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19.08.2013

10:36 Uhr

Nokias Kartendienste

„Smartphone-Käufer wollen nicht alles selbst basteln“

VonChristof Kerkmann

ExklusivEr ist der Herr der Karten: Michael Halbherr leitet bei Nokia die milliardenteure Sparte mit ortsbezogenen Diensten. Im Interview sagt er, warum diese wichtiger werden – und warum das Smartphone an Bedeutung verliert.

Michael Halbherr: Der Manager leitet bei Nokia das Geschäft mit den Kartendiensten. dpa

Michael Halbherr: Der Manager leitet bei Nokia das Geschäft mit den Kartendiensten.

BerlinDie Nokia-Büros in Berlin-Mitte. Die 700 Mitarbeiter schrauben nicht an Smartphones, sondern entwickeln digitale Kartendienste – ein Geschäft, in die das finnische Unternehmen hohe Erwartungen setzt. Im Interview berichtet Nokia-Vorstand Michael Halbherr, warum die Sparte einen anderen Namen bekommen hat und was sie mit dem Flugzeugbauer Boeing gemeinsam hat.

Handelsblatt Online: Herr Halbherr, ich habe mich von meinem iPhone zu Ihrem Büro navigieren lassen – und konnte dabei die Karten-App Here von Nokia verwenden. Wollen Sie mit Ihren Programmen nicht lieber die eigenen Geräte verkaufen?

Michael Halbherr: Die Technologiewelt bewegt sich von einer Geräte- in eine Cloud-Ära. Das Handy steht nicht mehr allein im Mittelpunkt, es geht auch um die Dienste darauf. Mit Here wollen wir der führende Cloud-Anbieter für Kartendienste werden. Damit wir erfolgreich sind, müssen wir in die Breite gehen und auch andere Plattformen bedienen. Neue Funktionen werden wir aber immer zuerst auf Nokia-Geräten einführen.

Cloud statt Geräte – was heißt das?

Ein Beispiel: Der Online-Musikdienst Spotify läuft auf meiner Stereoanlage, auf meinem Smartphone und auf meinem PC. Die Lizenz gilt nicht für ein Gerät, sondern pro Account. Die Loyalität der Nutzer geht immer mehr zu solchen Cloud-Services. Jeder sucht sich ein paar aus, die überall funktionieren müssen. Es zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab – das ist wie bei Galileo Galilei: Die Sonne, um die alles kreist, sind die Cloud-Dienste und nicht das Gerät.

Im Nokia-Universum ist der Verkauf von Geräten aber immer noch das wichtigste Geschäft, um das der Rest kreist.

Natürlich stimmt das. Aber das Cloud-Geschäft hat einen anderen Ansatz. Das ist wie im Flugzeugbau: Boeing macht nur etwa 20 Prozent der Wertschöpfung selbst, stellt aber trotzdem ein komplexes Produkt zusammen. Die Kunden wollen sich nicht alles selbst basteln, Geräte mit gut abgestimmten Cloud-Diensten bieten unheimliche Vorteile. Wenn man Hardware, Dienste und Inhalte in einer Gesamtlösung zusammenbringt, ist das ein extrem interessantes Geschäftsmodell.

Nokia und die Karten: 4 x 6

Teures Geschäft

Der Aufbau eines Kartendienstes ist ein teures Geschäft – die Informationen aktuell zu halten, ebenso. Was es kostet, fasst Nokia-Manager Michael Halbherr mit der Formel „4 x 6“ zusammen.

Technologie kaufen

Wenn ein Unternehmen von null startet, muss es Technologie und Kartendaten zukaufen. Nokia übernahm 2007 den Anbieter Navteq für 5,7 – also knapp sechs – Milliarden Euro.

Mitarbeiter anheuern

Das Kartengeschäft ist personalintensiv: „Bei uns arbeiten 6000 Leute, die die Kartendaten zusammenführen und überprüfen“, sagt Halbherr.

Die Welt vermessen

Damit die Karten keine weißen Flecken haben und möglichst auch Verkehrsinformationen enthalten, müssen Unternehmen wie Nokia und Google viel Zeit investieren: Sechs Jahre seien nötig, um das heutige Niveau zu erreichen, sagt Halbherr.

Aktuell bleiben

Ein Kartenanbieter muss nach Einschätzung von Nokia-Manager Halbherr jedes Jahr mindestens zehn Prozent der Investitionen ausgeben, um die Updates zu machen – also rund 600 Millionen Euro.

Sie haben die Kartendienste in Here umbenannt und das Nokia im Namen getilgt – um sie auch Konkurrenten verkaufen zu können?

Die Essenz von Here sind Ortsdienste, die Essenz von Nokia sind Geräte. Wir als Here sind gerade dabei unseren Markenethos zu etablieren, das würde unter einem gemeinsamen Namen nicht funktionieren. Nokia kämpft im Krieg der Smartphone-Systeme mit, wir wollen unsere Dienste auf allen Plattformen anbieten. Deswegen müssen wir neutraler dastehen.

Kommentare (5)

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manthra

19.08.2013, 11:41 Uhr

Smartphone-Käufer sollten zu aller Erst an ihrer eigenen Intelligenz basteln, sofern sie dieselbe dafür haben sollten. Der Akku ist nicht wie beim Handy herausnehmbar, daher strebt die Industrie auch die Ausschließlichkeit von Smartphones bei den Konsumenten an: um diese dauerhaft, also auch im Offlinezustand, überwachen zu können!!

Account gelöscht!

19.08.2013, 12:51 Uhr

Merkwürdig. Ich kann aus meinem Smartphone den Akku ohne Probleme entfernen, um darunter die SIM-Karte einzulegen. Immer diese FUD-Kommentare.

Frieda

19.08.2013, 12:53 Uhr

m.a.W.: Sei behaupten, dass auch das ausgeschaltete Smartphone Positionsdaten sendet ?

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