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02.07.2014

16:39 Uhr

O2 fusioniert mit E-Plus

Die neue Macht am Mobilfunkmarkt

Nur noch drei statt vier Anbieter: Durch die Megafusion steht O2 nun allein T-Mobile und Vodafone gegenüber. Trotz harter Auflagen für das neue Unternehmen erntet die EU viel Kritik von allen Seiten.

Der neue Mobilfunkriese: O2 übernimmt E-Plus. Getty Images

Der neue Mobilfunkriese: O2 übernimmt E-Plus.

Künftig wird es in Deutschland nur noch drei große Mobilfunkanbieter geben. Die EU-Kommission hat die Übernahme von E-Plus durch den O2-Konzern Telefónica Deutschland am Mittwoch genehmigt. Diese sei aber an Auflagen gebunden, teilte die Behörde in Brüssel mit. Telefónica will E-Plus von dem niederländischen KPN-Konzern für mehr als acht Milliarden Euro kaufen. Damit entsteht der nach Nutzern größte Anbieter auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, vor den beiden Konkurrenten Vodafone und T-Mobile.

Auflagen sind, dass Telefónica bis zu 30 Prozent der fusionierten Netzkapazitäten, ein Radiowellenspektrum sowie andere Vermögenswerte abstoßen muss, so die Kommission. Dies soll neuen Wettbewerbern Zugang zum deutschen Markt gewähren, kleinere Konkurrenten wettbewerbsfähiger machen – und somit die Marktmacht des neuen Riesen reduzieren. Das Bundeskartellamt hatte zuvor vor Nachteilen für den Verbraucher gewarnt.

Die deutsche Monopolkommission kritisierte die Entscheidung der EU. „Der Wettbewerb dürfte durch die Fusion geschwächt werden, da mit E-Plus das Unternehmen verschwindet, von dem bisher die stärksten Wettbewerbsimpulse ausgingen“, sagte Daniel Zimmer, Vorsitzender des fünfköpfigen Beratergremiums für die Bundesregierung, dem Berliner „Tagesspiegel“. Ein Branchenexperte, der ungenannt bleiben wollte, bestätigte gegenüber Handelsblatt Online, dass die meisten Preissenkungs-Runden in der Vergangenheit von E-Plus ausgingen. „Ob das so weitergeht, ist fraglich“, sagte er.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

Auch Verbraucherschützer zeigten sich skeptisch. „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren, gerade, was die Billigmarken angeht“, sagte Ilja Braun vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) der Nachrichtenagentur AFP. Auch das Service-Angebot könnte leiden, befürchtet Braun: „Ich kann mir vorstellen, dass Läden schließen. Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben.“

Die EU-Kommission hält es durch die Auflagen hingegen für möglich, dass sich auf Dauer wieder ein vierter Netzbetreiber in Deutschland etablieren kann. „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, betonte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.

Ein solcher vierter Netzbetreiber könnte die hessische Drillisch Telecom sein. Telefónica hatte bereits zugesagt, im Falle der Fusion Netzkapazitäten an die Konkurrenz abzugeben. Wie das Unternehmen am vergangenen Mittwoch mitteilte, sollen bis zu 30 Prozent der gemeinsamen Netze von O2 und E-Plus an den im TecDax gelisteten Anbieter aus Maintal bei Frankfurt gehen. Er besitzt bislang kein eigenes Netz und mietet stattdessen Kapazitäten von Vodafone und O2. Das soll sich nun ändern. Drillisch ist mit zahlreichen kleineren Marken wie McSim, Simply und Discotel auf dem Markt vertreten.

Übertragung per Funk: Welche Strecke ein Mobilfunkgespräch im Schnitt zurücklegt

Übertragung per Funk

Welche Strecke ein Mobilfunkgespräch im Schnitt zurücklegt

Nicht die gesamte Strecke zwischen zwei Handys wird per Funk übertragen.

Telefónica zeigte sich in einer ersten Stellungnahme erleichtert über die Genehmigung aus Brüssel: „Sie zeigt, dass Konsolidierung innerhalb Europas möglich ist und fördert Investitionen in das Geschäft mit mobilen Daten“, sagte Deutschlandchef Markus Haas in München. Der niederländische Verkäufer KPN bezeichnete die Fusion von E-Plus und O2 als „Meilenstein“. Wie inzwischen bekannt wurde, soll zudem der bisherige Chef von E-Plus, Thorsten Dirks, nach der Fusion den Vorstandsvorsitz von Telefónica Deutschland übernehmen.

Auch der Konkurrent T-Mobile lehnt die Fusion nicht ab. „Wir brauchen im zersplitterten europäischen Markt noch deutlich mehr Konsolidierung“, teilte Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme mit. Die Auflagen der EU-Kommission hält der Mutterkonzern von T-Mobile jedoch für unzureichend: Telefónica erhalte durch die Fusion einen deutlichen Vorteil im UMTS-Bereich. Zudem sei die Stärkung von Anbietern ohne eigenes Netz das falsche Signal, da sie Anreize setze, den Netzausbau zu vernachlässigen.

Kommentare (1)

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Herr Helmut Paulsen

02.07.2014, 18:21 Uhr

Das O2-Netz in Deutschland ist eine wahre Katastrophe.

Ständig ist das Netz weg oder man bekommt kein UMTS.

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Das EPLUS-Netz ist 1000 mal stärker, auch auf dem Lande. Super UMTS sogar besser als Vodafone, obwohl die die gleiche gute Netzabedeckung haben.

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FAZIT, wenn O" jetzt (Schrott-)O"-Netz abgibt, dann haben sie einen Dussel gefunden für ihr eigenes Netz, aber ein starkes EPLUS-Netz hinzugewonnen.

VORSCHLAG: Das O2-Netzt sollte dann "O2-Roaming über EPLUS innerhalb Deutschlands" praktizieren, dann wäre man das schwache O2-Netz endlich los als O2-Kunde.

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