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21.05.2014

15:46 Uhr

Online-Videos

Komafernsehen statt Programmzeitung

VonChristof Kerkmann

Fernsehen, wann und wo man will: In Online-Videotheken Maxdome und Watchever gibt es Filme und Serien auf Knopfdruck. Jetzt kommt auch die US-Größe Netflix nach Deutschland – und könnte den Markt umkrempeln.

Der eigene Programmchef: Mit Diensten wie Netflix können Zuschauer Serien und Filme aus der Konserve gucken – wann sie wollen. ap

Der eigene Programmchef: Mit Diensten wie Netflix können Zuschauer Serien und Filme aus der Konserve gucken – wann sie wollen.

DüsseldorfDem Fernsehen, sagt Kevin Spacey, stehe ein neues, goldenes Zeitalter bevor. Nur hat das, was sich der Schauspieler vorstellt, nicht mehr viel mit den herkömmlichen Programmen zu tun: „Gebt den Leuten, was sie wollen, wann sie es wollen, in der Form in der sie es wollen, und zu einem vernünftigen Preis“, forderte er bei einer Preisverleihung im vergangenen Jahr. Spacey ist das Gesicht dieser Revolution: Er spielt die Hauptrolle in der Serie „House of Cards“, die der Online-Dienst Netflix in den USA exklusiv anbietet – wer will, kann alle Folgen an einem Wochenende gucken.

Fernsehen und Internet wachsen zusammen – und das auf allen Bildschirmen. Auch in immer mehr deutschen Wohnzimmern dürfte dieses neue Zeitalter bald anbrechen: Netflix wird im Laufe des Jahres hier und in einigen anderen europäischen Ländern an den Start gehen. Gemeinsam mit anderen Online-Videotheken wie Maxdome, Watchever und Sky Go könnte das US-Unternehmen die Gewohnheiten der Zuschauer verändern, weg von der Programmzeitung und dem Spielfilm ab 20.15 Uhr, hin zum „Binge Watching“, dem „Komafernsehen“, wie das Schauen von mehreren Serienfolgen hintereinander genannt wird.

In den USA gehört Netflix längst zum Alltag. 36 Millionen Haushalte nutzen den Dienst, Tendenz deutlich steigend. Zu Stoßzeiten machen die Videodateien 30 Prozent des Datenverkehrs aus. Im Land des Kabelfernsehens verwundert dieser Erfolg nicht: Mit einem Abopreis von nur neun Dollar im Monat ist Netflix mindestens eine passable Ergänzung zu den teuren Programmpaketen, für so manchen sogar eine Alternative.

Alles rund um Netflix

Alternative zu den Videotheken

Die Netflix-Gründer Reed Hastings und Marc Randolph wollte eine Alternative zu den Videotheken aufbauen. 1997 fingen sie an, DVDs online zu verleihen – ohne Säumnisgebühren, die viele Nutzer nervten. Später führte das Unternehmen eine Flatrate ein.

Online-Dienst als zweites Standbein

2007 führte das Unternehmen einen Online-Dienst ein, Nutzer konnten die Filme auch übers Internet streamen. Für dieses Nebenprodukt verlangt Netflix seit 2011 auch Geld – erst empörten sich die Nutzer darüber, dann arrangierten sie sich damit.

Den Vorlieben der Nutzer auf der Spur

Netflix hat einen Algorithmus entwickelt, um die Vorlieben der Nutzer genau erfassen und passende Genres vorschlagen zu können. Das Unternehmen wertet zudem aus, welche Serien und Filme besonders häufig illegal heruntergeladen werden.

Einladung zum „Binge Watching“

Der Online-Dienst bietet alle Folgen einer Serie auf einen Schlag an – wer will, kann beispielsweise ein ganzes Wochenende mit der neuen Staffel von „House of Cards“ verbringen. Experten sprechen vom „Binge Watching“, also einer Art „Koma-Gucken“.

Schlagzeilen mit Eigenproduktionen

Netflix bietet größtenteils bereits ausgestrahlte Filme und Serien an, bemüht sich aber verstärkt um Eigenproduktionen. Die bekannteste ist wohl die hochgelobte Politserie „House of Cards“ mit Schauspieler Kevin Spacey. Auch Anbieter wie Amazon gehen inzwischen diesen Weg.

Expansion jenseits der USA

Der Heimatmarkt ist nicht genug: Netflix expandiert seit einigen Jahren, der Dienst ist bereits in Kanada, Südamerika, Großbritannien und den Niederlanden verfügbar. 2014 kamen diverse Länder hinzu, darunter Deutschland.

In Deutschland spielen Online-Videotheken dagegen noch keine so große Rolle: 2013 lag der Erlös mit Video on Demand – also dem Abruf von Sendungen und Filmen –  bei knapp 103 Millionen Euro. Stationäre Videotheken samt Schmuddelecke setzten doppelt so viel um, auch illegale Portale erfreuten sich nach wie vor großer Beliebtheit. Allerdings wächst das digitale Geschäft kräftig, der Bundesverband Audiovisuelle Medien verzeichnet in seinem Jahresbericht (pdf-Datei) „deutliche Verschiebungen in Richtung Internet“.

Von diesem Trend will Netflix profitieren. Doch die Konkurrenz ist groß: Etliche Mitbewerber buhlen um die Serienfans und Filmliebhaber. Watchever etwa, Tochter des französischen Medienkonzerns Vivendi, ist seit Anfang 2013 mit seinem Abo-Dienst in Deutschland präsent, auch das Pro7Sat1-Angebot Maxdome hat inzwischen eine Flatrate. Der Pay-TV-Sender Sky vermarktet seit Dezember über den Ableger Sky Snap Filme und Serien aus der Konserve, Allesverkäufer Amazon hat ebenfalls einen Videoverleih, während Apple über iTunes Filme und Serien vermarktet.

Wie die Chancen des Herausforderers stehen, lässt sich derzeit kaum sagen. Denn einige wichtige Fragen hat das Unternehmen noch nicht beantwortet: Wann geht der Dienst an den Start? Wie viel soll er kosten? Und was bekommen Zuschauer geboten? Netflix hat zumindest das, was man auf dem umkämpften Markt braucht: gute Kontakte nach Hollywood, schlaue Technologie und viel Geld.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

21.05.2014, 15:58 Uhr

"Fernsehen, wann und wo man will"

Müsste es nicht besser heißen:

"Gehirnwäsche, wann und wo man will"?

Ich lebe seit ca. 4 Jahren ohne "TV-Manipulation" und kann es nur jedem empfählen!



Account gelöscht!

21.05.2014, 16:45 Uhr

am schönsten finde ich deine lebensfremden Serien, die doch das ach so freie Amerika vorgaukeln, der weil scheißt man sich schon ein, wenn man mal in der Öffentlichkeit ein Bier oder havanna raucht.
Schön sind auch die tollen Powerfrauen Aktion Movies in dem Sie gestanden Kerle von 3 Zentner mit einem Fausthieb 10 m weg haun.

Wer also nicht genug von VOX und PRO7 berieselt wird, schaltet bitte diesen Rotz ein und vergammelt seine wertvolle Lebenszeit.

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