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24.10.2012

06:49 Uhr

Online-Netzwerk

Facebook sucht ein Geschäftsmodell

VonChristof Kerkmann

Eine Milliarde Nutzer, aber kärgliche Einnahmen: Facebook sucht ein Geschäftsmodell, mit dem es die hohen Erwartungen der Investoren endlich erfüllen kann. Firmenchef Mark Zuckerberg steht unter Druck.

Erst kommt das Smartphone: Facebook hat die Produktentwicklung radikal umgestellt. Mobile Geräte stehen nun im Mittelpunkt. AFP

Erst kommt das Smartphone: Facebook hat die Produktentwicklung radikal umgestellt. Mobile Geräte stehen nun im Mittelpunkt.

DüsseldorfEine Milliarde Nutzer – und eine Frage: Wie lässt sich damit das große Geld verdienen? Facebook hat nach seinem Mega-Börsengang im Mai noch nicht bewiesen, dass es die hochgesteckten Erwartungen der Investoren erfüllen kann. Als das Unternehmen zum zweiten Mal Quartalszahlen vorlegte, sahen die Anleger daher genau hin, wie das Geschäft zuletzt lief. Hohe Ausgaben zogen die Bilanz zwar ins Minus, aber die deutlich höheren Einnahmen mit mobiler Werbung befeuerten die Hoffnung, dass Facebook endlich eine Antwort auf die Frage nach dem Geschäftsmodell gefunden hat – der Aktienkurs schoss nachbörslich um mehr als zehn Prozent in die Höhe.

Facebook steht unter Druck. Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg gab sich zwar lange betont gelassen. Erst mal gehe es darum, ein tolles Produkt zu bauen und möglichst viele Menschen zu erreichen, lautete stets seine Devise. Dank der massiven Investitionen konnte sich die 2004 gegründete Firma das auch leisten. Doch seit dem verpatzten Börsengang ist das vorbei: Der Aktienkurs ist abgestürzt, rund 50 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich in Luft auf. Die Anleger erwarten Ergebnisse.

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Der Börsengang habe die Firma umgekrempelt, sagte der Buchautor David Kirkpatrick („Der Facebook-Effekt“) kurz vor der Präsentation der neuen Zahlen. Vorher sei es nur ums Produkt gegangen – die Mitarbeiter hätten erst lernen müssen, dass auch das Geschäft wichtig ist, so Kirkpatrick im Interview mit Bloomberg. Inzwischen, so betonte Firmengründer und -chef Mark Zuckerberg in einer Telefonkonferenz, sei jedes Produktteam bei Facebook für die Monetarisierung verantwortlich.

Es hat sich etwas getan. Die Tüftlerfirma – Motto: Move fast and break things – habe in den vergangenen Monaten viel ausprobiert, sagte der Facebook-Experte Thomas Hutter im Gespräch mit Handelsblatt Online. Vor allem im wichtigen Geschäft mit Anzeigen, das im abgelaufenen Quartal 87 Prozent zum Umsatz beisteuerte: „Facebook hat neue Werbeformate und -techniken eingeführt und die Buchung von Werbung wesentlich vereinfacht.“ Die „Promoted Posts“, mit denen Nutzer ihren Statusmeldungen gegen Gebühr mehr Sichtbarkeit verschaffen können, sind nur eines von vielen Experimenten.

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Ein Facebook-Nutzer informiert sich auf einer Website über ein Produkt. Ein Werbenetzwerk, das mit Facebook kooperiert, installiert einen „Cookie“, eine winzige Datei, die den Besuch dokumentiert. Etwa so: Nutzer interessiert sich für ein bestimmtes Mobiltelefon.

Auktion

Beim nächsten Facebook-Besuch informiert das Unternehmen das Werbenetzwerk. Der Nutzer bleibt dabei anonym. Der Werbedienstleister leitet binnen Sekunden eine Auktion ein. Hersteller bieten dafür, eine Anzeige zu präsentieren. Das beste Gebot bekommt den Zuschlag.

Außerdem können Werbekunden ihre Botschaften gezielter an den Nutzer bringen, etwa durch den Abgleich ihrer Kundendaten mit Facebook-Profilen – ein Experiment, das Marketing-Experten vielleicht freut, aber Datenschützern Unbehagen bereitet.

Besonders wichtig ist das mobile Geschäft. Immer mehr Nutzer besuchen das Netzwerk per Smartphone oder Tablet und verzichten gleich auf den PC. Deswegen hat das Unternehmen die Produktentwicklung komplett umgestellt. Neue Funktionen sollen nicht mehr für iPhone und Co angepasst, sondern gezielt dafür entwickelt werden. „Mobile first“, lautet die Devise.

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Auch bei der Werbung: Einige neue Anzeigenformate sind speziell auf die mobilen Geräte zugeschnitten, andere werden für iPhone und Co angepasst. Das war bislang ein Problem: Auf den kleinen Bildschirmen ist es deutlich schwieriger, eine Botschaft zu verkaufen. Anleger befürchteten, dass Facebook deswegen seine Reichweite nicht ummünzen kann.

Kommentare (8)

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Ichbins

24.10.2012, 07:26 Uhr

Hundert Milliarden Nutzer - Schreiben hier mal wieder die Praktikanten?

Account gelöscht!

24.10.2012, 08:16 Uhr

"Erst mal gehe es darum, ein tolles Produkt zu bauen und möglichst viele Menschen zu erreichen, lautete stets seine Devise."

Nette Umschreibung für Datenmissbrauch.
Je mehr Nutzer das begreifen, um so mehr kann er sich noch so viele Werbeformen ausdenken.
Da gefällt mir ja fast "mein Haustier" noch besser.
Ist die Masche nicht ganz so offensichtlich - lol.
FB ist nur ein weiterer Stein mit dieser "Durchseuchung" des privaten Lebens Geschäfte zu machen.
Ein vergessener Klick und schon hat man die Hütte voller Vandalen. Kanns nicht sein, solche Dienste müssten als Viren gebrandmarkt werden, und auf den Index.

Stula

24.10.2012, 09:25 Uhr

Was Facebook braucht, ist kein neues Geschäftsmodell sondern neue Investoren. Facebook ist ein soziales Netzwerk in elektronischer Form, dass zu fünf Prozent aus wichtigen Informationen und zu 95 Prozent aus Belanglosigkeiten besteht. Ziel der ersten Investoren war es, das Ding an die Börse zu bringen und Kasse zu machen. Aber was Hänschen in der ersten DotCom-Blase nicht gelernt hat, lernt Hans nimmermehr. Aber nein - man dachte, Facebook hat das Rad neu erfunden. Selbst N-TV musste von der Erstnotierung live berichten. Zu verlockend schien es, dass der Kurs in die Höhe rauscht und alle Erstzeichner als Helden gefeiert werden könnten.

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