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04.11.2013

11:34 Uhr

NSA-Überwachung

Google beschwert sich bei Obama

Der Suchmaschinen-Riese Google geht mit dem US-Geheimdienst NSA scharf ins Gericht: Die Spionage bei Internet-Konzernen sei „empörend“, sagt Verwaltungsratschef Eric Schmidt. Weitere Enthüllungen schließt er nicht aus.

„Wollen wir wirklich, dass die Regierung all diese Informationen überwacht?“, fragt Google-Manager Eric Schmidt. ap

„Wollen wir wirklich, dass die Regierung all diese Informationen überwacht?“, fragt Google-Manager Eric Schmidt.

Die Überwachung des US-Geheimdienstes NSA schadet dem Geschäft der amerikanischen Technologieunternehmen. Da verwundert es nicht, dass Google sich an oberster Stelle über die Schnüffelei NSA beschwert. Der Internet-Konzern habe sich an US-Präsident Barack Obama, dessen Vizepräsident Joe Biden und den Kongress gewendet, aber auch an die NSA selbst, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende und langjährige Chef Eric Schmidt in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“. Zu den Reaktionen der Politik äußerte er sich nicht.

Falls der Geheimdienst tatsächlich die Rechenzentren des Konzerns ausspioniere, sei das „empörend“. Diese Maßnahmen entbehrten des gesunden Menschenverstandes und verletzten womöglich die Privatsphäre von Nutzern. Medienberichten zufolge schöpft der Geheimdienst bei Google und Yahoo die Informationen über Millionen von Nutzern ab. Dafür greift er auf den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren der Unternehmen zu. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die NSA über ein Programm namens Prism Informationen bei diversen großen Internetfirmen abgreift, darunter der Suchmaschinen-Riese.

Ein kleines Lexikon der Spähaffäre

Prism

Das ist der Name des US-Geheimdienstprogramms, das gleich zu Beginn enthüllt wurde und deshalb zum Inbegriff der gesamten Spähaffäre wurde. Die Abkürzung steht für „Planning Tool for Resource Integration, Synchronization and Management“ (etwa Planungswerkzeug für Quellenintegration, -synchronisierung und -management). Es ist bislang nicht ganz klar, wie das Programm funktioniert. Nach den von Snowden der Presse übergebenen Dokumenten erlaubt oder organisiert „Prism“ den Zugriff auf Daten der Nutzer großer Internetfirmen wie Microsoft, Google und Facebook. Experten glauben, dass US-Dienste damit verdachtsunabhängig große Mengen Nutzerdaten abgreifen. Die gespeicherten Daten werden dann mit Filterbegriffen genauer durchsucht.

Tempora

So lautet der Deckname eines Überwachungsprogramms des britischen Geheimdienstes und NSA-Partners GCHQ, das es auf Daten aus Seekabeln abgesehen hat. Durch diese Glasfaserverbindungen fließt der überwiegende Teil der globalen Telefon- und Internetkommunikation. „Tempora“ erlaubt es demnach, den Datenverkehr in Pufferspeichern zu sammeln und Emails, Telefonate und Videochats zu rekonstruieren. Die Daten können einige Tage, einzelne Informationsteile wie Absender und Empfänger sogar wochenlang gespeichert werden. Mit der entsprechenden Software können so nachträglich Nachrichten von Verdächtigen gefunden oder die Stimmen von Gesuchten identifiziert werden.

Muscular

Hierbei geht es den bislang vorliegenden Berichten zufolge um das wahllose Abfangen der Datenströme aus Glasfaserkabeln zwischen den Rechenzentren der Internetkonzerne Google und Yahoo durch die NSA und ihren britischen Partnerdienst GCHQ. Google betreibt weltweit 13 dieser Anlagen, auf denen die Daten von Nutzern und deren Informationsströme verwaltet werden. Die Zentren tauschen ständig gigantische Datenmengen untereinander aus. NSA und GCHQ haben sich angeblich heimlich Zugang zu den Verbindungskabeln verschafft und kopieren Massen unverschlüsselter Daten.

XKeyscore

Der Begriff bezeichnet ein weiteres internes IT-Programm der NSA. Nach bisher vorliegenden Informationen handelt es sich dabei anscheinend um eine Art Analyse-Software, mit der die von der NSA betriebenen Datenbanken durchsucht werden, um Berichte über das Kommunikationsverhalten einer Person zu erstellen. Demnach kann „XKeyscore“ etwa auf Telefonnummern und Emailadressen zugreifen, aber auch Begriffe auflisten, die jemand in die Google-Suche eingegeben hat. Über „XKeyscore“ wurde hierzulande zuletzt viel diskutiert. Der Verfassungsschutz räumte ein, das Programm „testweise“ einzusetzen - wobei der Dienst aber ausdrücklich betont, es lediglich zur Analyse von bereits im eigenen Haus vorliegenden, nach deutschem Recht erhobenen Daten zu testen und damit weder aktiv Informationen zu sammeln noch international Daten etwa mit der NSA auszutauschen.

DE-CIX

Der große Internetknoten in Frankfurt am Main ist den Berichten zufolge ein bevorzugtes Ziel der NSA-Spionage in Deutschland. DE-CIX ist eine Art große Weiche, an der Internetverkehr aus verschiedenen einzelnen Provider- und Datennetzen zusammenfließt und verteilt wird. Gemessen am Datendurchsatz soll DE-CIX laut Betreiber der größte Internetknoten der Welt sein. Unklar ist aber, wie mutmaßliche Spione Zugriff auf den Knoten erhalten haben sollen. Denn DE-CIX besteht aus 18 gesicherten Einrichtungen, die durch Glasfaser verbunden sind. Der Betreiber und deutsche Behörden dementierten, dass die NSA hier Zugriff habe.

G-10-Gesetz

Dieses Gesetz regelt den Zugriff der deutschen Nachrichtendienste auf Telekommunikationsdaten. Vollständig heißt es „Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses“. Da es in Artikel 10 des Grundgesetzes verfassungsrechtlich fixiert ist, lautet die Kurzform G-10-Gesetz. Es verpflichtet Postanbieter sowie Telekom- und Internetkonzerne, den Verfassungsschutzämtern, dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr auf Verlangen Sendungen zu übergeben und ihnen die Aufzeichnung und Überwachung der Telekommunikation technisch zu ermöglichen. Laut Gesetz dürfen die Dienste derartige Maßnahmen etwa zur Abwehr einer „drohenden Gefahr“ für die demokratische Grundordnung beantragen. Genehmigt werden diese von einer speziellen Kommission aus zehn Bundestagsabgeordneten, der sogenannten G-10-Kommission.

Schmidt forderte mehr öffentliche Kontrolle und Transparenz. „Wollen wir wirklich, dass die Regierung all diese Informationen überwacht?“ Das gelte gerade für US-Bürger – in Washington ein wichtiges Argument: Die Überwachung der eigenen Bürger berührt die Öffentlichkeit weitaus mehr als das Geschehen jenseits der Grenzen. Am Freitag hatte Google gemeinsam mit Facebook, Apple und anderen Unternehmen den Kongress zu mehr Transparenz und einer Reform der NSA aufgefordert.

Die Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden hätten zum Verständnis der NSA-Schnüffelei beigetragen, sagte Google-Manager Schmidt. Dass die Affäre bald beendet ist, glaubt er offenbar nicht: „Es ist absolut möglich, dass noch mehr Enthüllungen kommen."

US-Geheimdienst

NSA fängt Nutzerdaten von Google und Yahoo ab

US-Geheimdienst: NSA fängt Nutzerdaten von Google und Yahoo ab

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Von

chk

Kommentare (9)

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RumpelstilzchenA

04.11.2013, 12:20 Uhr

Google beschwert sich bei Obama...
Was das wohl bringt?????

Account gelöscht!

04.11.2013, 12:34 Uhr

Google spioniert im Smartphone-Markt über Android-Betriebssystem !

Wenn man ein neues Smartphone (z.B. Sony Experia) kauft, wird man abhängig von Google in mehrerer Hinsicht:

- man MUSS ein Google-Account eröffnen (...@gmail.com), sonst kann man nicht surfen und keine Apps runterladen

- Voreingestellt sind auf dem Smartphone: Standortdienst, der ununterbrochen ausspioniert, WO man sich lokal gerade befindet, Standortverlauf, Google will einem andauernd Angebote machen weil das Surfverhalten dokumentiert wird um "personalisierte Angebote" machen zu können

EINE FRECHHEIT IST DAS !

Im Hintergrund laufen im Android-System lauter "Google-Dienste", wo kein Mensch weiss, was die spionieren und übertragen. Google-Bibliiotheken sind fester Bestandteil des Android-Betriebssystems und werden voreingestellt installiert oder auch übers Internet aktualisiert, ohne dass man das mitbekommt.

Alle Kontakte, emails, Telefonnummern werden an die Google-Cloud gesendet und man wird genötigt, dort seine Daten zu "sichern" .. auf Google-Servern. Lokale Sicherung des Smartphones auf dem PC zu hause geht nicht mehr !! Nur noch Google-Cloud.

Also das ist echt eine Spionage-Nötigungs-Frechheit von Google. Die leiten die Daten direkt an die NSA weiter. Danke auch. :-(

SealTeamSix

04.11.2013, 12:52 Uhr

die ganzen Google Algorithmen stammen von der NSA, Startkapital durch eine NSA Front erhalten....

Von Microsoft über Google bis Facebook lauter vermeintliche Erfolgsgeschichten des Kapitalismus. CIA/NWO/NSA Märchen in einer Welt des Sozialismus und Überwachungsstaates.

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