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02.01.2017

13:46 Uhr

Online-Lieferdienste

Investoren zweifeln an Internet-Lieferdiensten

Kleidung und Essen per Internet bestellen, ist schon länger möglich. Investoren zweifeln aber daran, dass alle Lieferdienste erfolgreich sind und erwarten eine Reihe von Firmenpleiten – trotz des Einsatzes von Robotern.

Lieferdienste wie Delivery Hero kämpfen mit anhaltend hoher Konkurrenz. dpa

Delivery Hero

Lieferdienste wie Delivery Hero kämpfen mit anhaltend hoher Konkurrenz.

San FranciscoEssen oder Kleidung per Smartphone bestellen, bequem, billig und pünktlich liefern lassen – das klingt gut. Immer mehr Risiko-Geldgeber zweifeln aber daran, dass es ein tragfähiges Geschäftsmodell ist. Die Firmen sammelten zuletzt deutlich weniger Geld ein als noch Anfang 2016.

Eine Reihe von größeren Investoren gehen inzwischen davon aus, dass es zu einer Reihe von Pleiten kommen könnte. „Wir haben uns die ganze Branche angesehen und abgewunken“, sagt Ben Narasin von Canvas Ventures, der sein Geld stattdessen unter anderem in Softwareanbieter gesteckt hat.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Binnen zehn Jahren sammelten Online-Lieferdienste wie Delivery Hero mindestens neun Milliarden Dollar (8,6 Milliarden Euro) ein, 2,5 Milliarden Dollar kamen allein 2016 zusammen. Doch der Geldstrom kam bis Jahresende fast zum Erliegen: Im vierten Quartal waren es nach Reuters-Berechnungen gerade noch ein paar Dutzend Millionen Dollar, nach 1,9 Milliarden zum Jahresauftakt. Lieferdienste kämpfen mit anhaltend hoher Konkurrenz oder geringen Margen, sagen Wagniskapitalgeber. Brook Porter, Partner beim Investor Kleiner Perkins, spricht von einem Abwärtswettlauf.

2016 mussten mehrere Lieferdienste aufgeben – wie Spoon-Rocket aus den USA oder Pepper-Tap aus Indien. Der Essensdienst Door-Dash konnte nur mit kräftigen Abschlägen überhaupt Geld aufnehmen. Erschwert wird den kleineren Firmen der Branche der Einstieg von Uber in das Geschäft, mit dem Essensdienst Uber-Eats und dem Lieferdienst Uber-Rush.

Auch etablierte Logistikkonzerne wie Amazon oder DHL mischen in dem Bereich mit. Das stellt die kleinen Anbieter auf die Probe. „Man kann die Preise für die Kunden nicht erhöhen, und man kann die Arbeitskosten nicht reduzieren“, sagte Venky Ganesan von Menlo Ventures. Das Geschäftsmodell werfe grundlegende Zweifel an der Wirtschaftlichkeit auf.

Veteranen im Silicon Valley erinnern sich noch an die Zeit um die Jahrtausendwende, als im New-Economy-Boom auch Online-Lieferdienste auf sich aufmerksam machten. Doch die Sterne von Kozmo, das Güter des täglichen Bedarfs binnen einer Stunde zum Kunden bringen wollte, oder des Internet-Supermarkts Webvan verblassten bald. Investoren verloren Hunderte Millionen Dollar.

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