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27.02.2013

08:20 Uhr

Neues Betriebssystem?

Android-Chef warnt Samsung vor Isolation

Samsung ist der weltgrößte Smartphone-Hersteller der Welt. Android-Chef Andy Rubin hat Samsung deshalb gewarnt eine eigene „Insel“ losgelöst von Android zu bauen. Samsung könne ohnehin nicht ohne Android überleben.

Maskottchen für das Google-Betriebssystem Android vor der Google-Zentrale. Der Android-Chef hat Samsung vor einem Alleingang gewarnt. dpa

Maskottchen für das Google-Betriebssystem Android vor der Google-Zentrale. Der Android-Chef hat Samsung vor einem Alleingang gewarnt.

BarcelonaAndroid-Chef Andy Rubin hat Samsung davor gewarnt, die wachsende Marktmacht für den Aufbau einer isolierten eigenen Plattform zu nutzen. Es sei zwar eine natürliche Entwicklung, dass ein großer Hersteller wie Samsung auch Alternativen zu Android auslote, sagte der Google-Manager auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Ein Alleingang eines einzelnen Herstellers wäre aber eine Insellösung. „Und mein Rat ist: Bauen sie keine Inseln, sie funktionieren nicht mehr. Sie müssen Ökosysteme aufbauen, die verschiedenen Herstellern offenstehen.“

Zugleich glaubt Rubin nicht, dass sich Samsung auch als größter Smartphone-Hersteller ganz von dem bei Google entwickelten Android-System verabschieden könnte. „Es gibt in jedem Haushalt immer mehr Geräte verschiedener Hersteller, die mit Android laufen“, betonte er. Und das Google-Betriebssystem sei dabei die gemeinsame Grundlage. „Es ist zu so einer mächtigen Kraft geworden, dass es schwer ist, darauf zu verzichten.“

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Android - ein Betriebssystem, dass Google allen Herstellern kostenlos zur Verfügung stellt - beherrscht den Smartphone-Markt derzeit mit einem Anteil von rund 70 Prozent. Samsung gelingt es am besten, diese Welle zu reiten: Rund jedes dritte weltweit verkaufte Computer-Handy kommt von den Südkoreanern. Sie sind damit mit Abstand erfolgreicher als andere Android-Anbieter. Immer wieder wird spekuliert, Samsung könnte diese Marktmacht und die Strahlkraft seiner Marke Galaxy nutzen, um sich mit anderen Betriebssystemen unabhängiger von Google zu machen.

Rubin führt den weiten Abstand von Samsung vor anderen Android-Anbietern auf ein besseres Management durch die Südkoreaner zurück. „Das hat nichts mit Android zu tun.“ Möglicherweise helfe Samsung auch, ein breit aufgestellter Konzern zu sein, der zentrale Bausteine wie Speicher, Prozessoren und Bildschirme selbst entwickele und herstelle.

Kommentare (4)

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Michael

27.02.2013, 08:36 Uhr

"der weltgrößte Smartphone-Hersteller der Welt."
__

Ich verstehe nicht, wieso Google befürchten sollte, dass Samsung nicht mehr auf ein beliebtes, kostenloses Betriebssystem setzen könnte.
Zudem scheinen mir die Aussagen des Herrn Rubin widersprüchlich.

Account gelöscht!

27.02.2013, 09:22 Uhr

Weil Samsung der Versuchung erliegen könnte ein eigenes OS zu entwickeln.
Die Frage ist nur ob die Kunden so eine Kundenbindung
a la Apple hinnehmen werden.

Ein Apple-Kunde kauft ein Feeling
eine Samsung_Kunde will ein funktionierendes Smartphone dessen OS offenen Standards entspricht!

iOS

27.02.2013, 09:25 Uhr

@Michael
Google hat sehr viel zu befürchten, Samsung hat mittlerweile einen Prestigewert der langsam in Richtung Apple tendiert, dazu kommt eine schon fast Marktbeherrschende Position. Es wäre ein leichtes, ein eigenes System aufzubauen, bei dem keine Daten von einer Googleautorisierung Abhänig sind. Durch die Offenheit von Android könnte sogar die Nutzung der Apps möglich sein.
Für Google bedeutet das einfach weniger Daten und somit weniger Marktmacht und Geld.
Den meisten Android Nutzern (mit billig Smartphones) dürfte es eh nicht unbedingt bekannt sein, dass Android was mit Google zu tun hat.
Samstung mit eigenem Betriebssystem wäre wirklich eine Bereicherung. Bin selber iOS Nutzer weil es für mich einfach passt, bin aber wirklich froh, dass z.B. durch Windows Phone neue Impulse gekommen sind. Wenn jetzt Firefox und Samsung starten sollten, kann das nur den Markt beleben und für Innovationen sorgen (bei Apple ist es leider was langweilig geworden).

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