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16.07.2014

14:54 Uhr

Offerte

Medienzar Murdoch bietet 80 Milliarden für Time Warner

Es wäre ein Umbruch in der US-Medienlandschaft: Rupert Murdoch will den Konkurrenzkonzern Time Warner aufkaufen. Ein Angebot von 80 Milliarden Dollar scheiterte aber. Womöglich stockt er das Angebot nun auf.

In Kauflaune: Twenty-First-Century-Fox-Chef Rupert Murdoch. Reuters

In Kauflaune: Twenty-First-Century-Fox-Chef Rupert Murdoch.

New YorkDiese Übernahme würde die Medienlandschaft auf den Kopf stellen: Der legendäre US-Medienmogul Rupert Murdoch hat in den vergangenen Wochen versucht, den Rivalen Time Warner zu schlucken. Dieser wies die Annäherungsversuche zwar zurück, doch könnte Murdoch seine Offerte aufstocken.

Murdochs Konzerns 21st Century Fox bestätigte am Mittwoch, Time Warner im Juni ein Angebot für einen Zusammenschluss unterbreitet zu haben. „Der Verwaltungsrat von Time Warner hat es abgelehnt, auf unser Angebot einzugehen“, erklärte 21st Century Fox am Sitz in New York. „Wir befinden uns momentan nicht in Gesprächen mit Time Warner.“

Der Deal wäre die Krönung von Murdochs Karriere, in der er einen weltumspannenden Medienkonzern geschaffen hat. Zu einem solchen fusionierten Branchengiganten würden Fernsehsender wie Fox, TNT oder der in den USA beliebte Bezahlsender HBO („Game of Thrones“) gehören; überdies wären die großen Hollywood-Studios 20th Century Fox und Warner Bros. Teil des Geschäfts. Murdoch ist auch Haupteigentümer des börsennotierten Bezahlsenders Sky Deutschland.

Das Imperium des Rupert Murdoch

Geerbtes Unternehmen

Rupert Murdoch kam 1931 in Australien zur Welt. Das Unternehmertum liegt in der Familie: Sein Vater kaufte sich in die Zeitungskette News Limited ein, Sohn Rupert erbte sie 1952 – und baute sie zu einem Medienimperium aus, zu dem heute neben den Zeitungen in aller Herren Länder auch der Buchverlag Harper Collins, Internetbeteiligungen, Fernsehsender und mit „20th Century Fox“ ein legendäres Hollywood-Studio gehören.

Von der „Sun“ bis zum „Wall Street Journal“

Begonnen hat alles mit der Zeitung „The News“ aus dem australischen Adelaide, die der damals Anfang 20-jährige Rupert von seinem Vater übernahm. Später verleibte sich Murdoch in Großbritannien die renommierte Londoner „Times“ ein, außerdem das Massenblatt „Sun“. Die britische Sonntagszeitung „News of the World“ stampfte Murdoch nach einem Abhörskandal kurzerhand ein. Im Jahr 2007 landete Murdoch einen seiner größten Coups, indem er den US-Konzern Dow Jones übernahm, den Herausgeber Wirtschaftsblatts „Wall Street Journal“.

Fox-Fernsehsender

Flaggschiff des Konglomerats sind die amerikanischen Fox-Fernsehsender, die wegen ihrer konservativen Ausrichtung berühmt-berüchtigt sind. Hier ist aber auch die Heimat der Kultsendung „Die Simpsons“. Die gelbe Zeichentrick-Familie mit Oberhaupt Homer und der guten Seele Marge nimmt in vielen Folgen den Sender und seinen Patriarchen selbst auf die Schippe.

Auch in Deutschland aktiv

Murdoch hält die Mehrheit am Bezahlsender Sky, dem früheren Premiere. Sein Sohn James ist seit 2016 wieder Vorsitzender des Aufsichtsrates beim britischen Mutterkonzern.

Schiffbruch mit MySpace

Murdoch erkannte früh die Chancen des Internet und traute sich als einer der ersten großen Verleger, Geld für Nachrichten im Netz zu verlangen. Mit einem anderen Projekt erlitt er indes Schiffbruch: Das einstmals größte Online-Netzwerk MySpace ist nach dem Siegeszug von Facebook heute nur noch ein Schatten seiner selbst.

Aufspaltung in zwei Bereiche

2013 spaltete Murdoch sein Imperium in zwei Reiche auf: die profitable Filmsparte 21st Century Fox und das schwächelnde Verlagsgeschäft News Corp.

Nach Informationen der „New York Times“, die zuerst Wind von der Offerte bekommen hatte, bot Murdoch 80 Milliarden Dollar (59 Mrd Euro) für Time Warner. Um mögliche Bedenken der Wettbewerbshüter zu zerstreuen, könnte der zu Time Warner gehörende Nachrichtenkanal CNN weiterverkauft werden, schrieb das Blatt. Murdoch betreibt mit Fox News einen der schärfsten Rivalen in den USA.

Den Informationen zufolge hatte sich Murdochs rechte Hand Chase Carey im Juni mit Time-Warner-Chef Jeff Bewkes getroffen, um ihn ein Angebot zu machen. Dieses habe mit 85 Dollar je Anteilsschein ein Viertel über dem damaligen Börsenkurs gelegen. Ein Teil des Kaufpreises habe in Aktien von Murdochs Medienkonzern 21st Century Fox gezahlt werden sollen. Laut „Wall Street Journal“ hat Murdoch seine Offerte im Juli noch einmal schriftlich eingereicht.

Nach der Zurückweisung sei der nächste Schritt von Murdoch unklar, schrieb die „New York Times“. Die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf eine eingeweihte Personen, Murdoch sei durchaus bereit, mehr als 85 Dollar je Time-Warner-Aktie zu zahlen. Das Papier sprang am Mittwoch im vorbörslichen Handel um 16 Prozent auf 82,50 Dollar hoch.

Von

dpa

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