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30.04.2011

10:05 Uhr

Offene Rechnungen

Teldafax kann nicht zahlen

VonJürgen Flauger, Sönke Iwersen

Die Probleme des Stromdiscounters Teldafax sind offenbar größer als bekannt. Zahlreiche Netzbetreiber haben bereits das Unternehmen abgeschaltet. Die Verbraucherzentrale bereitet Kunden auf den Ernstfall vor.

Das Unternehmen Teldafax gerät immer mehr unter Druck. Quelle: dapd

Das Unternehmen Teldafax gerät immer mehr unter Druck.

TroisdorfDer Strom- und Gasanbieter Teldafax macht falsche Angaben über die Zahl der Liefergebiete, in denen er wegen Zahlungsverzugs keinen Netzzugang mehr hat. Wie die Bundesnetzagentur dem Handelsblatt auf Anfrage bestätigte, haben allein im ersten Quartal dieses Jahres zwischen 40 und 60 Netzbetreiber so genannte Netzzugangsverweigerungen gegen Teldafax verhängt. Seit April sei die Häufigkeit der Sperren sogar noch gestiegen. „Wir beobachten Teldafax weiterhin sehr sorgsam“, sagte eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde für den Energiemarkt.

Den Netzbetreibern gehören die Netze, durch die Teldafax Strom und Gas kostenpflichtig leiten muss, um zum Kunden zu gelangen. Der Teldafax-Chef Hans-Gerd Höptner sagte vor einer Woche in einem Interview der „Welt am Sonntag“, es hätten „einige Netzbetreiber“ gekündigt. Fünf Prozent der 700 000 Kunden seien dadurch verloren gegangen. Drei Tage später sagte eine Teldafax-Sprecherin in der „Frankfurter Neuen Presse“, es hätten zehn Grundversorger die Zusammenarbeit mit Teldafax beendet und dreißig weitere Netzsperren angekündigt.

Diese Zahlen sind aber offenbar zu niedrig. Wie die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg mitteilte, hat allein in diesem Bundesland bereits ein Drittel aller Netzbetreiber Teldafax den Liefervertrag gekündigt, oder dies angekündigt. Die Zahl der Sperren liege hier schon bei 34. Die Bundesnetzagentur sagte, bei ihr hätten sich mehr als 100 Netzbetreiber mit Beschwerden über Teldafax gemeldet.Die Teldafax-Sprecherin wollte sich zu den widersprüchlichen Zahlen nicht äußern. Unklar ist auch, warum die Kündigungen in den vergangenen Tagen so stark zunehmen. Teldafax hat nach eigenen Angaben Ende März einen Kredit von 50 Millionen Euro vom neuen Eigentümer, dem Finanzinvestor Prime Mark, erhalten. Damit sei das Unternehmen in der Lage, seine aktuellen Liquiditätsprobleme zu lösen und seine wirtschaftliche Lage deutlich zu verbessern, hieß es in einer Mitteilung. Seitdem aber schalten fast täglich weitere Netzbetreiber Teldafax wegen Zahlungsverzug ab.

Geschäftspartner berichten, sie könnten sich keinen Reim auf das Verhalten von Teldafax machen. Selbst Netzbetreiber, die Teldafax im Februar gekündigt hatten und schließlich doch bezahlt wurden, erhielten seitdem kein Geld mehr. Beispiele sind die Pfalzwerke in Ludwigshafen und Enervie in Hagen. Bei beiden stehen erneut sechsstellige Beträge offen. „Wir haben einen neuen Vertrag mit Teldafax geschlossen und dann einfach nichts mehr gehört“, sagt ein Enervie-Sprecher. „Wir kündigen jetzt erneut. Weitere Verträge sind nicht mehr vorgesehen.“ Bei den Pfalzwerken und Enervie sind insgesamt 10000 Teldafax-Kunden betroffen, die jetzt in die teurere Grundversorgung zurückfallen.

Teldafax will nun neue Kunden werben – mit höheren Preisen. „Discounter-Tarife, die nicht kostendeckend sind, wird es von uns in Zukunft nicht mehr geben“, sagt Höptner. Er kündigte eine neue Tarif- und Produktstruktur an, die auch einen speziellen Öko-Tarif enthalte. Ziel des neuen Angebots sei, langsam und profitabel zu wachsen. Es soll am ersten Juni vorgestellt werden.

Bis dahin bleiben viele Fragen offen. Die Jahresabschlüsse 2008 und 2009, die seit Monaten angekündigt werden, sollen nun erst Ende Juni vorgelegt werden. Bislang hatten die Wirtschaftsprüfer eine Testierung verweigert. Im April sorgte Teldafax für Aufsehen, weil das Unternehmen Rechungen an Kunden schickte, die es gar nicht mehr beliefern konnte. Teldafax gab an, es handele sich um ein Versehen. Preisvergleichportale wie Check24 haben Teldafax wegen der unklaren Liefersituation ausgelistet.Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät den bestehenden Kunden nun zu äußerster Vorsicht. Wer durch Verschulden von Teldafax in die teurere Grundversorgung falle, solle seinen Vertrag mit Teldafax umgehend kündigen. Die Mehrkosten in der Grundversorgung könnten bei Teldafax als Schadenersatz geltend gemacht werden, sagt Energieexperte Christian Michaelis.

Kunden, deren Guthaben bei Teldafax lägen und die ihr Geld nicht zurückerhalten, sollten Teldafax einen gerichtlichen Mahnbescheid schicken, rät Michaelis. Damit könnte dann ein Gerichtsvollzieher das Geld eintreiben, sofern Teldafax noch zahlungsfähig sei. Die Verbraucherzentrale empfiehlt auch, im Internet unter www.insolvenzbekanntmachungen.de zu verfolgen, ob Teldafax einen Insolvenzantrag gestellt hat.

Weitere Tipps für Teldafax Kunden: www.vz-bw.de/teldafax

Kommentare (11)

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Thomas-Melber-Stuttgart

30.04.2011, 10:40 Uhr

"Kunden, deren Guthaben bei Teldafax lägen und die ihr Geld nicht zurückerhalten, sollten Teldafax einen gerichtlichen Mahnbescheid schicken, rät Michaelis. Damit könnte dann ein Gerichtsvollzieher das Geld eintreiben, ..."

Nun ja, ganz so einfach ist das nun nicht - man kann wohl davon ausgehen, daß Teldafax gegen die Mahnbescheide Widerspruch einlegt. Der Gläubiger muß somit seinen Anspruch einklagen und hierfür in Vorleistung gehen.

Account gelöscht!

30.04.2011, 21:30 Uhr

Seltsam,immer am Ende und am Anfang eines neuen Monats kommt solch eine Meldung.

Presse Nachtigall man hört dir trappsen.

Account gelöscht!

30.04.2011, 21:35 Uhr

Seltsam,immer am Ende und am Anfang eines neuen Monats kommt eine solche Meldung.
Meint man wirklich das so etwas nicht auffällt ?
Presse Nachtigall icke hör Dir tapsen.

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