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25.04.2014

14:46 Uhr

Nokia-Deal perfekt

Microsoft wird zum Smartphone-Riesen

Aus Microsoft wird Microhard: Der US-Konzern hat den Kauf der Gerätesparte von Nokia abgeschlossen. Damit ist es jetzt nicht nur ein Software-, sondern auch ein Hardware-Riese. Der Preis fällt höher aus als gedacht.

Hardware und Software aus einer Hand: Microsoft hat die Gerätesparte von Nokia übernommen. Reuters

Hardware und Software aus einer Hand: Microsoft hat die Gerätesparte von Nokia übernommen.

RedmondMicrosoft kann jetzt im Smartphone-Markt mit eigenen Produkten angreifen: Der US-Konzern hat am Freitag den Kauf der Gerätesparte von Nokia abgeschlossen. Die Aktionäre des finnischen Unternehmens und die staatlichen Aufsichtsbehörden hätten den Kauf genehmigt, teilte er am Freitag in Redmond mit. Der Deal war bereits im September 2013 angekündigt worden, die Zustimmung der Regulierungsbehörden zog sich aber über Monate hin.

„Die Fähigkeiten, die Nokia einbringt, werden unsere Transformation beschleunigen“, erklärte der neue Microsoft-Chef Satya Nadella. Mobile Geräte und Cloud-Dienste stünden jetzt im Mittelpunkt. Der Konzern will bei den Smartphones und Handys Hardware und Software besser aufeinander abstimmen. Er betonte aber, weiterhin mit anderen Herstellern zusammenarbeiten zu wollen – diese stehen nun allerdings in Konkurrenz zu Microsoft.

Der frühere Nokia-Chef Stephen Elop wird mit der Übernahme einer der starken Männer beim US-Konzern: Er leitet jetzt das gesamte Hardware-Geschäft, zu dem neben den Nokia-Produkten unter anderem auch die Spielkonsole Xbox und das Microsoft-Tablet Surface gehören. Der Manager war bereits früher bei Microsoft tätig, wechselte dann zu Nokia und veranlasste dort als Chef den Verkauf der Gerätesparte. Zwischenzeitlich war er auch als neuer Microsoft-CEO im Gespräch.

So sieht das neue Nokia aus

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Rückkehr möglich

Nokia hat sich gegenüber Microsoft verpflichtet, vorerst keine Mobiltelefone zu verkaufen. Nach Ablauf einer Frist wäre das allerdings durchaus erlaubt, andere Geräte wie Smartwatches dürfte das Unternehmen bereits jetzt auf den Markt bringen. Konkrete Pläne sind nicht bekannt, aber eine Rückkehr in das Geschäft mit Elektronik ist nicht ausgeschlossen.

25.000 Mitarbeiter an 130 Standorten wechseln zu Microsoft. Dazu zählen auch mehrere Fabriken. Allerdings verbleibt die Anlage im indischen Chennai bei Nokia. Hintergrund ist ein Streit mit den indischen Finanzbehörden, die die Fabrik im vergangenen Jahr unter Zwangsverwaltung gestellt hatten. Dort sollen Handys für Microsoft herstellt werden. Die Fabrik im südkoreanischen Masan will der finnische Konzern schließen.

Nokia könnte auf den Kaufpreis von 5,44 Milliarden Euro einen Aufschlag bekommen: Der endgültige Preis könne „leicht höher“ sein, erklärte das finnische Unternehmen. Details will es bei der Vorlage der Quartalszahlen in der kommenden Woche nennen. Dann will es angeblich auch den neuen Chef vorstellen: Nach einem Bericht der finnischen Zeitung „Helsingin Sanomat“ übernimmt Rajeev Suri die Konzernführung. Er hatte in den vergangenen Jahren die krisengeplagte Netzwerksparte NSN mit drastischen Maßnahmen saniert.

Für Verbraucher wichtig: Microsoft übernimmt die Kundengarantien für alle Geräte, die Nokia verkauft hat.

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chk

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