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13.12.2011

10:00 Uhr

Online-Chefin Huffington

"Ich liebe Zeitungen"

VonAstrid Dörner, Thomas Jahn

ExklusivAm Anfang lachte die Branche als Arianna Huffington die Onlinezeitung Huffington Post gründete. Heute hat die Seite mehr Klickzahlen als die „New York Times“. Huffington über ihre Expansionspläne - auch in Deutschland.

Chefredakteurin Arianna Huffington. dapd

Chefredakteurin Arianna Huffington.

Handelsblatt: Frau Huffington, in wenigen Monaten wollen Sie mit Ihrer Internetzeitung Huffington Post Deutschland erobern. Wie läuft es an?

Arianna Huffington: Wir sprechen mit verschiedenen Medienpartnern. Mehr kann ich nicht sagen, wir müssen warten, bis wir alles unter Dach und Fach haben. Nur so viel: Nach einigen Gesprächsrunden verhandeln wir nur noch mit zwei Häusern. Das wird ein Joint Venture, bei dem wir Kosten und Gewinn jeweils zur Hälfte teilen.

Kann man sich einen ähnlichen Deal wie in Frankreich vorstellen, wo Sie mit der Tageszeitung „Le Monde“ kooperieren – oder in Spanien mit „El Pais“?

Mit „Le Monde“ bringen wir Mitte Januar unsere französische Ausgabe auf den Markt. In Kürze werden wir eine Partnerschaft in Spanien und in Italien ankündigen. Unser Modell sieht so aus, dass wir unsere Plattform nehmen und uns einen etablierten Partner in der Medienbranche suchen. Mit seiner Hilfe wollen wir unsere Marke fest in jedem Land verankern. Vieles geht auch schneller, etwa die richtigen Leute zu finden. Und wir müssen kein Geld für Büros ausgeben. Unsere Mitarbeiter werden in Paris in den Büros von „Le Monde“ sitzen.

Warum arbeitet „Le Monde“ mit Ihnen zusammen?

„Le Monde“ hat eine sehr gute und erfolgreiche Webseite. Mit uns will „Le Monde“-Chef Louis Dreyfus eine ganz andere Leserschaft erreichen. Damit meine ich nicht nur jüngere Leser, sondern auch Leser, die unsere spielerische Art mögen, wie wir Geschichten präsentieren.

Huffington Post FAQ

Übernahme

Im Februar kündigte der einstige Internet-Star AOL die Übernahme der Huffington Post an. 315 Millionen Dollar zahlte AOL-Chef Tim Armstrong für die Internet-Zeitung und schuf deren Gründerin Arianna Huffington eine mächtige Stellung innerhalb seines Unternehmens. Mit der Übernahme entstand die Huffington Post Media Group, in der die erfolgreiche Internet-Zeitung und alle anderen Nachrichten-Webseiten von AOL gebündelt werden. Dazu zählen unter anderem der Lokalnachrichtendienst Patch Media, die Technikseiten Engadget und Tech Crunch, AOL Music, sowie das Promimagazin Style List.

Millionenpublikum

Unternehmensangaben zufolge erreicht die Mediengruppe 117 Millionen Amerikaner und 270 Millionen Leser weltweit.

Rund um die Uhr

Arianna Huffington führt heute 1300 Journalisten. Ein Großteil davon sitzt in einem modernen Großraumbüro in Manhattan, das rund um die Uhr besetzt ist. Auch zwei Schlafkabinen gibt es, in denen die Mitarbeiter ein kleines Nickerchen machen können, um danach mit mehr Energie zurück an die Arbeit zu gehen.

Auslandsexpansion

Der Internet-Dienst AOL muss dringend Wege finden, um mehr Besucher auf die vielen verschiedenen Internet-Seiten zu locken, die zu dem krisengeschüttelten Konzern gehören. Die Huffington Post soll dabei das Angebot deutlich aufwerten. Dabei geht es auch um Auslandsexpansion: Klicks und Werbeumsätze macht die Huffington Post seit einigen Monaten auch außerhalb der USA. Im Mai brachte Arianna Huffington eine kanadische Ausgabe auf den Markt, im Juli folgte Großbritannien. Das ist erst der Anfang: Gestern kündigte die Huffington Post an, dass sie in Spanien mit der renommierten liberalen Zeitung „El Pais“ kooperiert. In Frankreich ist der Partner „Le Monde“.

Konkurrenten

Die Huffington Post ist nicht das einzige US-amerikanische Medienhaus, das den deutschen Markt entdeckt hat. Auch die US-Finanzzeitung „Wall Street Journal“ will mit einer deutschen Online-Ausgabe auf den Markt. Das Angebot, das zu Rupert Murdochs Imperium News Corp. gehört, soll wie die Huffington Post im nächsten Jahr auf den Markt kommen

Gratis-Websites wie die Huffington Post untergraben die Geschäftsgrundlage von Printmedien. Überspitzt gefragt: Warum finanzieren „Le Monde“ oder andere Zeitungen ihren Untergang?

Die Website von „Le Monde“ ist ebenfalls umsonst zugänglich. Die Huffington Post ist für sie so etwas wie ein Versuchslabor. Beispielsweise arbeiten wir viel mit „Splash“: Wir tauschen vorne die Geschichten ständig aus. Viele europäische Zeitungen verändern ihre Themen auf der Website erst, wenn der dritte Weltkrieg ausbricht. Anders sind auch unsere Paketangebote für alle sozialen Medien wie Twitter. Le Monde kann sich anschauen, wie so etwas bei den Lesern ankommt, wie die Öffentlichkeit reagiert und was sie übernehmen können.

Ersetzen eines Tages Websites wie die Huffington Post traditionelle Zeitungen?

Das glaube ich nicht. Meiner Meinung nach wird es noch viele Jahre beide Formen geben. Ich liebe Zeitungen und habe sieben verschiedene Titel abonniert. Für mich gibt es nichts Schöneres, als morgens in einem Café die „New York Times“ zu lesen und mit einem Stift darin herumzukritzeln. Ich war vor kurzem mit Freunden in Sizilien. Dort haben wir uns die Zeitungen auf den Computer geholt und ausgedruckt. Es ist so wunderbar, mit Freunden zusammenzusitzen und Papier herumzureichen – und so kommt auch keine Marmelade auf den iPad.

Kommentare (4)

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DvH

13.12.2011, 10:41 Uhr

Ich vermisse das kritische Hinterfragen des Geschäftsmodells von Huffington Post - Ihr stellt es so dar, als sei es eine 'normale online-Zeitung' wie die Websites von zB Handelsblatt, FTD, Spiegel u.a. Nichtnichten !!
1000 'Journalisten' im Großraum-Büro erstellen die Inhalte - fahrt mal hin und guckt Euch das an...

Account gelöscht!

13.12.2011, 11:47 Uhr

Bis vor etwa einem Jahr hatte die HuffPo noch interessante, aufklärerische Inhalte zu bieten. Seit dem Verkauf an AOL aber alles verloren, was sie einst auszeichnete. Ein typisches Mainstream US-"Blatt",- zum vergessen. Die ehemals freien Leserposts werden nun in einem ähnlichen Maße zensiert, wie in Deutschlands Zensurblatt Nr. 1 "Die Zeit", die sich eigentlich in "Zion" umbenennen sollte.
Allerdings ist die Gestaltung und die direkte Einbettung anderer elektronischer Medien (z.B. Videos bei der HuffPo, ziemlich stark.
Die gute Arianna hat beim Verkauf über 500 Millionen USD eingesackt, und ist ein Star des Establishments. Die Inhalte kommen nun von AOL diktiert.

WhiteHaven

14.12.2011, 00:07 Uhr

Interessant, Frau Huffington`s Ansichten zu Europa, Griechenland und dem Euro gleichen exact den Vorschlägen von Oskar Lafontaine bzw. der LINKEN.

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