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26.09.2014

12:00 Uhr

Neues Buch von Eric Schmidt

Googles zuckrige Werbebroschüre

VonBritta Weddeling

Google bläst zum Flauschangriff: Unternehmenschef Eric Schmidt schlägt in seinem neuen Buch „How Google works“ leise Töne an. Statt den versprochenen Geheimnissen berichtet er aber leider nur Klischees.

Google-Chef Eric Schmidt hat eine zuckrige Werbebroschüre über sein Unternehmen geschrieben. ap

Google-Chef Eric Schmidt hat eine zuckrige Werbebroschüre über sein Unternehmen geschrieben.

San FranciscoEric Schmidt ist so etwas wie der Außenminister von Google. Er reist durch die Welt und wirbt für das Unternehmen. Sein Auftrag lautet: Den Leuten da draußen die Angst nehmen vor der Macht der Internet-Firma. Das ist nämlich schlecht fürs Geschäft. Wohl auch deshalb enthält sein neues Buch „How Google works“ (Grand Central Publishing) die vielen Bilder.

Der Konzern, der international immer stärker kritisiert wird, macht auf klein und niedlich. Die Menschen sollen bei Google nicht an den Umsatz von 59 Milliarden Dollar und die 52 000 Mitarbeiter in 40 Ländern denken, sondern lieber an den putzigen Herrn Schmidt mit Pilotenmütze vor dem Modellflugzeug. Die Botschaft ist klar: Google bläst zum Flausch-Angriff. 

Schmidts Werbeanzeige auf 304 Seiten ist aber auch eine pädagogische Maßnahme. Sie legt dar, was man von Google lernen soll. Nicht ohne Grund, argumentiert der Aufsichtsratsvorsitzende von Google, pilgerten schließlich so viele Unternehmer nach Silicon Valley. „Wir wollen einige der Geheimnisse teilen und sie zu Richtlinien weiterentwickeln, die jeder nutzen kann.“ Verfasst hat er die Schrift gemeinsam mit Jonathan Rosenberg, Produktmanager bei Google.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Leider kommt dann aber nichts. Alle Erfolgsfaktoren, die Schmidt aufzählt, hat man so ähnlich schon einmal irgendwo gelesen. Von der guten Unternehmenskultur, die Chefs etablieren müssen, den richtigen Leute, die es anzustellen gilt, bis hin zur perfekten Strategie für das digitale Zeitalter. Wenn der Google-Mann dann, wie ungefähr jeder Zweite im Tal der IT-Träume, die Work-Life-Balance filetiert und zur Lobrede auf die Kultur des Scheiterns anhebt – dann hat Schmidt so ziemlich alle Klischees aufgezählt, die es über Silicon Valley gibt.

Natürlich hat Schmidt in vielem Recht. Google ist eines der führenden Unternehmen dieser Tage. Es schafft es, trotz seiner Größe den Unternehmergeist eines Start-ups aufrecht zu erhalten. Immer wieder besetzt die Firma als erste neue Märkte, dank guter Zukäufe wie etwa den Thermostat-Hersteller Nest, dessen Sensoren unser Zuhause technologisch erschließen, diverse Robotik-Firmen oder den vielen technischen Sensationen aus dem Forschungslabor X, wie dem selbstfahrenden Auto oder der Datenbrille Google Glass.

Tatsächlich läuft in Silicon Valley nichts mehr ohne Google. Jede Firma arbeitet irgendwie mit der Firma aus Mountain View zusammen oder möchte dies in Zukunft tun. So kommt es auch, dass Schmidt der Konkurrenz regelmäßig die Top-Entwickler wegschnappt, weil er einfach mehr bezahlen kann.

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