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11.07.2013

19:38 Uhr

Neuer Trend

Mehr Kamera als Smartphone

VonChristof Kerkmann

Nokia kreuzt Smartphone und Kamera – heraus kommt ein Gerät, das die klassische Knipse überflüssig machen soll. Damit setzt der Konzern auf einen Trend: vernetzte Fotografie. Nikon, Canon und Co sollten genau hinsehen.

Nokia Lumia 1020

41 Megapixel - mehr Kamera als Telefon

Nokia Lumia 1020: 41 Megapixel - mehr Kamera als Telefon

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DüsseldorfWas ist das beste Werkzeug, um eine Nadel im Heuhaufen zu suchen? Geht es nach Nokia-Chef Stephen Elop, dann ist es ein Smartphone: Ein Foto machen, heranzoomen – fertig.

Es ist ein gelungener Marketing-Gag: Als der finnische Hersteller sein neues Smartphone, das Lumia 1020, präsentiert, redet Elop kaum über Prozessorleistung oder Bildschirm, sondern fast nur über die Kamera. Sie habe einen optischen Bildstabilisator, ein Objektiv von Carl Zeiss – und mit 41 Megapixeln eine so hohe Auflösung, dass man ein Foto extrem vergrößern könne. „Man sieht Dinge, die man nie zuvor gesehen hat“, ruft Elop. Auf der Leinwand hinter ihm taucht die Nadel auf einem trockenen Grashalm auf. Selbst das Öhr ist zu erkennen.

Auch wenn man das übliche PR-Geklingel beiseite lässt, auch wenn man berücksichtigt, dass ein Teil der Technologie schon in einem älteren Nokia-Gerät zum Einsatz kommt: Das Lumia 1020 ist bemerkenswert. Es steht für eine neue Produktkategorie: Smartphones mit hervorragenden Kameras, die die Fotos gleich nach der Aufnahme bei Facebook, Instagram und Flickr hochladen können. Erst vor ein paar Wochen hatte Samsung mit dem Galaxy S4 Zoom ebenfalls ein so aufgerüstetes Handy vorgestellt, auch wenn es nur auf 13 Megapixel Auflösung kommt.

Die beiden Hersteller setzen damit auf den nächsten großen Trend der Kamerabranche. Die Einführung vernetzter Geräte sei ebenso bedeutsam wie die Umstellung von Analog- auf Digitalfotografie, sagt Francisco Jeronimo, Mobilfunkexperte vom Marktforscher IDC. „Das ist ein wichtiger Moment für Nikon, Canon und Olympus“, betont der Analyst. „Wer diesem Trend nicht rechtzeitig folgt, gefährdet sein Geschäft.“

Das sind die Features des Lumia 1020

41 Megapixel

Das Kamera-Smartphone hat einen 41-Megapixel-Sensor – andere Geräte wie das Samsung Galaxy S4 ermöglichen nur 13 Megapixel Auflösung. Allerdings geht es bei dem Nokia-Gerät weniger darum, Fotos in Postergröße auszudrucken, sondern um eine Verbesserung der Bildqualität. Beispielsweise können Nutzer in Videos oder Fotos zoomen, ohne dass die Bilder dadurch schlechter aussähen. Nokia nennt diese Technologie „Oversampling“.

Optischer Bildstabilisator

Nokia stattet sein Foto-Smartphone mit einem optischen Bildstabilisator aus. Dieser erleichtert es, Videos ohne Wackeln zu filmen und ermöglicht zudem, in düsteren Umgebungen ohne Blitz zu fotografieren. Damit sind auch bei wenig Licht scharfe Bilder möglich.

Objektiv von Carl Zeiss

Im Lumia 1020 ist ein Objektiv von Carl Zeiss mit sechs Linsen verbaut.

Xenon-Blitzlicht

Nokia stattet das Gerät mit einem Xenon-Blitz aus. Dieser leistet nach Angaben des Herstellers deutlich bessere Arbeit als Konkurrenzgeräte und ermöglicht auch Aufnahmen im Dunklen.

Neue Bedienung

Um die Bedienung auf dem Touchscreen zu erleichtern, hat Nokia die Software Pro Camera entwickelt. Die ermöglicht es, Fokus, Verschlusszeit und Weißabgleich manuell einzustellen.

Schrill und dezent

Das Lumia 1020 gibt es in schrillem Gelb, aber auch dezentem Schwarz oder Weiß. Das Gehäuse ist aus einem Stück gefertigt.

Wuchtiges Gehäuse

Der Bildschirm ist 4,5 Zoll groß. Weil das Objektiv leicht heraussteht, ist das Lumia 1020 etwas dicker als andere Smartphones.

Betriebssystem von Microsoft

Wie bei allen seinen Smartphones setzt Nokia das Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 8 ein.

Mehr Arbeitsspeicher

Das Lumia 1020 hat zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und damit doppelt so viel wie andere Lumia-Geräte. Der interne Speicher ist 32 Gigabyte groß, zudem erhalten Nutzer kostenlos 7 Gigabyte beim Cloud-Speicher Skydrive von Nokia-Partner Microsoft. Als Prozessor kommt ein Doppelkern-Chip mit 1,5 Gigahertz zum Einsatz. Das Display ist 4,5 Zoll groß und nutzt Amoled-Technologie.

Karten und Musik

Nokia installiert auf dem Lumia 1020 seine Karten-Software, die auch in den anderen Smartphones zum Einsatz kommt. Auch der Musikdienst ist an Bord.

Noch kein Preis für Europa

In den USA gibt es das Lumia 1020 beim Mobilfunkanbieter AT&T für 300 Dollar inklusive Zweijahresvertrag. Wie viel das Gerät in Europa kostet, ist noch unklar.

Kameragriff als Zubehör

Damit sich das Lumia 1020 beim Fotografieren besser halten lässt, verkauft Nokia einen Kameragriff, der in den USA 79 Dollar kosten soll. Dieser enthält einen Akku, der die Aufnahmezeit um eine knappe Stunde verlängern soll. Zudem hat er ein Gewinde für Stative.

Offen für Entwickler

Nokia ermöglicht Software-Entwicklern, wichtige Funktionen zur Bildbearbeitung zu nutzen. Dafür hat das Unternehmen ein sogenanntes Software Development Kit (SDK) veröffentlicht, also eine Sammlung von Werkzeugen für Programmierer.

Schon jetzt leiden die Traditionshersteller unter dem Smartphone-Boom: Der Absatz von einfachen Kompaktkameras, die im Englischen „point and shoot“ (zielen und abdrücken) heißen, ist eingebrochen. „Bei jüngeren Nutzern ist das Smartphone die dominierende Kamera für Schnappschüsse – gerade in Situationen, in denen die Qualitätseinbußen keine Rolle spielen“, sagt Michael Schidlack, Bereichsleiter Consumer Electronics beim Technologie-Branchenverband Bitkom.

Das hat zwei Gründe: Zum einen ist das Smartphone ohnehin immer dabei. Zum anderen kann damit das Foto gleich bei Facebook und Instagram hochladen oder per Mail verschicken. „Konnektivität ist für viele Kunden inzwischen wichtiger als eine herausragende Bildqualität. Das typische Szenario ist, dass man bei Events oder im Urlaub die Fotos sofort hochlädt“, sagt Schidlack. „Die meisten Nutzer schießen keine Fotos, um sie auf dem Laptop aufzubewahren. Deswegen wird die Internetanbindung immer wichtiger“, sagt auch IDC-Experte Jeronimo.

Kommentare (10)

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MartinVanger

11.07.2013, 19:39 Uhr

Technisch ist das keine revolutionäre Kamera wie es jemand nannte.
Die Idee mit Super Pixel ist Minimum 7 Jahre alt.
Hat sich auch nicht bei „erwachsenen“ Kameras durchgesetzt (siehe Sigma).
Irgendwie habe ich diesen Eindruck, dass es der Letzte echte Flop sein wird (Besser gesagt der letzte echte Elop).

Hans

11.07.2013, 19:59 Uhr

Die 13 MPix bei der hier genannten Samsung 4S zoom, sind de facto mehr als Doppel so viel als hier gelobte 41 mpix.
41:7= ???
In der Praxis werden es ca. 5 Mpix sein (nach dem zoomen).
Keine Angst um Canon und Nikon :-)
Übrigens ich finde den Design echt unterirdisch schlecht.

Reinheim

11.07.2013, 20:06 Uhr

Nokia hat mehr als die Lücke geschlossen gegenüber der Konkurenz. Absolut Spitze die Fakten.

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