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26.02.2013

16:11 Uhr

Nokia-Vizechef Weber

„Wir wollen uns bei Smartphones neu erfinden“

VonHelmut Steuer

Mit dem Microsoft-System Windows Phone versucht Nokia, wieder zur Weltspitze aufzuschließen. Warum mit dem Smartphone Lumia 920 nicht Schluss ist und was die Finnen außerdem planen, erklärt Nokias Vize-Chef Weber.

Nokia-Vizechef Chris Weber: „An die Erfolge im vierten Quartal anknüpfen“. PR

Nokia-Vizechef Chris Weber: „An die Erfolge im vierten Quartal anknüpfen“.

Handelsblatt Online: Wie weit ist Nokia beim Umbau, bei der Veränderung schon gekommen? Vielleicht können Sie das anhand einer Skala von 1 bis 10 erklären?

Chris Weber: Ich möchte keine Zahl nennen. Aber soviel kann ich sagen: Wir befinden uns noch immer mitten in der Veränderungs- oder Übergangsphase. Wir haben gerade neue Geräte vorgestellt und freuen uns, dass sie von den Kunden und der Kritik sehr gut angenommen worden sind. Jetzt dürfen wir uns aber nicht ausruhen, sondern müssen weiter hart arbeiten und unser Produktsortiment ausbauen. Wir benötigen ein noch breiteres Sortiment mit Geräten in jeder Preisgruppe – von ganz preiswert bis hin zu unserem Flaggschiff, dem Lumia 920.

Wann ist diese Übergangsphase abgeschlossen?

Das kann ich nicht sagen. Klar ist, dass wir im vierten Quartal vergangenen Jahres erste Erfolge gesehen haben. Daran müssen wir anknüpfen.

Nokias Baustellen

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Billig-Handys

Nokia ist immer noch einer der wichtigsten Hersteller günstiger Handys – sie finden vor allem in den Schwellenländern immer noch Käufer. Allerdings machen Hersteller wie Huawei und ZTE dem finnischen Unternehmen das Leben schwer, zudem können sich auch in Indien, China oder auf den Philippinen immer mehr Menschen Smartphones leisten. Auch diese Sparte verkauft der finnische Konzern nun an Microsoft.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Mal ehrlich: Haben Sie damit gerechnet, dass die vor fast genau zwei Jahren angekündigte Umbauphase so lange dauern würde?

Meine Erfahrung ist, dass solch umfassenden Eingriffe immer schwieriger sind als man zunächst angenommen hat. Wir Menschen sind von Natur aus immer sehr optimistisch.

Heute sehen fast alle Smartphones ähnlich aus. Wie will sich Nokia von all den Android-Geräten und Apples iPhones unterscheiden?

Wir wollen eine Differenzierung und haben damit ja auch schon begonnen. Wir wollen beispielsweise das beste Kamera-Handy bauen, wir haben das drahtlose Aufladen und unser kostenloses Navigationssystem in unser Spitzenmodell integriert. Unser Hauptfokus liegt auf den Bereichen Foto und Kamera sowie Navigation und Ortungsdienste.

Wird es neben Handys auch andere Nokia-Geräte geben? Beispielsweise einen Tablet-Computer?

Wir schauen uns das genau an, haben aber bislang noch keine Produkte angekündigt. Es bringt uns nichts, ein bereits vorhandenes Gerät zu produzieren. Wenn wir so etwas machen, müsste es schon etwas Besonderes sein.

Nokia: Das Ende eines Horrorjahres

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Die Handys aus der Asha-Serie, die nicht mit dem Windows-System laufen, sondern auf dem Nokia-eigenen Serie 40-System basieren, sind ein großer Erfolg in den Schwellenländern. Dort bieten jetzt aber einige Konkurrenten Android-Smartphones zum Preis eines Asha an. Wie können Sie darauf reagieren?

Ich würde sagen, unsere Asha-Geräte sind besser. Schauen Sie sich doch diese Billig-Android-Geräte an. Deren Leistung liegt unter der eines Asha-Handys. Und manche Apps laufen auf den Geräten gar nicht. Oder gucken Sie sich die Batterieleistung an. Ich behaupte, die Asha-Smartphoners haben die beste Batterieleistung aller Geräte in dieser Preisgruppe. Ganz wichtig gerade in den Schwellenländern ist auch unsere Technik, mit der wir den Datenverkehr komprimieren und so den Benutzern Geld sparen. Das kann kein anderes Handy. Allerdings müssen wir das den Kunden immer wieder auch klarmachen. Das ist die eigentliche Herausforderung, nicht die Konkurrenzprodukte.

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