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11.09.2013

10:49 Uhr

Neues Abo-Modell

Bezahlschranke schreckt Bild-Leser nicht ab

Genaue Zahlen verriet Springer-Chef Döpfner nicht, bekräftigte aber, die Bezahlschranke von Bild.de habe keine Leser verschreckt. Wie viele sich konkret auf das bezahlte Abo-Modell einließen, ist weiterhin unbekannt.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner setzt voll auf die digitale Zukunft: Den Erfolg des Bezahlmodells erklärte er zum Gradmesser. AFP

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner setzt voll auf die digitale Zukunft: Den Erfolg des Bezahlmodells erklärte er zum Gradmesser.

HamburgDie eingeschränkte Bezahlschranke für Online-Inhalte der "Bild"-Zeitung hat Springer -Chef Mathias Döpfner zufolge keine Leser verschreckt. Erste Erhebungen zeigten, dass die Internetseite entgegen aller Befürchtungen genauso häufig besucht werde, wie vor Einführung des Bezahlmodells, sagte Döpfner am Dienstagabend in Hamburg. Seit Mitte Juni müssen Leser für einen Teil der Online-Artikel bezahlen. Wie viele bereits ein Abonnement abgeschlossen haben, wollte der Chef des Berliner Verlagshauses nicht sagen. Er betonte lediglich, die Entwicklung sei "sehr positiv". Noch vor der "Bild" - nämlich bereits Ende des vergangenen Jahres - hatte Springer die Tageszeitung "Die Welt" online kostenpflichtig gemacht. Rund ein halbes Jahr später zählte das Blatt fast 50.000 Abonnenten im Netz.

Angesichts rückläufiger Printauflagen und damit auch sinkender Werbeeinnahmen sagen immer mehr Medienkonzerne der Kostenlos-Kultur im Netz den Kampf an. Internationales Vorbild ist die "New York Times". Die gleichnamige Zeitung und ihre internationale Ausgabe zählten im zweiten Quartal knapp 700.000 digitale Abonnenten.

Das Digitalgeschäft von Springer

Alles aufs Internet

Die Wurzeln der Axel Springer AG liegen im Zeitungsgeschäft, doch Konzernchef Mathias Döpfner setzt voll auf das Internet. Er verkaufte die traditionsreichen Regionalzeitungen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ wie auch die TV-Zeitschrift „Hörzu“ an die Funke-Gruppe. Die Einnahmen will Döpfner ins Digitalgeschäft investieren. Schon jetzt ist der Konzern hier sehr aktiv – nicht nur mit seinen Medienmarken.

Digitaler Journalismus

„Bild“ und „Welt“ sind im deutschsprachigen Internet wichtige Adressen. Die Axel Springer AG bietet einen Teil der Inhalte kostenlos an, hofft aber, den Umsatz mit Bezahlschranken zu steigern. Bei der „Welt“ können Nutzer nur 20 Artikel im Monat kostenlos lesen – ab dem 21. Text müssen sie ein Abo abschließen. Die Online-„Bild“ setzt auf das Freemium-Modell: Ein großer Teil der Inhalte ist kostenlos, für bestimmte Geschichten müssen die Leser zahlen.

Rubrikenanzeigen

Rubrikenanzeigen wandern mehr und mehr ins Internet ab. Die Axel Springer AG will mit Portalen für Immobilien, Jobs und Autoverkäufe von diesem Trend profitieren. Zu den Tochterfirmen gehören beispielsweise Immonet, das Stellenportal Stepstone und das Städteportal meinestadt.de.

Digitale Werbeprospekte

Der Zeitung liegen oft gedruckte Werbeprospekte bei – mit der Tochterfirma Kaufda übertragt Springer das Konzept ins digitale Zeitalter. Nutzer können die Broschüren der Einzelhändler aus ihrer Stadt gebündelt aufrufen und durchsuchen.

Online-Werbung

Mit der Mehrheitsbeteiligung Zanox ist Springer im Online-Marketing aktiv. Der Dienstleister vermittelt über seine Plattform Werbung – Provisionen bekommt er, wenn ein Geschäft zustande kommt. Deswegen ist auch vom erfolgsbasierten Online-Marketing die Rede. Zanox ist nicht nur in Europa, sondern auch in den USA aktiv.

Preisvergleiche

Das Portal idealo.de vergleicht Preise und bündelt Testberichte und Nutzermeinungen zu Produkten. Aktiv ist es in etlichen europäischen Ländern sowie in den USA. Springer gehören 74,9 Prozent des Unternehmens.

Konkurrenz setzt auf Handel und Spiele

Auch andere Medienhäuser suchen nach neuen Einnahmequellen – und entfernen sich dabei noch weiter vom Stammgeschäft. Burda etwa setzt auf den Online-Handel, unter anderem mit Tierfutter. Die TV-Kette Prosieben Sat.1 investiert in Online-Spiele.

Springer, wie nun auch der kriselnde Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, verlagert seit Jahren sein Geschäft immer stärker ins Netz. Strategie ist es dabei, mit mehreren Standbeinen zu punkten. Zum Konzern gehören Anzeigen-Portale wie Immonet, Seloger und Stepstone genauso wie Online-Vermarktungsdienste wie Zanox und eben der Printbereich. Dieser Sektor schrumpft allerdings empfindlich mit dem Verkauf eines Großteils der Zeitungen und Magazine wie "Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost" und "Hörzu", der zum Jahreswechsel erfolgen soll. Dies spült viel Geld in die Kassen des MDax -Konzerns. Lange galt Springer auch deswegen als Favorit im Bieterrennen um die Scout24-Gruppe der Deutschen Telekom. Doch vergangene Woche stiegen die Berliner aus dem Rennen aus, weil sie offenbar den derzeit verhandelten Preis als zu hoch bewerten. Döpfner betonte nun, trotzdem keine Eile bei Übernahmen zu haben.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.09.2013, 11:01 Uhr

Nicht einmal wenn Bild MICH bezahlen würde, lese ich dieses Revolverblatt. - Demnach sind die Bild-Leser noch dümmer, als ich bisher befürchtet habe.

Account gelöscht!

11.09.2013, 11:20 Uhr

Bild zu lesen ist prima um die "Stimmung" einzufangen.

Ich guck gerne mal rein, nur ich kaufe sie nie.

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