsbericht

Zynga-Aktien verlieren über 40 Prozent

Enger Facebook-Partner Zynga unterbietet schwache Wall-Street-Prognosen.

Alle Spielehersteller wie zum Beispiel Zynga, die am Vortag enttäuschende Zahlen vorgelegt hatten, sind gezwungen, dieses System zu verwenden, Facebook bekommt von jeder Transaktion 30 Prozent.

Zynga hatte zum Beispiel einen kräftigen Rückgang der Verkäufe sogenannter „virtueller Güter“ gemeldet, was direkt auf den Facebook-Umsatz durchschlägt. Beim Börsengang wurde angekündigt, man wolle verstärkt den Verkauf von Apps oder Medieninhalten wie Musik, Bücher oder Filme über Facebook leiten, was bis heute aber nicht in nennenswertem Umfang erfolgt ist.

Talfahrt

Facebook-Aktie fällt auf Rekordtief

Talfahrt: Facebook-Aktie fällt auf Rekordtief

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Kommentare (11)

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Account gelöscht!

27.07.2012, 06:52 Uhr

Das Hauptproblem für den Aktienkurs sehe ich, wenn die Sperrfrist der Eigentümer für den Verkauf ihrer Anteile abgelaufen ist. Dann werden wir wohl Kurse unter 20 Dollar sehen.

faehsbuk

27.07.2012, 06:56 Uhr

Facebook ist tot.
Der Hype ist vorbei.


pointiert

27.07.2012, 07:06 Uhr

BigBrother Marc Zuckerberg kann nur als Vorbote dessen betrachtet werden, worauf sich die Welt künftig einzurichten hat.
Da fallen die etwas ungelenk wirkenden Anfänge dieser tiefgreifenden politischen wie gesellschaftlichen Veränderungen kaum ins Gewicht.
Bremsen wird das vermutlichen keiner: 950 Millionen User sind doch schon mal ein ganz brauches Faustpfand in die Zukunft.

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