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27.03.2006

19:49 Uhr

Offenbar Käufer gesucht

Bertelsmann prüft Ausstieg bei Sony-BMG

VonR. Landgraf und H.-P. Siebenhaar

Bertelsmann erwägt einen Verkauf seiner Musiksparte. Europas größter Medienkonzern soll bereits Investmentbanken mit dem Verkauf des 50-Prozent-Anteils am Musikkonzern Sony-BMG und des Musikverlagsgeschäfts beauftragt haben, hieß es in Branchenkreisen.

HB FRANKFURT/MÜNCHEN. Bertelsmann wollte einen angeblichen Ausstieg aus dem Musikgeschäft gestern nicht kommentieren. „Wir geben über mögliche Geschäftsbeziehungen keine Auskunft“, sagte ein Sprecher in Gütersloh. In Finanzkreisen werden als Käufer der Joint-Venture-Partner Sony genannt sowie der Musikkonzern EMI. Offenbar hat aber noch keine Bank ein Mandat. Dafür in Frage kommen vor allem die Deutsche Bank und UBS. Beide sollen bei Bertelsmann häufiger zu sehen sein.

Bertelsmann spielt zusammen mit den Banken offenbar eine Reihe von Möglichkeiten durch, um einen Börsengang zu verhindern. Eine Möglichkeit ist der Rückkauf des 25-Prozent-Anteils des Gesellschafters Groupe Bruxelles Lambert (GBL) durch die Familie Mohn. GBL hatte vor fünf Jahren im Tausch gegen sein Aktienpaket am Fernsehkonzern RTL Group die Beteiligung erhalten. Die belgische Finanzgesellschaft von Albert Frère kann ab 22. Mai einen Börsengang von Bertelsmann verlangen. Wie er sich entschieden wird, ist offen. „Es ist viel zu früh, etwas zu sagen“, sagte Konzernchef Gunter Thielen.

Frère hat den Wert seinen Anteils bei Bertelsmann auf vier bis fünf Mrd. Euro beziffert. Um einen Rückkauf des GBL-Aktienpakets finanzieren zu können, wäre der Ausstieg aus dem Musikgeschäft ein wichtiger Baustein. Einen Rest müsste die Familie Mohn womöglich über die Hausbanken finanziert werden.

„Die Portfolioüberlegungen können sich blitzschnell ändern", sagte Thielen in der vergangenen Woche in Berlin. Seit Herbst prüft die Unternehmensberatung Boston Consulting das Portfolio des europäischen Branchenprimus’. Der Wert der Musiktochter BMG wurde von den Investmentbank Goldman Sachs auf 1,6 Mrd. Euro geschätzt. Bei Bertelsmann wird dies als zu niedrig angesehen. Im Vorstand wird der 50 Prozent Anteil am Musikkonzern Sony-BMG, die weltweite Nummer zwei im Musikgeschäft, mit deutlich über zwei Mrd. Euro beziffert.

Das Musikgeschäft gilt als Sorgenkind. Im vergangenen Jahr musste BMG einen Umsatzrückgang auf 2,1 Mrd. Euro hinnehmen. Das operative Ergebnis verbesserte sich allerdings von 162 auf 177 Mill. Euro. Dennoch liegt die Umsatzrendite unter der von Konkurrenten wie EMI und Universal.

Das Verhältnis zwischen Bertelsmann und Sony gilt als nicht spannungsfrei. Trotz des Widerstandes von Sony hatte Bertelsmann im Februar durchgesetzt, dass der Bertelsmann-Vorstand Rolf Schmidt-Holtz den Chefposten bei Sony-BMG in New York übernimmt. Im Gegenzug schied Schmidt-Holtz aus dem Vorstand in Gütersloh aus. Seit Februar kümmert sich der neue Finanzvorstand Thomas Rabe im Bertelsmann-Vorstand um das Musikgeschäft. Der 40-Jährige verantwortet die 50-Prozent-Beteiligung an Sony BMG sowie den Musikverlag BMG Music Publishing, der Bertelsmann komplett gehört.

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