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10.01.2011

10:34 Uhr

Öffentlich-rechtliche Sender

Filmemacher fordern mehr Transparenz

VonHans-Peter Siebenhaar

Filmproduzenten wollen nach dem Kinderkanal-Betrug mehr Offenheit und Transparenz bei öffentlich-rechtlichen Sendern. Dabei fordern sie vor allem, die Budgets der einzelnen Unterkanäle von ARD und ZDF offenzulegen. Besonders die ARD ist in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Skandalen erschüttert worden.

ARD-Hauptstadtstudio: Produzenten wollen nach dem Kinderkanal-Betrug mehr Offenheit bei öffentlich-rechtlichen Sendern. dpa

ARD-Hauptstadtstudio: Produzenten wollen nach dem Kinderkanal-Betrug mehr Offenheit bei öffentlich-rechtlichen Sendern.

KÖLN. Der millionenschwere Betrugsskandal beim Kinderkanal (Kika) soll nach dem Willen der Film- und Fernsehproduzenten dauerhafte Konsequenzen für ARD und ZDF haben. Die TV-Dienstleister verlangen von den Anstalten mehr Offenheit bei der Ausgabe der Gebührengelder. "Wir fordern von ARD und ZDF mehr Transparenz in der Auftragsvergabe", sagte Christoph Palmer, Chef der Produzentenallianz, dem Handelsblatt.

"Wir wollen genau wissen, welche finanzielle Mittel Sendern wie dem Kinderkanal bei der Vergabe von Fernsehsendungen zur Verfügung stehen." Durch Offenheit bei den Ausgaben für das Fernsehprogramm könnten Betrügereien wie im Fall des Kinderkanals verhindert werden, ist sich Palmer sicher. Die Produzentenallianz vertritt die deutsche Film- und Fernsehwirtschaft von Brainpool über UFA bis zu ARD-Töchtern wie Studio Hamburg und Bavaria Film.

Auslöser der Kritik an der finanziellen Geheimniskrämerei von ARD und ZDF ist der jüngste Skandal beim Kinderkanal. Dort wird gegen den inhaftierten Herstellungsleiter Marco K. wegen Betrug und Untreue in 72 Fällen ermittelt. Der Schaden bei dem Erfurter Sender, der gemeinsam von ARD und ZDF betrieben wird, soll sich auf mindestens vier Millionen Euro belaufen. Der frühere Mitarbeiter des DDR-Fernsehens soll Scheinrechnungen der mittlerweile insolventen Berliner Produktionsfirma Kopp Film bezahlt haben. Die Staatsanwaltschaft geht von gewerbsmäßigem Betrug aus. Besonders verblüffend ist dabei, dass der Betrug von jährlich rund einer Million Euro bei einem Gesamtetat des Kika von nur 32 Millionen Euro niemanden aufgefallen ist. Der für den Kika zuständige MDR-Intendant Udo Reiter hatte zuletzt "weitere Sicherungen bei der Rechnungsprüfung" angekündigt.

Nach Schätzungen der Produzentenallianz geben ARD und ZDF mit ihren Töchtern wie Kika, Art, Phoenix und 3Sat jährlich rund 2,2 Milliarden Euro für TV-Auftragsproduktionen aus. Lediglich das ZDF und der WDR - die größte Anstalt der ARD - weisen ihre Budgets für Fremdaufträge aus. Das Zweite vergibt für knapp über eine halbe Milliarde Euro Aufträge an externe Produzenten aus; beim WDR sind es etwas über 400 Millionen Euro.

Seit Jahresbeginn hat die WDR-Intendantin Monika Piel das Amt der ARD-Vorsitzenden übernommen. Die wirtschaftsnahe Managerin gilt in den eigenen Reihen als Modernisiererin. "Wir erkennen bei der neuen ARD-Vorsitzenden Monika Piel den Willen, die bisherige Praxis zu verändern, wie bereits beim WDR geschehen", sagte Produzentenallianz-Chef Palmer gestern.

Piel selbst stellt verkrustete Strukturen und anachronistische Besitzstände zur Disposition. "Man kann immer auf Dinge verzichten - auch die ARD. Wir müssen künftig eine Grundsatzdebatte führen, was zum Kernauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört", sagte sie zuletzt dem Handelsblatt.

Die ARD ist in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Finanzskandalen erschüttert worden. So kam die frühere NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze wegen Bestechlichkeit, Untreue in drei Fällen und Betrugs vor Gericht. Sie soll unter falschem Namen Drehbücher abgeliefert und dafür Honorare kassiert haben. Beim Saarländischen Rundfunk hatte der Chef der Produktionstochter Telefilm Saar mit gefälschten Rechnungen und frisierten Bilanzen einen Schaden von 25 Millionen Euro angerichtet. Der Ex-Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, musste 2008 wegen Untreue und Bestechlichkeit für zwei Jahre und acht Monate hinter Gittern. Ein Jahr später wurde der frühere Sportchef des MDR, Wilfried Mohren, wegen Bestechlichkeit zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Kommentare (1)

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kara

10.01.2011, 13:11 Uhr

im Artikel wird eine behauptung aufgestellt, die nicht ganz zutreffend ist: Doris Heinze ist keineswegs vor Gericht gekommen, es steht in den Sternen, ob es zu einer Verhandlung kommen wird, oder ob sie komplett ohne Strafe davon kommt. Die Öffentlichkeit ist nicht ausreichend über ihre Taten informiert worden, offenbar gab es kein interesse, die weitreichenden Verwicklungen und Verstrickungen der Doris Heinze im öffentlich-rechtlichen System mit teils dramatischen Folgen hinreichend darzustellen...

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