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25.02.2014

15:12 Uhr

Österreich

Milliardär Slim will mehr Kontrolle bei Telekom Austria

Milliardär Carlos Slim will künftig bei der Telekom Austria gemeinsam mit dem österreichischen Staat das Sagen haben. Der Mexikaner strebt einen Pakt mit dem staatlichen Telekom-Großaktionär ÖIAG an.

Carlos Slim. Die österreichische Regierung begrüßt sein Engagement. Reuters

Carlos Slim. Die österreichische Regierung begrüßt sein Engagement.

WienDer mexikanische Milliardär Carlos Slim will bei der Telekom Austria künftig gemeinsam mit dem österreichischen Staat das Sagen haben. Über seinen Konzern America Movil strebt der Zigarrenfan mit dem Schnauzbart einen Pakt mit dem staatlichen Telekom-Großaktionär ÖIAG an, der zu einem Pflichtangebot an die restlichen Anteilseigner führen würde. Es habe bereits erste Kontakte zu der Staatsholding und anderen Akteuren bei der Telekom gegeben, erklärte America Movil in der Nacht zu Dienstag. Nun könnten formelle Verhandlungen über eine Allianz starten, bei der die Großaktionäre gemeinsam auf gut 55 Prozent der Anteile kommen würden.

Österreichische Regierungsvertreter begrüßten das Engagement Slims: „Wir sind natürlich offen für eine enge Kooperation“, sagte Finanzminister Michael Spindelegger. Bereits in den kommenden Wochen könne es Klarheit darüber geben, ob das Bündnis zustande komme, sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Die ÖIAG ist mit 28,4 Prozent der größte Telekom-Aktionär - dicht gefolgt von America Movil mit 26,8 Prozent.

Von dem geplanten Pakt könnten beide Seiten profitieren: Für Slim ist es ein erster wichtiger Schritt, sich mehr Einfluss auf die Telekom Austria zu sichern: Denn im Zuge der Allianz verpflichten sich die Partner, bei wichtigen strategischen Entscheidungen an einem Strang zu ziehen und Beschlüsse nicht zu blockieren. Außerdem könnte der Mexikaner bei einer engen Abstimmung mit den Österreichern seine freundlichen Absichten demonstrieren - und ein Debakel wie bei der niederländischen KPN vermeiden. Dort war sein milliardenschweres Übernahmeangebot am Widerstand wichtiger Aktionäre gescheitert. Mit der Expansion in Europa will der Konzern seine Abhängigkeit vom mexikanischen Heimatmarkt verringern.

Ob Amercia Movil für die Allianz auch Geld in die Hand nehmen muss, hängt vom Preis des Übernahmeangebots ab. Sollte sich das lediglich an der vorgeschriebenen Untergrenze von 6,09 Euro je Aktie - dem Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate - orientieren, dürften davon nur wenige Investoren Gebrauch machen. Denn an der Börse kostet die Aktie mittlerweile 7,2 Euro. Sie hatte in Erwartung eines Übernahmeangebots seit Jahresbeginn um 30 Prozent zugelegt und ist so teuer wie seit Sommer 2012 nicht mehr - damals war Slim bei der Telekom eingestiegen. Am Dienstag legte sie in der Spitze fast drei Prozent zu und erreichte bei 7,31 Euro ein neues Jahreshoch.

Die größten Mobilfunker der Welt

Platz 1

China Mobile

Umsatz: 92,3 Milliarden Euro
Mobilfunkverbindungen: 790,6 Millionen

Platz 2

Vodafone Group (Großbritannien)

Umsatz: 58,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 435,9 Millionen

Platz 5

América Móvil Group (Mexiko)

Umsatz: 35,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 266,9 Millionen

Platz 6

Telefónica Group (Spanien)

Umsatz: 42,0 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 249,4 Millionen

Platz 3

China Unicorn

Umsatz: 29,9 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 295,0 Millionen

Platz 6

Verizon Wireless (USA)

Mobilfunkverbindungen: 114,5 Millionen (+ 5 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 65 Milliarden Dollar (+ 7 Prozent)

Platz 7

VimpelCom Group (Niederlande)

Umsatz: 15,8 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 218,2 Millionen

Platz 8

Orange Group (Frankreich)

Umsatz: 22,4 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 184,6 Millionen

Platz 9

Bharti Airtel Group (Indien)

Mobilfunkverbindungen: 259,8 Millionen (+ 7 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 12,6 Milliarden Dollar (+ 6 Prozent)

Platz 10

AT&T Mobility (USA)

Mobilfunkverbindungen: 107,3 Millionen (+ 3 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 59,7 Milliarden Dollar (+ 4 Prozent)

Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom landet auf Platz 12 mit 111 Millionen Kunden und einem Mobilfunkumsatz in Höhe von 33,37 Milliarden Dollar (minus drei Prozent).

Österreich wiederum könnte America Movil im Zuge der Allianz langfristige Zugeständnisse abringen - etwa den Verbleib der Firmenzentrale und der Börsennotiz der Telekom in Wien sowie den Ausbau der Infrastruktur in Österreich. Damit würde der Staat seine Interessen auch dann sichern, wenn sich eine künftige Regierung zu einem Verkauf des Staatsanteils entschließen sollte. Die aktuelle rot-schwarze Koalition will zumindest eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie halten.
Insider erwarten jedoch nicht, dass sich Slim dauerhaft mit seinem derzeitigen Anteil von knapp 27 Prozent und einem Pakt mit der Staatsholding zufriedengeben wird. Einem Bericht der Wochenzeitung "News" zufolge könnte Slim über eine Kapitalerhöhung bis zu 750 Millionen Euro in den Konzern stecken und damit die ÖIAG als größten und damit tonangebenden Aktionär ablösen.

Offen ist nur wann: „Der Markt geht davon aus, dass Slim schnell etwas macht“, sagte Raiffeisen-Fondsmanager Günther Schmitt. Doch eine Übernahme sei für Slim angesichts des hohen Kurses der Telekom-Austria-Aktie derzeit kein Schnäppchen. Der Konzern ist wegen der Übernahmespekulationen an der Börse so teuer wie kaum ein anderes europäisches Telekomunternehmen - und das trotz des möglicherweise wieder zunehmenden Wettbewerbs in Österreich und durchwachsener Aussichten für das Osteuropa-Geschäft. Gemessen an den operativen Erträgen (Ebitda) ist die Aktie der Telekom Austria derzeit auch 30 Prozent teurer als jene von America Movil.

Nach Einschätzung von Schmitt könnte sich Slim mit einem Ausbau seines Telekom-Anteils daher noch Zeit lassen - und auf wieder sinkende Kurse hoffen. „Es könnte leicht sein, dass er einen längeren Atem hat als der Markt“, sagte der Raiffeisen-Fondsmanager.

Von

rtr

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