Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.11.2014

06:16 Uhr

NSA und GCHQ

Vodafone-Tochter half beim Ausspähen

Eine Tochterfirma von Vodafone hat offenbar in großem Umfang beim Ausspähen des Datenverkehrs im Internet geholfen. Vodafone teilte mit, man habe „keinerlei Hinweise“ auf Aktivitäten gefunden.

Das Firmenlogo des Telekommunikationsunternehmens Vodafone ist vor der Deutschlandzentrale des Konzerns in Düsseldorf zu sehen. dpa

Das Firmenlogo des Telekommunikationsunternehmens Vodafone ist vor der Deutschlandzentrale des Konzerns in Düsseldorf zu sehen.

MünchenEine inzwischen Vodafone gehörende Firma hat nach Recherchen mehrerer Medien dem britischen Geheimdienst GCHQ und seinem US-Partnerdienst NSA in großem Umfang beim Ausspähen des Datenverkehrs im Internet geholfen. Offenbar sei die Zusammenarbeit des Unternehmens Cable&Wireless Worldwide weit über das gesetzlich gebotene Maß hinaus gegangen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitag). Das Blatt beruft sich auf bislang unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden, die „SZ“, NDR, WDR und der britische Sender Channel 4 einsehen konnten.

So liste der Geheimdienst GCHQ in einem Dokument 2009 insgesamt 63 Untersee-Internetkabel auf, die er anzapfen konnte - bei 29 davon sei das fragliche Unternehmen als Abhörhelfer gelistet. Allein im Februar 2009 seien im Gegenzug für den Zugang sechs Millionen Pfund (rund 7,5 Mio Euro) an das Unternehmen geflossen.

Der Tarnname des 2012 von Vodafone übernommenen Unternehmens lautete demnach offenbar „Gerontic“. Kalendereinträge zeigten, dass es ein „gemeinsames Projektteam“ von „Gerontic“-Mitarbeitern und Geheimdienstlern gegeben habe. Ein interner Bericht dokumentiere zudem, wie sich „Gerontic“-Mitarbeiter und Geheimdienstleute zu einer Besprechung „möglicher Einsatzrisiken“ getroffen hätten.

Den Angaben zufolge erhielt der GCHQ mit Hilfe von Cable&Wireless Worldwide offenbar sogar Zugriff auf die Infrastrukturen anderer Firmen. Die abgezapften Daten seien von einem speziellen Programm mit Codenamen „Incenser“ weiterverarbeitet worden. Dieses Programm soll demnach auch nach der Übernahme der Firma durch Vodafone bis mindestens April 2013 fortgeführt worden sein.

Kleines Mobilfunk-Lexikon

GSM

GSM, kurz für „Global System for Mobile Communication“, war der erste digitale Mobilfunkstandard. In Deutschland wurde er in den 1990er Jahren eingeführt. Heute noch ist GSM in vielen Ländern in Betrieb, auch hierzulande. Dank der guten Versorgung scheint der Standard momentan unverzichtbar.

Edge

Edge, kurz für „Enhanced Data Rates for GSM Evolution“, ist eine Erweiterung des GSM-Standards, die eine Datenübertragung mit bis zu 384 Kilobit/Sekunde erlaubt. Nach heutigen Maßstäben ist das langsam. Dafür steht der Satz „Ich habe nur Edge“, den man etwa auf Bahnreisen oft hört.

UMTS

„Universal Mobile Telecommunications System“ ist der Mobilfunkstandard der dritten Generation. UMTS ist in Deutschland und großen Teilen der Welt verbreitet und ermöglicht schnelle Datenübertragungen. Nutzer in einer Funkzelle müssen sich allerdings die Bandbreite teilen – trotz Erweiterungen beginnen die Netze, zu verstopfen.

HSPA

„High Speed Packet Access“ macht UMTS schneller: Statt Übertragungsraten von 384 Kilobit/Sekunde sind mit HSPA bis 14,4 Megabit/Sekunde möglich, der Upload wird auf bis zu 5,76 Mbit/s beschleunigt.

HSPA+

Und es geht noch schneller: HSPA+ ermöglicht Downloads mit bis zu 21 Megabit/Sekunde. Wenn Netzbetreiber und Endgerät zwei Verbindungen gleichzeitig aufbauen können, wird diese Rate noch einmal verdoppelt.

LTE oder 4G

Der Mobilfunkstandard der vierten Generation heißt LTE, kurz für „Long Term Evolution“. Er beschleunigt die Datenübertragung auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde, die Weiterentwicklung Cat4 macht bis 150 Mbit/s möglich. 4G wird oft synonym für LTE benutzt.

Die britische Firma Vodafone teilte dem Rechercheverbund dazu mit, man habe die Geschichte des aufgekauften Unternehmens erforscht und „keinerlei Hinweise“ auf Aktivitäten gefunden, die den Gesetzen in Deutschland, Großbritannien und der EU widersprächen. In einigen Fällen sei es möglich, dass Regierungen Aufwandsentschädigungen für „gesetzeskonforme“ Hilfsleistungen zahlten. Profit schlage Vodafone daraus aber nicht, hieß es. Vergangenes Jahr waren durch Snowden-Dokumente auch Kooperationen amerikanischer Branchenvertreter mit dem US-Dienst NSA publik geworden.

Snowden hatte vergangenes Jahr vertrauliche Unterlagen über die NSA und seine Partner an Journalisten weitergegeben. Damit brachte er die Enthüllungen über die weitreichenden Überwachungsprogramme der Nachrichtendienste ins Rollen. Die USA wollen den ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeiter wegen Geheimnisverrats vor Gericht stellen. Snowden hat mittlerweile eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre in Russland. Am Sonntag soll Snowden mit dem Stuttgarter Friedenspreis ausgezeichnet werden. Per Video soll er dazu aus Russland zur Preisverleihung zugeschaltet werden.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Teito Klein

21.11.2014, 09:29 Uhr

Vodafon-Tochter half beim Ausspionieren
------------
Eine inzwischen Vodafone gehörende Firma hat nach Recherchen mehrerer Medien dem britischen Geheimdienst GCHQ und seinem US-Partnerdienst NSA in großem Umfang beim Ausspähen des Datenverkehrs im Internet geholfen. Offenbar sei die Zusammenarbeit des Unternehmens Cable&Wireless Worldwide weit über das gesetzlich gebotene Maß hinaus gegangen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitag).

Das ist doch normal. Vodafon, Telekom und andere Telekommunikationsunternehmen geben Daten an die Geheimdienste (GCHQ, NSA, BND) weiter.
Und diese zapfen auch die Leitungen an.
In Deutschland fordert man die Vorratsdatenspeicherung und den Bundestrojaner.

G. Nampf

21.11.2014, 12:36 Uhr

@Teito Klein

Anzumerken ist noch, daß die NSA die Software der Router und anderer Hardware manipuliert, wenn amerikanische TK-Hardware per Post verschickt wird.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/NSA-manipuliert-per-Post-versandte-US-Netzwerktechnik-2187858.html


D.H.: die Spähsoftware ist in den Geräten fest installiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×