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12.12.2013

15:47 Uhr

Online-Videothek von Sky

Film-Konserven für 9,90 Euro

VonChristof Kerkmann

Immer mehr Fernsehzuschauer wollen selbst bestimmen, was sie wann gucken. Darauf reagiert der Pay-TV-Sender Sky – mit der eigenen Online-Videothek Snap. Für das Unternehmen ist das allerdings ein riskanter Schritt.

Sky-Chef Brian Sullivan: „Auf gar keinen Fall das Geschäftsmodell zerstören“. dpa

Sky-Chef Brian Sullivan: „Auf gar keinen Fall das Geschäftsmodell zerstören“.

Düsseldorf„Alles auf Abruf, egal wann, wo und wie oft“: Mit diesem Werbeversprechen hat der Pay-TV-Sender Sky seine neue Online-Videothek Snap eröffnet. Seit dem heutigen Donnerstag stehen rund 4000 Filme und Serienfolgen online. Damit macht das Unternehmen Videoportalen wie Maxdome, Watchever und Lovefilm Konkurrenz – und kommt womöglich dem erfolgreichen US-Dienst Netflix zuvor, der 2014 in Deutschland an den Start gehen könnte. Doch der Sky-Slogan stimmt nur zum Teil.

Das Unternehmen steht mit dem neuen Angebot vor einer Gratwanderung. Es soll einerseits so attraktiv sein, dass die Nutzer dafür monatlich 9,90 Euro lockermachen (Sky-Kunden zahlen 4,90 Euro). Andererseits darf es den eigenen, teuren Pay-TV-Kanälen keine Abonnenten abspenstig machen. Diese zahlen mindestens 25 Euro im Monat, teils noch mehr, etwa wenn sie Bundesliga-Spiele live sehen wollen.

„Unterhaltung in neuer Dimension“: Großspurige Werbung für die Online-Videothek.

„Unterhaltung in neuer Dimension“: Großspurige Werbung für die Online-Videothek.

In der Konzernzentrale in Unterföhring ist man sich des Problems bewusst. „Auf gar keinen Fall werden wir ein Geschäftsmodell zerstören, das wir jetzt sechs Jahre lang repariert haben und das 20 Jahre lang nicht funktioniert hat“, sagte Firmenchef Brian Sullivan der „Süddeutschen Zeitung“. Er spielt darauf an, dass Bezahlfernsehen in Deutschland lange nicht funktionierte und der deutsche Sky-Ableger sich erst jetzt in die schwarzen Zahlen arbeitet.

Das Werbeversprechen „alles“ gilt daher nur beschränkt. Denn bei Snap sind größtenteils Konserven im Angebot, die nicht mehr auf den Pay-TV-Kanälen laufen: der erste Teil von „Hangover“ und „Iron Man 2“, die „Sopranos“ und die erste Staffel „Boardwalk Empire“. Also weder Blockbuster, die gerade frisch aus den Kinos kommen, noch aktuelle Serien, über die die Welt redet. Abheben soll sich die Sky-Videothek durch Produktionen von HBO und Kindersendungen von Disney. Sport, sonst ein Markenzeichen von Sky, fehlt.

Marktanteile der TV-Sender

Platz 1: ZDF

Das ZDF hatte 2013 einen Marktanteil von 12,8 Prozent.

Platz 2: ARD

Die ARD kommt auf 12 Prozent Marktanteil, bei der jungen Zielgruppe erreicht der Senderverbund eine Einschaltquote von 6,3 Prozent.

Platz 3: RTL

RTL hat mit einem Marktanteil von 10,4 Prozent insgesamt weniger Reichweite als ARD und ZDF, liegt aber bei den jungen Zuschauern mit 13,3 Prozent vorn.

Platz 3: Sat 1

Sat 1 hat 8,3 Prozent Marktanteil, bei den 14- bis 49-Jährigen mit 9,2 Prozent etwas mehr.

Platz 4: Pro Sieben

Ähnlich wie RTL ist Pro Sieben vor allem bei den jüngeren Zuschauern beliebt: 5,5 Prozent Marktanteil insgesamt, 11,2 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.

Platz 5: Vox

Vox hat 5,3 Prozent Marktanteil (7,3 Prozent bei den Jüngeren). Der Sender gehört zur RTL-Gruppe.

Das Programm ist nicht unattraktiv, aber auch nur bedingt exklusiv. „Die Must-Haves werden über die Pay-TV-Kanäle verkauft“, sagt der Medienökonom Armin Rott von der Universität Hamburg. Damit dürfte es jedoch schwer werden, sich von Konkurrenten wie Maxdome, Watchever und Lovefilm abzuheben; oder eines Tages auch dem US-Dienst Netflix, der nach Einschätzung von Branchen-Insidern 2014 einen deutschen Ableger eröffnet.

Zumal die Ableger von Pro Sieben Sat.1, Vivendi und Amazon günstiger sind: Bei ihnen kostet die Flatrate 7,99 bzw. 8,99 Euro. Netflix verlangt in den Niederlanden ebenfalls 7,99 Euro und dürfte hierzulande auf einem ähnlichen Preisniveau liegen. Immerhin hilft der Markenname bei der Vermarktung: „Sky steht für Bezahlinhalte – das muss man den Nutzern nicht lange erklären“, sagt Rott. Gleichzeitig könne Snap als Einstiegsangebot die Nutzer daran gewöhnen, dass Fernsehen Geld kostet – „allerdings in geringer Höhe“.

Auch die Reichweite ist anfangs begrenzt. Die Videos lassen sich zwar über den Browser und auf dem iPad ansehen, doch es ist umständlich, diese Bilder auf den Fernseher zu übertragen. Bislang gibt es nur eine App für Smart-TVs von Samsung, weitere Plattformen sollen aber folgen.

Womöglich kommt Snap aber gerade rechtzeitig, um vom Boom der Online-Videotheken zu profitieren. Deutschland ist in Sachen Video-on-Demand zwar noch ein Entwicklungsland. Der Umsatz mit Videos auf Abruf betrug 2012 nur 124 Millionen Euro, wie die Berliner Marktforschungsfirma House of Research ermittelt hat. Die Experten erwarten, dass das Format rasant an Popularität gewinnt und die Anbieter 2017 mindestens 437 Millionen Euro erlösen, nicht zuletzt dank des wachsenden Angebots.

Die nötige Infrastruktur, um die Filme zu übertragen, hat Sky bereits: Abonnenten können mit „Sky Go“ Sendungen auf dem Smartphone, Tablet-Computer oder Notebook anschauen. Die Datenpakete schickt der Pay-TV-Sender übers Internet, wie jetzt auch mit Snap.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

12.12.2013, 16:43 Uhr

Da steht zwar kostenlos testen, aber das Erste was sie wollen sind die Kontodaten. Wenn man nicht aufpasst, wird einfach abgebucht.

T-G-K

12.12.2013, 18:43 Uhr

Pay-TV funktioniert nach wie vor nicht wirklich in Deutschland. Nur wegen der Live-Übertragung der Ball-Treterei wird Sky überhaupt so zahlreich gebucht. [...]

Pay-TV wird in Deutschland nach wie durch die deutsche TV-Steuer behindert. Müsste man die monatlichen 17,98 Euro nicht berappen, würden sicherlich nicht wenige Leute den einen oder anderen Bezahl-Sender ordern.

TV-Steuer, Kabel-Gebühr, Sky, HD-Optionen und diverse Geräte - alles zusammen verschlingt einfach zu viel Geld für praktisch nix.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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