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05.04.2016

15:28 Uhr

NFL-Streaming

Twitter sichert sich Football-Rechte

Kann American Football das stockende Nutzerwachstum beflügeln? Twitter will jedenfalls donnerstags die Fans auf seine Plattform holen – und dürfte für die Online-Rechte der NFL tief in die Tasche gegriffen haben.

Die Übertragungen der Donnerstagsspiele könnten für Twitter eine Gelegenheit sein, mehr Internet-Nutzer anzulocken. AP

NFL-Football-Spiel

Die Übertragungen der Donnerstagsspiele könnten für Twitter eine Gelegenheit sein, mehr Internet-Nutzer anzulocken.

San FranciscoTwitter hat sich die Online-Rechte für Donnerstags-Spiele der American-Football-Liga NFL gesichert. NFL-Chef Roger Goodell gab den Deal am Dienstag standesgemäß per Tweet bekannt. Der Kurznachrichtendienst habe sich in einem Bieterwettstreit unter anderem gegen den Telekom- und Medienkonzern Verizon und den Online-Riesen Amazon durchgesetzt, schrieben der Finanzdienst Bloomberg und das Technologieblog „Recode“.

Ein Preis wurde zunächst nicht bekannt. Es dürfte jedoch nicht billig geworden sein. Sowohl Verizon als auch Amazon sind bekannt dafür, tief in die Tasche zu greifen, wenn sie etwas haben wollen.

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Knackige Botschaften in einer Länge von maximal 140 Zeichen, schnell und authentisch: Das Versprechen von Twitter klingt verlockend. Zehn Jahre nach der Gründung steht das soziale Netzwerk aber vor großen Problemen.

So soll Amazon für die Verpflichtung des ehemaligen Moderators der BBC-Autosendung „Top Gear“, Jeremy Clarkson, 250 Millionen Dollar hingeblättert haben. Die Top-Begegnungen der NFL finden jedoch nicht am Donnerstag statt, sondern am Wochenende. Deshalb liegen die TV-Reichweiten donnerstags auch unter den Werten am Samstag und Sonntag.

Die Übertragungen könnten für Twitter eine Gelegenheit sein, mehr Internet-Nutzer anzulocken und ihnen eine Plattform zum Kommentieren des Geschehens zu bieten. Der Zufluss neuer Mitglieder bei dem Dienst ebbte zuletzt ab, im vergangenen Quartal gab es erstmals einen Rückgang bei der Zahl aktiver Nutzer.

Twitter werde zum Teil auch die Vermarktung von Anzeigen im Umfeld der Spiele kontrollieren, erklärte Top-Manager Adam Bain. Der Dienst will sich schon lange als Ort für Diskussion bei großen Events etablieren - jetzt wird das erstmals mit Übertragungen auf der selben Plattform verknüpft.

Die Twitter-Gründer

Drei plus eins

In der offiziellen Geschichtsschreibung von Twitter spielen drei Gründer die Hauptrolle. Es gibt aber noch einen, der sich aus dem Kreis zu Unrecht ausgeschlossen fühlt. Die vier Köpfe im Kurzporträt.

Jack Dorsey

Der erste Chef der Firma gilt als Twitter-Erfinder. Doch er war 2007 laut Erinnerungen von Weggefährten dem Job nicht gewachsen. Für böses Blut soll etwa gesorgt haben, dass er sich am frühen Nachmittag zu Yoga-Kursen oder Zeichen-Stunden aufmachte. Dorsey, der sich auch schon als Masseur versucht hatte, verlor den Job, verließ Twitter und gründete den Mobil-Bezahldienst Square. Dort reifte er als Manager, so dass er seit 2015 mit Twitter und Square zwei börsennotierte Unternehmen gleichzeitig führen darf.

Evan Williams

Williams war schon vor Twitter ein bekannter Internet-Unternehmer. Er stand hinter der Blog-Plattform Blogger, die 2003 von Google gekauft wurde. Das die Begriffe „Blog“ und „Blogger“ populär wurden, ist auch Williams zu verdanken. Danach gründete er gemeinsam mit Biz Stone die Podcasting-Firma Odeo. Weil die Idee mit den Podcasts nicht so recht zünden wollte, gab es auch ein kleines Nebenprojekt - Twitter. Dorsey wurde erster Chef, im Oktober 2008 wurde er aber im Chefsessel durch Williams ersetzt. Zwei Jahre später ging der CEO-Posten an Dick Costolo weiter. Williams verließ Twitter, auch wenn er einer der größten Aktionäre blieb. 2012 gründete Williams die Medienplattform Medium, auf der jeder Artikel veröffentlichen kann.

Biz Stone

Stone (42) arbeitete für Google, bevor sich auf das Podcasting-Projekt mit Williams einließ, aus dem schließlich Twitter hervorging. Im Gegensatz zu seinen Mitgründern hatte Stone keine Ambitionen auf den Chefposten. Aber er versuchte sich als Wagniskapitalist und investierte unter anderem in Dorseys Bezahldienst Square, den Anbieter vernetzter Thermostate Nest und den Uber-Konkurrenten Lyft. 2012 gründete er eine neue eigene Firma Jelly - eine Plattform, bei der Nutzer alle möglichen Fragen stellen und beantworten können.

Noah Glass

Glass verkündet in seinem Twitter-Profil immer noch schlicht „I started this“ - „ich habe das in Gang gesetzt“. In einem Interview mit dem Blog „Business Insider“ erzählte Glass, er sei als einer der Odeo-Mitgründer von Anfang an auch maßgeblich bei Twitter involviert gewesen - und habe auch den ursprünglichen Namen „Twttr“ vorgeschlagen. Ihm sei auch die Leitung des Projekts in der Anfangszeit übertragen worden. Aber auch Glass bestreitet nicht, dass die Grundidee für Twitter von Dorsey kam.

Auch Facebook soll sich zeitweise für die Spiele der NFL am Donnerstag interessiert haben - dann aber aus dem Bieterwettstreit ausgestiegen sein. Die Rechte für die TV-Übertragungen in den USA liegen bei den Sendern CBS und NBC. Auch sie werden die Spiele dort online zeigen können.

Twitter hat bereits eine Infrastruktur für Video-Übertragungen von seinem Livestreaming-Dienst Periscope. Die NFL-Spiele dürften aber weitere Investitionen in die technische Plattform erfordern.

Von

dpa

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