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05.12.2012

13:53 Uhr

Nokia Siemens Networks

NSN entlässt 1000 Mitarbeiter

Nokia Siemsn Networks spart radikal: Die deutsche Service-Tochter wird geschlossen, 1000 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Zudem verkauft das Unternehmen seine Kundendienst-Sparte an den IT-Dienstleister Redknee.

Weltweit fallen rund 20.000 der 74.000 Stellen, davon bisher 3000 in Deutschland. dapd

Weltweit fallen rund 20.000 der 74.000 Stellen, davon bisher 3000 in Deutschland.

München Der Telefonnetz-Ausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) drückt seinen radikalen Sanierungskurs immer schneller durch. Die Gemeinschaftsfirma von Siemens und Nokia kündigte am Mittwoch die Schließung ihrer deutschen Service-Tochter mit 1000 Beschäftigten an. Zudem verkauft das Unternehmen seine Kundendienst-Sparte an den IT-Dienstleister Redknee. Mit der Trennung wechseln 1900 Mitarbeiter zu den Kanadiern. Zu Beginn der Woche hatte NSN-Chef Rajeev Suri bereits das Glasfasergeschäft an einen US-Finanzinvestor losgeschlagen.

Am härtesten trifft es gerade die Beschäftigten der NSN Service GmbH. Sie schreibt nach Firmenangaben mit der Wartung von herkömmlicher Telefon- und Datentechnik Verluste, und kommt absehbar auf keinen grünen Zweig. "Aus Sicht von Nokia Siemens Networks sind diese anhaltenden Verluste in einem Geschäftsbereich, der nicht zum Kerngeschäft gehört, nicht mehr tragbar", erklärte Deutschland-Chef Hermann Rodler. Die ausstehenden Verpflichtungen gegenüber Kunden und Lieferanten würden geordnet abgewickelt.

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Rund 1200 Mitarbeiter wechseln von NSN zu Redknee.

Kreisen zufolge hatte zuvor der Großkunde Deutsche Telekom, von dem NSN das Geschäftsfeld vor fünf Jahren übernommen hat, seinen Vertrag zum Jahresende gekündigt und damit das Aus für das Wartungsgeschäft bei NSN besiegelt. NSN-Chef Rajeev Suri unterzieht sein Haus derzeit einer Rosskur. Reihenweise werden Geschäftsfelder verkauft oder geschlossen. Weltweit fallen rund 20.000 der 74.000 Stellen weg, davon bisher 3000 in Deutschland. Mit den Einschnitten will der Inder sein lange verlustträchtiges Haus dauerhaft in den schwarzen Zahlen halten. NSN leidet seit Jahren unter der harten Konkurrenz aus Asien, vor allem unter den niedrigen Preisen von Huawei und ZTE.

Die Zukunft der Gemeinschaftsfirma ist offen, im Frühjahr läuft der Joint-Venture-Vertrag zwischen Siemens und Nokia aus. In der Vergangenheit waren Versuche, NSN-Anteile an Dritte zu verkaufen, fehlgeschlagen. Experten rechnen damit, dass die beiden Großkonzerne zunächst gemeinsam bei der Tochter weitermachen, bis sich deren wirtschaftliche Lage gebessert hat.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi appellierte an die Konzerne, den Mitarbeitern von NSN Service eine berufliche Perspektive zu bieten. Von den rund 1000 Betroffenen kommen der Gewerkschaft zufolge demnächst 200 automatisch bei der Deutschen Telekom unter: Sie haben als Beamte ein Rückkehrrecht. Verdi-Funktionär Lothar Schröder kritisierte, NSN habe sich abseits von den Aufträgen der Telekom kein tragfähiges Geschäft aufgebaut. "Dieses Missmanagement sollen die Beschäftigten nun mit einem Verlust ihrer Arbeitsplätze bezahlen. Das ist skandalös", erklärte er. Unterdessen protestierten in München vor der NSN-Deutschlandzentrale rund 250 Mitarbeiter des Bruchsaler Standorts gegen das Aus für ihr Werk, dass die Firmenspitze in der vergangenen Woche beschlossen hatte. Dort fallen damit 650 Stellen weg.

Mit dem Verkauf des Zahlungsdienstes an Redknee kommt bei NSN Geld ins Haus. Die Kanadier zahlen nach eigenen Angaben zunächst 15 Millionen Euro für Bereich, bis zu 25 Millionen Euro können je nach Entwicklung des Geschäfts in den kommenden zwölf bis 36 Monaten hinzukommen. Mit der Übernahme wolle der Softwarespezialist sein bestehendes internationales Netzwerk erweitern, erklärte Redknee-Chef Lucas Skoczkowski. In der Einheit Business Support Systems bietet NSN seinen bislang 130 Kunden aus der Telekommunikationsbranche Dienstleistungen rund um die Zahlungsabwicklung an.


Von

rtr

Kommentare (3)

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Ichbinsdoch

10.12.2012, 21:34 Uhr

Wie bei jedem Unternehmesteil den Siemens "abstößt"
Nicht Lebensfähig...erlebe das gerade selbst mit einem "Siemens-Teil"...das ist eine Behörde ansich...90% Selbstverwaltung, 10% sollen das Geld für alle anderen reinfahren.
Abgehobene "Manager"..ober besser, Schnösel mit BWL Studium ohne irgendeinen Bezug zur Realität...
Mir graut vor den nächsten Jahren, das wird wie jedes Abenteuer mit "verkauften" Siemens-Mannschaften wohl böse enden

Walter_Schneider

12.02.2013, 21:43 Uhr

In einer Presseerklärung des Unternehmens NSN-S heißt es, die Betriebsschließung wäre notwendig, weil das Unternehmen nie einen Gewinn erwirtschaftet hätte und Verluste in zweistelliger Millionenhöhe angehäuft hat. Das ist die Aussage der Geschäftsleitung des Unternehmens Nokia Siemens Networks-Services GmbH & Co.KG
Die Wahrheit ist :
Die Mitarbeiter der NSN-S stammen zum größten Teil aus dem Tochterunternehmen Vivento Technical Services (VTS) der Deutschen Telekom. Die VTS wurde im Jahre 2004 gegründet. Mit tollen Zukunftsversprechungen wurden so viele Mitarbeiter wie möglich in das neue Unternehmen VTS gelockt. Zum Jahresende befanden sich ca. 2000 Mitarbeiter, inklusive Beamte, in dem Unternehmen.
Und dann folgte der „Hammer“. Die VTS wird verkauft.
Zum 01.01.2008 wurden die Mitarbeiter der VTS in das neu gegründete Unternehmen Nokia Siemens Networks-Services mittels Betriebsübergang überführt. Die Deutsche Telekom hat für jeden ehemaligen VTS-Mitarbeiter 500.000 Euro (in Worten: fünfhunderttausend) auf den Tisch gelegt, um die Leute schnellstmöglich los zu werden.
Ursprünglich war eine Abwicklung der neuen Gesellschaft NSN-S gleich nach dem Start 2008 geplant. Diese Abwicklung wurde jedoch von der Gewerkschaft ver.di verhindert.
Zu Beginn des Jahres 2007 wurde die Vivento Technical Services (VTS) mit der Inspektion/Instandsetzung des oberirdischen Liniennetzes von der Deutschen Telekom beauftragt. Der zwischen diesen beiden Unternehmen ausgehandelte Vertrag erwies sich später als reiner „Knechtschaftsvertrag“. Es wurde vereinbart, dass die Deutsche Telekom von Jahr zu Jahr immer weniger für die erbrachten Leistungen bezahlen wird. Damit war vorprogrammiert, dass es für die VTS und spätere NSN-S (die diesen Vertrag 2008 mit übernommen hat) nur noch bergab gehen kann. Die Erreichung der Gewinnschwelle war somit unmöglich.
Das Unternehmen NSN hätte die damalige VTS nie kaufen dürfen, aber dafür war wohl die Mitgift der Deutschen Telekom viel zu verlockend.

SWT

22.02.2013, 09:30 Uhr

Das verherrende an der "Betriebsschließung" NSN-Services ist, daß hier nicht alle Vertragsdetails zwischen DTAG und NSN aufgedeckt werden. U.a. hat die NSN-S auch Mobilfunnkanlagen aufgebaut und gewartet sowie, durch Engament eigener Kräfte, auch versucht am Drittmarkt Kunden zu gewinnen. Teilweise mit einem Erfolg der diesen "Fehlbetrag" Oberirdische Linen Auftrag mehr als Wett gemacht hätte. Nun ja, wie immer entscheiden dies nur Leute die auf den Cent achten und Geld für das Köpfe rollen bekommen. Vor allem wenn man mitgeteilt bekommt das ein Geschäftsleiter auch bis zur Schließung Werk Bochum der Nokia federführend war.

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