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03.07.2015

12:39 Uhr

Online-Putzdienst

Helpling übernimmt britischen Marktführer

Eine Putzhilfe online oder per App buchen – mit dem Zusammenschluss von Helpling und Hassle.com entsteht die größte Plattform dieser Art außerhalb der USA. Auch die Start-up-Schmiede Rocket Internet ist beteiligt.

Das Unternehmen wurde vor gut einem Jahr in Berlin gegründet. dpa

Putzhilfe-Vermittler Helpling

Das Unternehmen wurde vor gut einem Jahr in Berlin gegründet.

Berlin Das Berliner Start-up Helpling übernimmt den britischen Marktführer Hassle.com. Das teilte das Online-Portal zur Vermittlung von Putzhilfen am Freitag in Berlin mit. Die Höhe des Übernahmepreises wurde nicht bekannt. Durch den Zukauf seien Helpling und Hassle.com mit über 150.000 Kunden pro Monat die größte Plattform zur Online-Buchung von Putzkräften und haushaltsnahen Dienstleistungen außerhalb der USA.

Über Helpling und Hassle.com können Nutzer geprüfte und versicherte Reinigungskräfte online oder per App buchen und so Zeit für die meist aufwendige Suche einer Putzkraft sparen.

Hassle.com startete seinen Dienst 2012 in London und gilt als Pionier des Geschäftsmodells in Europa. Helpling ging vor gut einem Jahr in Berlin an den Start und expandierte seitdem in elf weitere Länder. In zwei Finanzierungsrunden nahm das deutsche Start-up insgesamt 56,5 Millionen Euro ein – unter anderem ist auch die Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet an Helpling beteiligt.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.



Von

afp

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