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03.06.2014

12:45 Uhr

Neuerungen von Apple

Ein bisschen Langeweile für die Zukunft

VonChristof Kerkmann

Keine neuen Geräte, keine Innovationen? Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz nur Software präsentiert. Das ist aber kein Zeichen, dass dem Konzern die Ideen ausgehen – er sichert das Geschäft der nächsten Jahre.

Enttäuschender Auftritt? Apple-Chef Tim Cook hat keine neuen Geräte vorgestellt. dpa

Enttäuschender Auftritt? Apple-Chef Tim Cook hat keine neuen Geräte vorgestellt.

Die Verschwiegenheit von Apple ist legendär. Das Management um Tim Cook will keine Details über seine Pläne nach außen dringen lassen – und heizt gerade damit die Spekulationen an. Wenn es gut läuft, sind die Gerüchte Gratiswerbung; wenn es schlecht läuft, können die Macher aus Cupertino die Erwartungen aber nicht erfüllen.

So auch bei der aktuellen Entwicklerkonferenz in San Francisco: Weil es weder ein neues iPhone noch eine iWatch noch sonst ein neues Gerät gibt, sind viele Beobachter enttäuscht. Zu Unrecht: Mit den Weiterentwicklungen legt Apple eine wichtige Grundlage für den Erfolg der nächsten Gerätegeneration. Die neuen Produkte hebt sich das Unternehmen für später auf.

Die Ankündigungen haben zwei Stoßrichtungen. Erstens umgarnt Apple die Entwickler. Der Konzern will dafür sorgen, dass sie dem iPhone und iPad treu bleiben und weiter attraktive Apps schreiben – am besten noch bevor eine Android-Version herauskommt, wie das derzeit häufig der Fall ist. Das riesige Angebot im App Store ist schließlich für viele Käufer ein wichtiges Kriterium.

Die Neuerungen von Apple

Auffrischung für die Software

Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC zahlreiche Neuerungen für seine beiden Betriebssysteme iOS und OS X angekündigt. Ein Überblick.

Neues Design für OS X

Äußerlich werden sich die Betriebssysteme für Mac und Smartphone immer ähnlicher: OS X ist stark an das flache Design von iOS angelehnt.

Eigener Cloud-Speicher

Apple stellt Nutzern seinen Cloud-Speicher iCloud Drive zur Verfügung. Die dort abgelegten Dateien lassen sich auch mit dem Dateimanager Finder durchsuchen. Zugriff haben Nutzer nicht nur mit Apple-Produkten, sondern auch Windows-Geräten.

Arbeiten auf allen Geräten

Mit einer Funktion namens „Continuity“ (Kontinuität) will Apple ermöglichen, die Geräte miteinander zu verzahnen. Wer beispielsweise ein Dokument auf dem Mac anlegt, kann es ohne Probleme auf dem iPad weiterbearbeiten. Zudem lassen sich mit dem Mac oder iPad Anrufe vom iPhone entgegennehmen.

Schlaue Tastatur fürs iPhone

Bislang können iPhone- und iPad-Nutzer keine Tastaturen anderer Entwickler installieren, wie das bei Android-Geräten möglich ist. Künftig erlaubt Apple Alternativen wie Swype. Gleichzeitig motzt das Unternehmen seine eigene Tastatur auf und schlägt beim Tippen Wörter vor, die zum Kontext passen.

Fitness-Tagebuch zum Mitnehmen

Mit iOS 8 bringt Apple eine Anwendung namens HealthKit heraus, in der Nutzer über Gesundheits- und Fitness-Daten protokollieren können. In die App lassen sich auch Daten von anderen Anbietern einspeisen, etwa Fitness-Trackern.

Anleihen von Whatsapp

Apple hat seine Nachrichten-App Messages gründlich überarbeitet und sich dabei von diversen Konkurrenten inspirieren lassen. So ist es jetzt auch möglich, Audio- und Videoaufnahmen zu verschicken – wie bei Whatsapp. Zudem kann der Absender festlegen, dass sich eine Nachricht nach einer bestimmten Zeit selbst löscht – wie bei Snapchat.

Schneller reagieren

Eben schnell eine Nachricht beantworten: Mit iOS 8 können Nutzer direkt aus dem Informationszentrum reagieren, ohne die entsprechende App öffnen zu müssen. Auch die Anwendungen anderer Unternehmen sollen sich von dort aus steuern lassen.

Dafür gibt der iPhone-Hersteller den Entwicklern einen besseren Werkzeugkasten. So soll die eigens entworfene Programmiersprache Swift die Arbeit erheblich erleichtern – eine viel bejubelte Ankündigung. Zudem dürfen die Entwickler mehr Systemfunktionen nutzen. Beispielsweise können sie auf den Fingerabdrucksensor TouchID zugreifen, um den Nutzer zu identifizieren, oder alternative Tastaturen installieren. Hier hat Android bislang einen Vorteil.

Zweitens verzahnt der Elektronikkonzern seine Geräte immer stärker. Wer ein Dokument auf dem Mac anlegt, kann es auf dem iPhone oder iPad weiterbearbeiten, ohne sich die Datei per E-Mail zuschicken zu müssen. Fotos tauchen auf allen Geräten auf, ein Anruf auf dem iPhone lässt sich auch auf dem Notebook beantworten.

Das Zusammenspiel verschiedener Geräte an sich ist nicht neu. Als Unternehmen, das Hardware und Software aus einer Hand anbietet, kann Apple das Problem aber besonders elegant lösen. Die Botschaft nach draußen: Wer in der Apple-Welt bleibt, hat kurze Wege.

Handelsblatt: Kerkmann, Christof

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Interner AutorKerkmann, Christof

Christof Kerkmann ist seit Oktober 2012 Redakteur im Unternehmensressort von Handelsblatt Online

Die Verbesserungen in Sachen Software – ob selbst erfunden oder bei der Konkurrenz abgekupfert – sind eine notwendige Bedingung dafür, dass Apple mit iPhone, iPad und Mac weiter hervorragend verdient. Um den Premiumaufschlag gegenüber Samsung und Co zu rechtfertigen, muss der Konzern im Herbst aber tatsächlich die Erwartungen der Medien und Fans erfüllen und starke neue Hardware herausbringen. Spätestens im September wird man mehr wissen.

Klar ist auch: Die sagenhaften Wachstumsraten von einst, die Apple zum wertvollsten Unternehmen der Welt machten, wird das Unternehmen nur erreichen können, wenn es „One more thing“ präsentiert, wie es der verstorbene Gründer Steve Jobs einst tat.

Video

Apple stellt Software-Upgrades vor

Video: Apple stellt Software-Upgrades vor

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