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08.07.2015

17:51 Uhr

Nokia-Kauf belastet

Microsoft streicht Handy-Geschäft massiv zusammen

Der Kauf der Handy-Sparte von Nokia wird zum Riesenflop für Microsoft. Die Smartphones kommen nicht gegen Apple und Samsung an. Tausende Stellen werden gestrichen, Microsoft-Chef Nadella hat das Geschäft abgeschrieben.

Nach dem Kauf des Nokia-Handy-Geschäfts blieben die erhofften Zuwächse bei Microsoft aus. ap

Lumia 830 Smartphone

Nach dem Kauf des Nokia-Handy-Geschäfts blieben die erhofften Zuwächse bei Microsoft aus.

RedmondDer Kauf von Nokia droht zum größten Flop in der Firmengeschichte von Microsoft zu werden: Der Windows-Konzern wird vor allem in seinem Handy-Geschäft erneut bis zu 7800 Arbeitsplätze streichen. In diesem Zusammenhang gibt es eine gewaltige Abschreibung im Volumen von bis zu 7,6 Milliarden Dollar, wie Microsoft am Mittwoch mitteilte.

Microsoft hatte sich die Übernahme insgesamt fast 9,5 Milliarden Dollar kosten lassen. Als weitere Belastung kommen noch Restrukturierungskosten von bis zu 850 Millionen Dollar hinzu. Vor einem Jahr hatte der Konzern bereits den Abbau von rund 18.000 Jobs angekündigt, von dem frühere Nokia-Mitarbeiter massiv betroffen waren. Das war der größte Stellenabbau seit Gründung des Unternehmens im Jahr 1975. Microsoft hat aktuell gut 118.000 Beschäftigte, die Hälfte davon in den USA.

An der Börse kamen die Sparmaßnahmen gut an: Microsoft-Papiere verteuerten sich um knapp ein Prozent.

Das schwierige Smartphone-Geschäft von Microsoft und Nokia

Nokia verlor den Anschluss

Nokia prägte einst den Handymarkt mit, doch dann verloren die Finnen den Anschluss. Beim Vormarsch der Smartphones taten sie sich schwer. Das Google-Betriebssystem Android und das iPhone von Apple setzen dem einstigen Marktführer zu.

September 2010

Stephen Elop wechselt von Microsoft an die Nokia-Spitze.

Februar 2011

Nokia gibt die eigene Smartphone-Software Symbian auf. Fortan setzten die Finnen für ihre Computerhandys auf das Microsoft-System Windows Phone. Zuvor hatte Google versucht, Nokia mit ins Boot der Android-Handybauer zu holen.

Juni 2012

Elop kündigt an, 10.000 Arbeitsplätze bei Nokia zu streichen.

Mai 2013

Das Geschäft mit den Windows-Smartphones kommt nicht in Gang. Deren Marktanteil liegt den Marktforschern von IDC zufolge bei 3,2 Prozent. Android-Handys kommen auf 75 Prozent.

September 2013

Microsoft kündigt an, das Handy-Geschäft von Nokia für 3,79 Milliarden Euro kaufen zu wollen.

April 2014

Kurz vor Abschluss des Verkaufs an Microsoft steckt Nokias Handygeschäft tief in den roten Zahlen. Im ersten Quartal verlor die Sparte 347 Millionen Euro.

Mai 2014

Der Verkauf der Handy-Sparte an Microsoft bringt Elop Berichten zufolge als Ex-Nokia-Chef gut 24 Millionen Euro ein.

Juli 2014

Microsoft kündigt den Abbau von 18.000 Stellen an. Mit 12.500 Jobs sind vor allem die Ex-Nokianer betroffen.

Juni 2015

Das Geräte-Geschäft wird mit dem Windows-Bereich zusammengelegt. Stephen Elop verlässt Microsoft bereits wieder.

Juli 2015

Microsoft kündigt den Abbau von weiteren 7800 Mitarbeitern an – vor allem im Handy-Geschäft. Der Konzern schreibt bis zu 7,6 Milliarden Dollar ab.

Microsoft hatte vor gut einem Jahr das Handy-Geschäft von Nokia gekauft, der erhoffte Zuwachs von Marktanteilen bei Smartphones blieb jedoch bislang aus. Immerhin: Beim Verkauf der von Nokia übernommenen Lumia-Smartphones erreichte Microsoft dank günstigerer Modelle im Quartal bis Ende Dezember den bisherigen Bestwert von 10,5 Millionen Geräten. Doch viel Gewinn ist mit den Günstig-Modellen kaum zu machen.

Konzernchef Satya Nadella setzt viel stärker auf Online-Dienste aus der Cloud als auf Hardware. Er betonte am Mittwoch, es werde auch weiterhin Smartphones von Microsoft geben. Er stellte jedoch eine deutlich kleinere Modellpalette in Aussicht: „Auf kurze Sicht werden wir ein effizienteres und fokussiertes Portfolio an Mobiltelefonen anbieten und die Kapazitäten behalten, um uns langfristig im Mobilitätsbereich neu zu erfinden.“

Zugleich erklärte Nadella, dass Microsoft kein eigenständiges Mobiltelefon-Geschäft mehr betreiben wolle. Die Sparte war vor kurzem bereits mit dem Windows-Bereich zusammengelegt worden. Der frühere Nokia-Chef Stephen Elop, der den Deal ausgehandelt hatte, verließ dabei den Microsoft-Konzern.

Kommentare (5)

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Matt Anderson

08.07.2015, 16:13 Uhr

Microsoft grottenschlechte Kacheloptik fordert ihren Tribut. Wie das Win8 beim PC die User zur Weißglut gebracht hat, konnte Microsoft nicht ernsthaft glauben, dass sich jemand ein Smartphone mit der gleichen schlechten Bedienoberfläche zulegt. Microsoft hätte da mal besser ein paar mehr Testläufe machen sollen. Und vorallem hätte Microsoft viel schneller reagieren und Win8 gravierend überarbeiten müssen. Jetzt wollen sie mit Win10 wieder punkten. Als Win8-Opfer müsste man mir aber Win10 schenken. Ich wollte freiwillig kein schlechtes Betriebssystem kaufen. Ich wollte nur auf dem neuesten Stand sein und wurde dafür bestraft. Jetzt soll ich wieder dafür bezahlen, um es diesmal eventuell besser zu bekommen. Wer will denn sich von Microsoft immer nur verschaukeln lassen? Wer soll denn mit seinem Smartphone denselben Fehler machen, wie beim PC? Da muss man ja verrückt sein.

Herr Herbert Maier

08.07.2015, 16:32 Uhr

Das hat Microsoft Steve Ballmer zu verdanken. Bevor Apple und Android überhaupt am Markt waren, hatte Microsoft mit seinem PDA-Betriebssystem WinMobile ganz nette Smartphones gemacht (Sinus / MDA usw). Ballmer hat dann aber in einem seiner Wutanfälle das - zugegebenermaßen langsame und hakelige - System komplett einstampfen und ein neues von scratch programmieren lassen, und wer nur etwas von software development versteht, weiß, was für ein Riesenunterfangen das ist. Bis dann Win8 mobile fertig war, war der Smartphone Zug sowas von abgefahren.

Account gelöscht!

08.07.2015, 16:45 Uhr

Dieser Handy-Humbug wird bald ebenso abflauen wie das absolut subprimige Sozialnetzwerkeln.
Jeder auch nur halbwegs hoffnungsvoll intelligenter Starter kann dabei doch nur komplett verblöden.
Angesichts der kafkaesk-tappenden Frankenstein-Abkömmlinge in öffentlichen Flächen und Verkehr wird die gespenstisch-reale Welt solcher Halbtoten zum Menetekel.

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