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31.12.2012

21:28 Uhr

„New York Times“

China weist Journalisten aus

Die „New York Times“ hat Chinas Führung mit Enthüllungen über das riesige Vermögen der Familie des Ministerpräsidenten verärgert. Jetzt muss einer der Korrespondenten das Land verlassen.

Das Gebäude der New York Times. Reuters

Das Gebäude der New York Times.

PekingChina hat erneut einen ausländischen Journalisten ausgewiesen. Der Pekinger Korrespondent der „New York Times“, Chris Buckley, musste am Montag ausreisen, nachdem sein Visum nicht verlängert worden war. „Er hat China heute mit seiner Familie verlassen“, bestätigte ein Kollege der Nachrichtenagentur dpa.

Die Visum-Probleme des 45-Jährigen erfolgten vor dem Hintergrund der chinesischen Verärgerung über die Enthüllungen der amerikanischen Zeitung über die großen Reichtümer der Familie von Ministerpräsident Wen Jiabao. Als Reaktion hatten die Behörden schon die Webseite der „New York Times“ in China blockiert.

Erst im Mai hatte die amerikanische Journalistin Melissa Chan, die für das englische Programm des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira gearbeitet hatte, das Land verlassen müssen. Es war die erste Ausweisung seit 14 Jahren und wurde als weitere Maßnahme verstanden, den Druck auf ausländische Korrespondenten zu erhöhen. So wird ihnen immer wieder damit gedroht, ihre Visa nicht zu verlängern.

Nach dpa-Informationen haben die Behörden die Verweigerung der weiteren Akkreditierung nicht mit den Berichten über Wen Jiabaos Familie begründet. Allerdings wartet auch der künftige Pekinger Bürochef der „New York Times“, Philip Pan, schon seit Monaten auf sein Visum. Er hatte seine Akkreditierung bereits im März beantragt.

Der Australier Buckley arbeitete seit 2000 als Journalist in China. Zuletzt war der erfahrene China-Kenner für die Nachrichtenagentur Reuters tätig, bevor er im September wieder zurück zur „New York Times“ wechselte, wo er schon früher gearbeitet hatte. Er verließ China mit seiner Frau und Tochter in einem Flugzeug in Richtung Hongkong.

Die Berichte der „New York Times“ über das Vermögen der Verwandten des Premiers sowie ähnliche Enthüllungsgeschichten der Nachrichtenagentur Bloomberg über die Familie des neuen Parteichefs Xi Jinping hatten in China für großen Wirbel gesorgt. Auch die Webseite der US-Agentur wurde gesperrt.

„Ich bedaure, dass Chris Buckley trotz unserer wiederholten Bitten, sein Journalistenvisum zu verlängern, gezwungen wurde, sich außerhalb Chinas niederzulassen“, sagte Jill Abramson, Chefredakteur der „New York Times“, in einer Erklärung. Er forderte das Pekinger Außenministerium auf, Buckley so schnell wie möglich ein Visum auszustellen und ihm zu erlauben, nach Peking zurückzukehren.

Kommentare (1)

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01.01.2013, 09:57 Uhr

Wenigsten sind Chinesen hier mal ehrlich! Jeder kennt die Spielregeln in China. Wer am Spiel teilnehmen und die Spielregel ausreizen möchte, muss damit rechnen vom Platz gestellt zu werden. Wo ist also das Problem?
Wie sieht es in Deutschland aus? Alle die meinen, dass wir in Deutschland Presse- und Meinungsfreiheit haben, sollten sich mal objektiv mit unserer Presselandschaft beschäftigten. Auf der Welt gibt es wohl keine vergleichbar gleichgeschaltete Presse wie in Deutschland. Zensur ist an der Tagesordnung. Unliebsame Meinungen werden durch Totschlagargumente nieder gemacht. Die meisten Onlineforen "müssen" moderiert werden. Wir leben in einem Land, das die Zensur, unter dem Deckmantel der Presse- und Meinungsfreiheit, perfektionier hat. Guten Morgen Deutschland oder viel mehr Gute Nacht und schlafe gut!

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