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18.05.2017

07:39 Uhr

Online-Gigant aus China

Tencent stellt sie alle in den Schatten

VonStephan Scheuer

Alibaba? Nein, Tencent ist Chinas größter Online-Gigant. Mit Abstand. Die Firma steht an der Börse auf Platz neun der wertvollsten Unternehmen der Welt, vor JP Morgan. Und nun hat sie beeindruckende Zahlen vorgelegt.

Das Unternehmen ist durch chinesische Gesetze weitgehend gegen ausländische Konkurrenz geschützt. Reuters

Tencent-Logo

Das Unternehmen ist durch chinesische Gesetze weitgehend gegen ausländische Konkurrenz geschützt.

PekingPony Ma hält sich zurück. Im Gegensatz zu seinem Herausforderer Jack Ma scheut er die Öffentlichkeit. In der Regel gibt er nur zwei Pressekonferenzen im Jahr. Entsprechend groß ist das Interesse, als er sich in einem Pekinger Luxushotel den Fragen von Journalisten stellt. Das Handelsblatt ist als einziges deutsches Medium zugelassen.

„Wir stehen gut da, ich kann mich nicht beklagen“, sagt der Tencent-Chef. Er hat Grund zum Optimismus. Als eine Firma kurze Zeit später die Zahlen für das erste Quartal vorlegt, übertrifft sie alle Erwartung, und stellt damit seinen Konkurrenten, Alibaba-Gründer Jack Ma in den Schatten. Der Gewinn sprang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 58 Prozent auf 14,48 Milliarden Yuan (rund 1,9 Milliarden Euro). Der Umsatz stieg um 55 Prozent auf 49,55 Milliarden Yuan (rund 6,5 Milliarden Euro). Das ist weit mehr, als Analysten zuvor erwartet hatten.

Tencent: Chinesen steigen bei Tesla ein

Tencent

Chinesen steigen bei Tesla ein

Mit der Ausgabe neuer Anleihen will Tesla-Gründer Elon Musk die Produktion des Model 3 finanzieren. Der chinesische Internetkonzern Tencent nutzt die Gunst der Stunde – und hält nun deutliche Anteile am Elektropionier.

Noch beeindruckender ist jedoch das Vertrauen, dass Anleger in die Zukunft der Firma stecken. Denn dank der seit Jahresanfang kontinuierlich steigenden Bewertung an der Hongkonger Börse steht Tencent mit einer Marktkapitalisierung von 316 Milliarden US-Dollar da. Damit ist das chinesische Online-Unternehmen auf Platz neun der wertvollsten Firmen an den Börsen weltweit, noch vor der amerikanischen Großbank JP Morgan.

Ein Erfolgsfaktor ist Chinas Große Firewall. Die Pekinger Behörden haben es ausländischen Internetfirmen in China schwer gemacht. Facebook und Twitter werden gar nicht erst zugelassen. Google, Ebay und zuletzt Uber haben sich zurückgezogen. Dafür floriert das Geschäft der chinesischen Anbieter. Die drei größten haben sich den Markt aufgeteilt: Tencent kontrolliert das Geschäft mit Chatprogrammen wie Wechat und den Markt für Onlinespiele. Alibaba dominiert den Onlinehandel. Und Baidu bestimmt das Geschäft mit der Onlinesuche.

Lexikon der Künstlichen Intelligenz

Schwer definierbarer Begriff

Die wissenschaftliche Disziplin Künstliche Intelligenz (KI) begründete der Forscher John McCarthy. Er lud 1955 zu einer Konferenz an der Darthmouth-Universität in New Hampshire ein, um über Maschinen zu diskutieren, die „Ziele in der Welt erreichen können“. Die Definition ist allerdings bis heute umstritten – schon weil Intelligenz an sich schwer abgrenzbar ist.

Starke KI

Unser Bild von Künstlicher Intelligenz wird geprägt von Filmen wie „Terminator“ oder „Her“, in denen Elektronenhirne ein Bewusstsein haben und selbständig agieren – Experten sprechen von starker KI. Die Technik ist bislang weit von solchen Visionen entfernt, verbreitet aber Angst und Schrecken. Was, wenn die Maschinen schlauer werden als die Menschen und sich über sie erheben?

Schwache KI

In der Realität zu finden ist derzeit lediglich schwache KI. Dabei handelt es sich um Systeme, die einzelne Fähigkeiten des Menschen abbilden, etwa die Spracherkennung oder Herstellung von inhaltlichen Zusammenhängen. Sie wären jedoch nicht in der Lage, die Ergebnisse zu verstehen oder inhaltlich zu diskutieren.

Maschinelles Lernen

Die derzeit erfolgreichste Spezialdisziplin der KI ist das maschinelle Lernen. Dabei leitet der Computer aus Daten weitgehend selbständig Muster und Erkenntnisse ab. Zum Einsatz kommt die Technologie etwa bei der Sprach- und Objekterkennung – und damit an vielen Stellen, von digitalen Assistenten auf dem Smartphone bis zum autonomen Fahrzeug.

Neuronale Netze

Beim maschinellen Lernen verwenden Forscher und Entwickler häufig künstliche neuronale Netze, die das Gehirn als Vorbild nehmen. Die Methode ist davon inspiriert, dass es im Denkorgan viele Verbindungen und Schichten gibt, die Informationen verarbeiten. Der Computer simuliert diese Struktur. Mit dem menschlichen Denken hat das nur entfernt zu tun: Es handelt sich um komplexe statistische Modelle.

Deep Learning

Als Deep Learning bezeichnen Experten eine Methode des maschinellen Lernens. Dabei kommen neuronale Netze mit vielen Schichten zum Einsatz – so entsteht die namensgebende Tiefe. Die Technologie ist vielversprechend und kommt bereits auf breiter Basis zum Einsatz. Damit sie funktioniert, sind jedoch große Datenmengen nötig, sie dienen als Trainingsmaterial fürs künstliche Gehirn.

Es gibt einen Zukunftsmarkt, in den alle drei drängen: die digitale Finanzwirtschaft. Alibaba hat mit Alipay die größte Plattform in China auf dem Markt. Tencent hat seinen Messenger WeChat zu einer Konkurrenz-Bezahlplattform ausgebaut. Und auch Baidu versucht stärker in das Geschäft vorzudringen.

Das nächste Schlachtfeld um die Dominanz der digitalen Finanzwirtschaft könnte auch in Deutschland liegen. Alipay hat Kooperationen mit lokalen Partnern geschlossen, sodass heute schon chinesische Touristen mit ihrem Smartphone etwa am Flughafen in München bezahlen können. Tencent will nachziehen. Beide Anbieter haben eines gemeinsam: Sie sind deutlich billiger als Konkurrenten wie das US-Unternehmen Paypal.

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