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17.01.2007

09:45 Uhr

NXP kündigt gemeinsame Forschung auf

Chipproduzent ST Micro braucht neuen Partner

Die beiden größten europäischen Chiphersteller gehen künftig getrennte Wege. Am gestrigen Dienstag teilten ST Microelectronics (ST) und NXP mit, dass sie ihre Zusammenarbeit Ende dieses Jahres einstellen. Seit sechs Jahren haben die beiden Unternehmen im französischen Crolles in der Nähe von Grenoble gemeinsam neue Technologien entwickelt.

jojo MÜNCHEN. NXP kündigte gleichzeitig an, stattdessen die Kooperation mit seinem asiatischen Partner TSMC auszubauen. TSMC ist die weltgrößte Foundry. So nennen sich Chipfirmen, die Halbleiter nicht unter eigenem Namen verkaufen, sondern lediglich im Auftrag Dritter produzieren. Zusammen wollen die Konzerne unter anderem neue Prozesstechnologien entwickeln. Darüber hinaus möchte NXP die Fertigung stärker an TSMC übertragen.

NXP-Chef Fans van Houten sieht im Partnerwechsel einen Wettbewerbsvorteil, weil sich das niederländische Unternehmen künftig stärker auf innovative Arbeiten konzentrieren könne und sich weniger um die Produktion kümmern müsse. Ziel von NXP ist es, in den nächsten Jahren 40 Prozent der Produktion nach außen zu vergeben. Derzeit sind es nur 15 Prozent.

ST dagegen, Europas größter Chiphersteller, muss sich einen neuen Partner suchen. In Crolles wird ST zwar wie bisher auch mit dem US-Konzern Freescale zusammen arbeiten. Doch den Platz von NXP, der früheren Halbleitersparte von Philips, soll ein anderes Unternehmen einnehmen. „Es bleibt unsere Strategie, die Entwicklungskosten auf mehrere Schultern zu verteilen“, sagte am Dienstag ein Sprecher des französisch-italienischen Unternehmens, das seine Zentrale in Genf hat.

Entwicklungspartnerschaften wie die in Crolles sind in der Halbleiterbranche seit Jahren üblich. Weil die Kosten für neue Technologien astronomisch hoch sind, verbünden sich selbst große Konzerne gerne mit ihren Wettbewerbern. Um sich aber trotzdem noch voneinander absetzen zu können, umfasst die Kooperation oft keine Produkte, sondern lediglich Technologien. Darüber hinaus schließen sich Wettbewerber zusammen, um gemeinsam Fabriken zu betreiben. So baut ST ein Werk in China mit dem koreanischen Anbieter Hynix. Dem Speicherchipproduzenten Qimonda gehören Fabriken in Taiwan zusammen mit dem lokalen Hersteller Nanya.

Auch Infineon, der größte deutsche Chipkonzern, arbeitet mit Wettbewerbern zusammen. In den USA hat sich die frühere Siemens-Tochter beispielsweise mit IBM, Samsung und der Foundry Chartered verbündet, um neue Technologien für Mobilfunk-Chips zu entwickeln. Damit will Infineon Millionen sparen im Vergleich zu einer eigenen Entwicklung.

In Crolles entwickeln ST, Freescale und NXP derzeit Chips der so genannten CMOS-Technologie auf einer Strukturgröße von 45 Nanometern. TSMC ist ebenfalls beteiligt, aber nur in einer Nebenrolle. Die in Crolles entwickelten Halbleiter werden in Elektronik-Geräte wie Handys oder MP3-Player eingebaut.

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