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08.09.2016

09:32 Uhr

Nintendo und Apple

Der große Run auf Super Mario

VonMartin Kölling

„Super Mario Run“ kommt auf das iPhone: Diese Ankündigung machte Nintendo zum eigentlichen Sieger der Apple-Produktschau. Der fast schon totgesagte Spieleentwickler feiert auf Smartphones ein beeindruckendes Comeback.

Der Vater von Super Mario präsentierte bei der Apple-Produktvorstellung das iPhone-Spiel „Super Mario Run“. dpa

Shigeru Miyamoto

Der Vater von Super Mario präsentierte bei der Apple-Produktvorstellung das iPhone-Spiel „Super Mario Run“.

TokioMärkte irren manchmal, aber lügen nicht. Und geht es nach den Aktienkursen, hat der japanische Videospielehersteller Nintendo Apple bei der Präsentation der neuen iPhone-7-Modelle ganz klar die Schau gestohlen. Kaum hatte Apple-Chef Tim Cook angekündigt, dass Nintendos Dauerbrenner Super Mario auf Apples mobiler Plattform Smartphone-Premiere als „Super Mario Run“ feiern würde, begann ein Run auf Nintendo-Aktien.

Zuerst ging der Kurs von in den USA gelisteten Nintendo-Papieren durch die Decke. Am Donnerstagmorgen setzte sich der Boom dann im Heimatland des Unternehmens fort. Kurz nach Börsenbeginn in Japan stieg der Aktienkurs um 15 Prozent auf mehr als 28.000 Yen und ließ danach nur etwas nach.

iPhone 7: Der Apple-Effekt

iPhone 7

Der Apple-Effekt

iPhone 7, iPhone 7 Plus und eine neue Apple Watch: Apple stellt solide Weiterentwicklungen bestehender Geräte vor. Doch nichts davon wird die aktuellen Verluste des iPhones auffangen können. Eine Analyse.

Der simple Grund: Der Erfolg des mobilen Spiels „Pokémon Go“ hat den Anlegern schon einen Vorgeschmack darauf gegeben, was Nintendo mit Smartphone-Spielen winkt. „Nintendo wird jährlich Milliarden US-Dollar Umsatz mit mobilen Spielen machen“, ist der Videospielexperte Serkan Toto in Tokio überzeugt.

Mehr als 500 Millionen Mal wurde „Pokémon Go“ nach dem Start im Sommer bereits heruntergeladen, allerdings ohne großen Einfluss auf die Nintendo-Bilanz. Denn Pokémon Go wurde nicht von Nintendo selbst, sondern der Firma Niantic lanciert, an der Nintendo lediglich Anteile hält.

Als dies den Aktionären klar wurde, brach die Nachfrage kurz ein, die Nintendos Aktie auf über 30.000 Yen getrieben hatte. Doch bei „Super Mario Run“ könnte der Aufwind länger anhalten. Denn bei diesem Spiel sammelt Nintendo selbst die Goldmünzen ein. Schließlich wurde das Spiel von Nintendo selbst entwickelt.

Apples iPhone: Vom Pionier zum Kassenschlager

Das erste iPhone

Für das Jahr 2007 waren der große Touchscreen ganz ohne Tastatur und die Bedienung per Finger ein radikales Konzept, das die Smartphone-Revolution entscheidend anschob. Dabei verzichtete Apple bei der ersten Version sogar auf den schnellen UMTS-Datenfunk.

iPhone 3G

Ein iPhone 2 gab es nie – stattdessen kam im Sommer 2008 das iPhone 3G, was auf die Unterstützung des 3G-Standards UMTS hinwies. Das Aluminium-Gehäuse wurde durch eine Plastik-Schale ersetzt. Mit dem App Store öffnete Apple die Plattform für Programme verschiedener Entwickler.

iPhone 3GS

Mit dem Modell des Jahres 2009 führte Apple sein „Tick-Tock“-Prinzip ein, bei dem die iPhones alle zwei Jahre radikal erneuert werden und es zwischendurch ein „S“-Modell im unveränderten Design, aber mit aufgerüstetem Innenleben gibt. Das 3GS bekam eine bessere Kamera und einen schnelleren Chip.

iPhone 4

Das letzte Modell, das Gründer Steve Jobs noch selbst vorstellte. Das kantige Design des iPhone 4 mit einer gläsernen Rückwand war 2010 aufsehenerregend, zugleich häuften sich zunächst Berichte über Empfangsprobleme mit der Antenne am Außenrand.

iPhone 4S

Apple ließ sich 15 Monate Zeit bis Oktober 2011 mit einer Aktualisierung. Zu den Neuerungen gehörte neben technischen Verbesserungen die Sprachassistentin Siri.

iPhone 5

Während die Smartphones der Wettbewerber immer größer wurden, erweiterte Apple 2012 zunächst vorsichtig die Bildschirm-Diagonale von 3,5 auf 4 Zoll. Zugleich wurde das Gerät deutlich dünner gemacht und bekam wieder eine Aluminium-Hülle.

iPhone 5S

Die wichtigste Neuerung im Herbst 2013 war der Fingerabdruck-Sensor zum Entsperren der Telefone. Zudem entwickelte Apple unter anderem die Kamera weiter.

iPhone 6

Erstmals entschied sich Apple 2014 für zwei neue Modelle mit deutlich größeren Bildschirmen mit Diagonalen von 4,7 und 5,5 Zoll. Der Schritt löste einen Absatzsprung aus, Apple kam monatelang der Nachfrage nicht hinterher. Die Geräte wurden abermals dünner.

iPhone 6S

Gleiches Gehäuse, bessere Technik – das reichte im Weihnachtsquartal 2015 knapp für den nächsten Absatzrekord von knapp 74,8 Millionen verkauften iPhones.

iPhone 7

Zum ersten Mal geht Apple ins dritte Jahr mit einem weitgehend unveränderten äußeren Design. Doch der Großkonzern verzichtete unter anderem auf die klassische Ohrhörer-Buchse zugunsten des digitalen „Lightning“-Anschlusses.

Dies wurde auch auf dem Apple-Event deutlich. Tim Cook holte als Gaststar keinen geringeren als Mario-Vater Shigeru Miyamoto auf die Bühne. Der stellte dann das Spiel vor, das Super Mario zum Zeitvertreib für digitale Smartphone-Nomaden machen soll. „Erstmals kann man Mario mit einer Hand spielen“, so die Gaming-Legende. So könne man das Spiel in der U-Bahn spielen. Oder beim Essen eines Hamburgers, „oder eines Apfels“, witzelte der Japaner in Anspielung auf das Markenzeichen von Apple, einem angebissenen Apfel.

Dazu haben die Japaner das Spiel deutlich simplifiziert. In der Smartphone-Version, die wahrscheinlich später auch für Android kommen wird, rennt Super Mario automatisch. Der Spieler muss ihn dann nur durch Fingerdruck rechtzeitig so springen lassen, dass der knollennasige Sympathieträger der Japaner möglichst viele Schätze einsammeln kann.

Kommentare (11)

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Herr Percy Stuart

08.09.2016, 10:08 Uhr

Da sieht man mal auch wie krankim Denken und Handeln unsere Welt und unsere westlichen Gesellschaften sind. Wir schwaffeln hier in Person von Markus Koch über iPhone 7 und Pokemon Go, und warum wir wieder die neuen Produkte kaufen sollen, währendessen Millionen von Menschen existenzielle Nöte haben und nicht wissen, wie sie über den Monat kommen sollen. Dazu noch millionenfache Zuwanderung nach Europa von Menschen, die ebenfalls nichts haben. Das ist einfach nur noch pervers! Den Finanz- und Kapitalmärkten kann man von ganzem Herzen wirklich nur noch den endgültigen und nachhaltigen Crash wünschen, die westlichen Gesellschaften einschließlich der Medien sind derart dekadent, weshalb wir uns den kollektiven Untergang wirklich verdient haben. Wir alle sind gottverdammte Heuchler!

Herr Roland Kober

08.09.2016, 10:27 Uhr

Habe mich bisher jeglichem Smartphone Kauf verweigert, und denke nicht daran, mir jemals solch ein Ding zuzulegen, und geht mein 12 Jahre altes Uralthandy kaputt, dann wird es keinen neuen Vertrag geben und kein neues Handy mehr. Entschleunigt das ganze Leben, d.h. Leben ohne diese elektronischen Spielzeuge und dauernder Erreichbarkeit, sondern sich bewußt für immer da ausklinken .... und im Endeffekt in dieser Beziehung dem Überwachungsstaat und den Überwachungsorganen ein Schnippchen schlagen. Denke manchmal: Gibt doch Wichtigeres auf der Welt als dieses neue Spielzeug.

Herr Toni Ebert

08.09.2016, 10:49 Uhr

Ich habe auch so ein altes Nokia-Handy, was extrem Viren-sicher ist. Und es zersplittert auch keine Scheibe, wenn es mal herunter fällt. Parallel dazu habe ich ein iPad und da stelle ich fest, dass ich mit meiner Version 2-3 einfach klasse klar komme.

Meine Frau (Studentin) hat sich immer das Neueste gekauft, aber selbst sie kommt langsam ins Stottern, wenn sie mir sagen soll, was am neuesten Hit den wirklich besser ist. Ich vermute, dass sie auch bald nicht mehr den neuesten Hit kaufen wird. Vermutlich sind diese Dinger am Ende ihrer sinnvollen Entwicklung.

Aber was wir danach kommen?

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