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01.06.2012

14:39 Uhr

Niederländische KPN

E-Plus könnte mit O2 fusionieren

Die niederländische Telefongesellschaft KPN wehrt sich gegen eine Übernahme und erwägt dafür, seine deutsche Tochter E-Plus zu verkaufen. Ein möglicher Käufer wäre die O2-Mutter Telefonica.

KPN wehrt sich gegen die Offensive des mexikanischen Konzerns América Móvil. Reuters

KPN wehrt sich gegen die Offensive des mexikanischen Konzerns América Móvil.

AmsterdamDer Griff des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim nach KPN setzt die E-Plus-Mutter unter Zugzwang und bringt Bewegung in den deutschen Mobilfunkmarkt. Der niederländische Konzern prüft nun unter anderem auch einen Verkauf der deutschen Tochter E-Plus, um den Mexikaner abzuwehren.

KPN empfahl seinen Aktionären, das 3,25 Milliarden Dollar schwere Angebot des von Slim kontrollierten Mobilfunkkonzerns America Movil auszuschlagen. Es sei zu niedrig und eine Anteilsaufstockung auf knapp 28 Prozent brächte Slim erhebliche Kontrolle. KPN wolle "mehr Wert" für seine Aktionäre schaffen und prüfe dazu "alle strategischen Optionen" für E-Plus sowie sein belgisches Geschäft, warb der Konzern für seine Verteidigungsstrategie. "Wir sind davon überzeugt, dass America Movil keine faire Prämie dafür zahlt, dass es deutlich mehr Einfluss auf KPN gewinnt", sagte Konzernchef Eelco Blok.

Wie die Optionen für E-Plus aussehen könnten, ließ KPN offen. Eine Möglichkeit ist ein Verkauf an den spanischen Konkurrenten Telefonica, dessen deutsche Mobilfunktochter o2 mit E-Plus konkurriert. Telefonica lotet derzeit die Möglichkeiten für einen Börsengang seines Deutschland-Geschäfts aus, um nach eigenem Bekunden seinen Schuldenberg zu verringern.

Einige Experten sehen darin nun eine Chance für KPN, E-Plus an Telefonica zu verkaufen, weil die Spanier durch einen Börsengang genügend Geld für eine Übernahme hätten. Andere Experten glauben nicht an ein Zusammengehen. Es gehe Telefonica einzig darum, die Schulden zurückzuführen und die Rating-Agenturen zu befrieden. Diese würden eine Offerte an E-Plus nicht gerne sehen. Einige Branchenkenner spekulieren gar auf einen Börsengang von E-Plus.

Telefonica selbst trat am Freitag einem Medienbericht entgegen, wonach der Konzern mit KPN Gespräche über einen Kauf von E-Plus führe. Telefonica habe gegenüber Analysten erklärt, dass der Konzern nicht für Sparten von KPN oder den Konzern als Ganzes bieten wolle, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Der TV-Sender Nos hatte zuvor ohne Angaben von Quellen berichtet, die Unternehmen seien in fortgeschrittenen Gesprächen.

In der Branche wird immer wieder auf ein Zusammengehen von o2 und E-Plus spekuliert. Experten zufolge könnten die Unternehmen gemeinsam leichter zu den Marktführern Deutsche Telekom und Vodafone aufschließen und anstehende Investitionen in den Netzausbau besser stemmen. Chancen haben die Konkurrenten in der Vergangenheit auch schon ausgelotete, zu konkreten Vorhaben kam es aber bislang nicht.

Beim Bundeskartellamt ist ein Zusammenschluss von E-Plus und o2 nach Aussage eines Sprechers nicht angemeldet worden. Zu den prinzipiellen Genehmigungschancen für eine Ehe der beiden Mobilfunknetzbetreiber wollte er sich nicht äußern. Auch bei der Bundesnetzagentur gab es dazu keine Aussagen. Ein Sprecher der Regulierungsbehörde sagte nur, ein Zusammenschluss müsste angemeldet werden, weil beide Firmen unabhängig voneinander Mobilfunkfrequenzen erworben hätten und geklärt werden müsse, ob sie diese weiter so nutzen dürften wie bisher.

Von

rtr

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