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01.10.2014

06:11 Uhr

Neues Betriebssystem

Mit Windows 10 zurück zu den Wurzeln

VonAxel Postinett

Das Startmenü kehrt zurück: Beim neuen Windows 10 setzt Microsoft auf vertraute Bedienelemente. Besonders Firmen sollen sich wieder wohl fühlen mit ihren PCs. Bis das neue Betriebssystem kommt, dauert es aber noch.

Windows 10

Die Aufholjagd von Microsoft

Windows 10: Die Aufholjagd von Microsoft

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San FranciscoWindows 8 hat Millionen Fans enttäuscht. Das kann sich Microsoft nicht noch mal erlauben. Die Präsentation des kommenden Windows erfolgt deshalb so früh wie noch nie. Gut ein Jahr vor dem erwarteten Start-Termin erblickt Windows10 (ja, nicht 9) das Licht der Welt. Die Botschaft lautet: Wir haben verstanden. Der erste Eindruck: Ja, es sieht ganz danach aus.

„Zuerst einmal werden wir die Unternehmen fragen, dann die Konsumenten.“ Terry Myerson, Herr über die Betriebssysteme bei Microsoft, machte am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Windows keinen Hehl daraus, wer die wichtigste Zielgruppe für das neue Betriebssystem sein wird. Es wird spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2015 nach der Entwicklerkonferenz Build erscheinen. Nachdem das Wohnzimmer an iPad, Android-Tablets, TV-Streamingboxen und Google-TV-Sticks verloren ist, besinnt sich Microsoft auf den Geschäftsbereich, mit dem er das meiste Geld verdient: die Unternehmen.

Der neue Konzernchef Satya Nadella hat die klare Losung ausgegeben: „Wir  fokussieren uns auf unserer Kernkompetenz als Produktivitätsplattform.“ Er bringt Office auf das iPad und Android und hält an seinem Tablets Surface als „Laptop-Ersatz“ fest, nicht als Konkurrenz zum iPad. Die Cloud-Plattform Azure nimmt es mit immer mehr den Anwendungen von Oracle, Google und Amazon auf. Im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres (zum 30. Juni) weist der Geschäftsbereich „Geräte und Privatkunden“ – der auch Windows enthält – zehn Milliarden Dollar Umsatz auf, von denen alleine zwei Milliarden auf den Zugang Nokia entfallen. Der Bereich „Geschäftskunden“ dagegen erwirtschaftete bereits 13 Milliarden Dollar.

Wie Windows wurde, was es ist

Windows 1.0

Der Urahn des inzwischen meistgenutzten PC-Betriebssystems kam im November 1985 auf den Markt. Damals war Microsoft noch ein Außenseiter, während der Platzhirsch IBM und der Aufsteiger Apple den Kampf um den PC-Markt auszufechten schienen. Anfangs arbeitete sich Windows nur mühsam ins Geschäft – denn Microsoft verzichtete zunächst angesichts eines jahrelangen Patentstreits mit Apple auf grafische Bedienungselemente.

Windows 3.1

Mit dieser Version lernte Windows 1992, Videos abzuspielen, bekam die ersten integrierten Spiele und neue Schriften. Die Grundansicht mit den überlappenden Fenstern und einem Desktop für Programm-Symbole blieb – mit einigen Design-Änderungen – lange erhalten.

Windows NT

Parallel zu den Consumer-Versionen von Windows entwickelte Microsoft nach dem Scheitern des OS/2-Projektes mit IBM eine Windows-Version mit einem neuen Programm-Kern („Windows New Technology“). NT wurde mit Windows 2000 fortgeführt und ging später in Windows XP auf.

Windows 95

Die radikale Erneuerung von 1995 brachte in Grundzügen das Windows, das heute praktisch jeder kennt. Unter anderem wurde der „Start“-Knopf mit dem Balken am unteren Bildschirmrand eingeführt. Nachdem nachträglich der Web-Browser Internet Explorer zum Windows-Grundpaket hinzugefügt wurde, setzte sich Microsoft zum Ärger der Wettbewerbshüter in diesem Bereich gegen den Pionier Netscape durch. Auf die Version folgten die kleineren Aktualisierungen Windows 98 und ME.

Windows XP

2001 brachte Microsoft die bisher langlebigste Version seines Betriebssystems auf den Markt, die immer noch auf vielen Rechnern läuft. Mit Windows XP wurden viele visuelle Effekte hinzugefügt, ebenso wie wichtige Funktionen wie etwa schneller Benutzerwechsel, eine integrierte Firewall für mehr Sicherheit und verbesserter Medienwiedergabe.

Windows 7

Das Betriebssystem Windows Vista sollte XP verdrängen, wurde von den Nutzern aber weitgehend ignoriert. Die 2007 veröffentlichte Version bot zwar neue Bildschirmansichten, aber eine für viele Nutzer verwirrende Rechteverwaltung für Benutzerkonten. Erst mit der Vorstellung von Windows 7 im Oktober 2009 konnte Microsoft die Anwender wieder überzeugen.

Windows 8

Mit Windows 8 wollte sich Microsoft für den Wandel der Computer-Welt rüsten: Die neue Kacheloberfläche ist für Touchscreens ausgelegt und eignet sich damit auch für Tablet-Computer – äußerlich ähnelt das System damit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone. Microsoft stellte Windows 8 im Oktober 2012 vor. Gerade an der neuen Bedienung wurde jedoch schnell viel Kritik laut.

Windows 8.1

Ein Update für Windows 8 kam im Oktober 2013 auf den Markt. Das kostenlose Windows 8.1 soll die größten Kritikpunkte an dem Vorgänger ausräumen. So können Nutzer direkt auf den Desktop starten und so die Kacheloberfläche umgehen. Zudem kehrt der Startknopf zurück, wenn auch nicht das klassische Startmenü.

Ausgerechnet mit den Hoffnungsträgern Windows 8 und 8.1 war die Rechnung gründlich danebengegangen. Zwar arbeiten laut Myerson „1,5 Milliarden Menschen mit PCs“, nur ist Windows 8 nicht relevant. Laut den Statistiken von Netmarketshare.com liegt im laufenden Quartal der Anteil von Windows 7 noch bei überwältigenden 51 Prozent, und selbst Windows XP kommt noch auf 24,1 Prozent. Windows 8 mit 5,9 Prozent und Windows 8.1 mit 6,8 Prozent rangieren unter ferner liefen. In seiner Not setzte Nadella für alle Hersteller die Windows-Lizenzkosten auf null, wenn sie ein Gerät mit einem Bildschirm kleiner als neun Zoll bauen und sich verpflichten Bing, die Suchmaschine, mitauszuliefern.

Aber jetzt wird alles anders. Wenn man sich in solchen Riesenschritten vorwärts bewegt, dann kann man leicht schon mal was übersehen. Im Falle Microsoft ist es die diesmal Ziffer 9, die eigentlich nach 8 folgt. Sie ist unter die Räder geraten. Das kommende Windows wird gleich Windows 10 genannt. Damit jeder gleich merkt, wie weit man davongeeilt ist. Es ist, als ob Nadella gar nicht schnell genug so viel Abstand wie möglich zwischen sich und Windows 8 bringen kann.

Das Startmenü von Windows 10. dpa - picture alliance

Das Startmenü von Windows 10.

Selbst in der vorgestellten technischen Vorschauversion, also einer ganz, ganz frühen Version, zeigten sich massive Verbesserungen in Design und Systematik. Besonders wichtig: Die bisherige Trennung zwischen neuer „Kacheloberfläche“ und altem Windows-7-Desktop wird aufgehoben. Alte Windows-7-Anwendungen laufen gleichberechtigt neben den neuen Windows Apps auf demselben Desktop.

Zumindest weitgehend. Auch Nachfrage war in San Francisco keine Antwort darauf zu bekommen, ob auch von zwei verschiedenen Internet Explorern Abschied genommen wird. Das ist heute ein großes Ärgernis für Anwender. Für eine Antwort sei es „noch zu früh“.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

01.10.2014, 10:57 Uhr

Windows 8 ist ja auch nicht zu ertragen; weder privat noch geschäftlich.

Für den Businessbereich erwarte ich ein Windows ohne Schnickschnack, ohne Store - oder sonstige Gequatsche - und Einkaufs"kacheln". Ich benötige da auch keine Dauer-News- oder Wetteranzeigen oder eine fast Zwangsregistrierung beim NSA-Ableger Hotmail.

Die Leute sollen damit arbeiten und einen Mehrwert schaffen. Ansonsten bleibt es bei Win7. Punkt.

G. Nampf

01.10.2014, 12:50 Uhr

Endlich hat die App-eritis ein Ende!

Herr John Harris

01.10.2014, 16:09 Uhr

...oder, wenn es ein bisschen anspruchsvoller sein darf, bei einer der führenden Linux Distributionen. Da können Sie auf Klicki-Bunti ganz verzichten, wenn Sie möchten.

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