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15.02.2012

17:44 Uhr

Nokia Siemens

Gewinne gehen vor Wachstum

Statt wie bisher aggressiv weiter wachsen zu wollen, will Nokia Siemens Networks nun die Gewinne ausbauen. Nach einer erfolgreichen Unternehmenssanierung könnte dann sogar ein Börsengang anstehen.

Der „Nokia Siemens“-Schriftzug am Verwaltungsgebäude in München. dpa

Der „Nokia Siemens“-Schriftzug am Verwaltungsgebäude in München.

HelsinkiDer deutsch-finnische Netzwerkbauer Nokia Siemens Networks gibt seine aggressive Wachstumsstrategie auf und will sich auf eine Verbesserung der Gewinnspannen konzentrieren. Zudem schließt das Unternehmen einen Börsengang im Anschluss an eine erfolgreiche Sanierung nicht aus.

Der Direktoriumsvorsitzende Jesper Ovesen sagte in seinem ersten Interview seit der Amtsübernahme vor vier Monaten der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, der Marktanteil sei für ihn kein Schlüsselkriterium. „Mit Marktanteil kann ich mein Leben nicht bestreiten.“ NSN könne es sich nicht länger erlauben, wie bislang pro Jahr 500 Millionen Euro an Bargeld zu verbrennen. „Sogar starke Anteilseigner mit tiefen Taschen können nicht länger einer Firma Geld zuschießen, die ständig welches verliert.“ Die Tochter von Siemens und Nokia hat seit ihrer Gründung 2007 hohe Verluste eingefahren.

Im November kündigte NSN die Streichung von 17.000 Arbeitsplätzen an - ein Viertel seiner Belegschaft. Die Firma leidet unter dem scharfen Wettbewerb mit Marktführer Ericsson und aufsteigenden Rivalen aus China. Wenn sich die Konsolidierung unter den Kunden fortsetze, gebe es in der Netzwerk-Branche möglicherweise ein oder zwei Wettbewerber zu viel, sagte Ovesen.

NSN benötige zur Finanzierung des Konzernumbaus keine weiteren Geldspritzen von seinen Anteilseignern mehr, sagte Ovesen. „Ich denke nicht, dass die Eigner noch mehr beitragen sollten. Sie haben stattdessen einen richtigen Ertrag verdient.“ Siemens und Nokia haben beide erklärt, dass sie NSN unabhängiger machen und möglicherweise in einigen Jahren an die Börse bringen wollen. Laut Ovesen muss NSN jedoch hierzu zunächst seinen Umbau abschließen, finanzielle Stabilität beweisen und auf dem Gebiet der Technik führend bleiben.

Sowohl Siemens als auch Nokia werden Ovesen zufolge genug Geduld aufbringen, um die nächste Phase 2013 abzuwarten, solange NSN in der Zwischenzeit ausreichend Fortschritt vorweisen kann.

Von

rtr

Kommentare (5)

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kedi

16.02.2012, 03:00 Uhr

Es wird deutlich was NSN vorhat. Ein Viertel der Belegschaft abzubauen ist nicht innovativ, ist nicht kreativ, es ist die Bankrotterklärung wie mir scheint. Bisher hat das Management von Nokia Siemens Networks keines ihrer Ziele erreichen können, also sofort austauschen und Siemens soll wieder übernehmen. Vertrauensvoll und fair sollen die Mitarbeiter behandelt werden, aber das kann NSN nicht! NSN soll möglicherweise in einigen Jahren an die Börse gebracht werden. Tauscht das Management sofort aus! Das funktioniert so nicht denn NSN hat das Spiel ohne die Kunden gemacht. Die sind mit der Entscheidung viele Produkte und Lösungen nicht weiter zu betreuen oder nicht fortzuführen jetzt schon richtig bedient und höchst unzufrieden. NSN weiß das und verheimlicht es. Kahlschlag in Deutschland und vor allem in München. Das muß sofort gestoppt werden! München ist der Technologiestandort mit den meisten Patentanmeldungen!

herdima

16.02.2012, 10:09 Uhr

Eine Zusammenfassung wichtiger Aussagen von Jesper Ovesen - zum Teil auch aus der bearbeiteten Mitschrift des Interviews die auf der internen Homepage von NSN vorliegt:
- NSN strebt nicht mehr nach Volumen sondern wieder nach Ertrag.
- In dieser Industrie kann man ohne Volumen die R&D Kosten nicht decken.
- An einen Börsengang glaubt niemand mehr - aber natürlich will J.O. diese vage Möglichkeit nicht jetzt schon in aller Öffentlichkeit ausschliessen.

Damit ist die Marschrichtung klar:
- R&D einstellen.
- Verträge mit Kunden mehr schlecht als recht erfüllen
und die Kunden dabei so gut wie möglich schröpfen.
- NSN auf einen verkäuflichen Rest zusammenschrumpfen.
- Das beste von NSN - nämlich die Kunden -
an einen Wettbewerber verkaufen.

Die Frage ist nur noch welche Unternehmen dabei als Käufer
im Visier sind und welchen Mehrwert ein Kauf aller Kunden gegenüber dem Wettbewerb um abspringende Kunden hat.

Muenchen

16.02.2012, 10:30 Uhr

Seit seiner Gründung wechselt NSN jedes Jahr die Strategie. Mal ist das Wachstum das Wichtigste, dann wieder der Ertrag, dann (angeblich) die Innovation, dann doch wieder der Ertrag bei gleichzeitigem Schrumpfen - wobei gleichzeitig betont wird, dass nur die ersten drei Telekommunikationsunternehmen überleben werden. Was ist das für ein Vorstand?
Gleichzeitig wird jedes Jahr ein Großteil der Mitarbeiter, hauptsächlich in Europa und USA, (verbunden mit hohen Kosten) abgebaut - trotzdem ist die Mitarbeiterzahl von 60000 auf 75000 gestiegen.
Ethische Grundsätze und Gesetzestreue zählen bei all dem nichts. Die gesetzlich vorgeschriebene Sozialauswahl wird nach den Plänen des Vorstands dadurch unterlaufen, dass Standorte (an denen die Mehrzahl der Mitarbeiter seit Jahrzehnten arbeiten) geschlossen werden.
Firmen wurden gekauft wegen ihrer Produkte und ihrer Kunden (z.B. Motorola Networks). Dann wurden deren Produkte zum großen Teil wieder abgestoßen, die Kunden verärgert, die Mitarbeiter entsorgt.
NSN ist nur zu retten, wenn der gesamte Vorstand ausgewechselt wird.

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