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09.03.2014

16:23 Uhr

Optimistische Prognose

IT-Branche will Tausende neue Jobs schaffen

Zum Auftakt der Cebit macht Bitkom-Chef Kempf der IT-Branche Mut. Nach einem Minusjahr sollen die Umsätze wieder steigen und mindestens 10.000 Jobs geschaffen werden. Der „große Renner“ seien weiterhin Smartphones.

Cebit-Mitarbeiterin mit Smartphone: Mehr Wachstum im neuen Jahr. dpa

Cebit-Mitarbeiterin mit Smartphone: Mehr Wachstum im neuen Jahr.

HannoverMehr Wachstum, mehr Jobs und mehr Verbrauchervertrauen will die deutsche IT-Branche in diesem Jahr erreichen. Der Branchenverband Bitkom rechnet mit einem Umsatzplus von fast zwei Prozent und mindestens 10.000 Arbeitsplätzen zusätzlich, wie sein Präsident Dieter Kempf am Sonntag zum Auftakt der Computermesse Cebit in Hannover sagte. Im Lichte von Spionage- und Datenklau-Affären mahnte er zum vorsichtigen Umgang mit großen Datenmengen.

Im vergangenen Jahr war die IT- und Telekommunikationsbranche laut Bitkom um 0,5 Prozent geschrumpft. In diesem Jahr soll der Umsatz um 1,7 Prozent auf 153,4 Milliarden Euro zulegen. Allerdings verteilt sich dies ungleichmäßig: Der Umsatz mit Telekommunikationsdiensten wird laut Bitkom weiter schrumpfen, deutlich wachsen soll hingegen der Umsatz mit Software und Smartphones. Erholen dürfte sich auch die Unterhaltungselektronik, nicht zuletzt dank der Fußball-Weltmeisterschaft. Denn bei großen Sportereignissen schaffen sich Verbraucher besonders gern neue Fernseher an, wie Kempf sagte.

Im weltweiten Vergleich fällt der Ausblick allerdings recht moderat aus. Die globale IT- und Telekommunikationswirtschaft wird 2014 laut Bitkom um 4,5 Prozent wachsen, allein in China werden es demnach rund elf Prozent sein. Deutschland stehe zwar mit einem weltweiten Marktanteil von 4,1 Prozent gut da, drohe aber zurückzufallen, mahnte Kempf.

Die Cebit wird nach den Eröffnungsfeierlichkeiten am Sonntagabend am Montagmorgen ihre Tore für Besucher öffnen. Im Mittelpunkt steht das Schlagwort „Datability“ - darunter fällt die Nutzung großer Datenmengen, aber auch ihr Schutz. Nach Angaben von Cebit-Chef Oliver Frese befassen sich mehr als 500 der rund 3400 Cebit-Aussteller aus 70 Ländern mit Fragen der IT-Sicherheit.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Kempf betonte, die Branche müsse den „Spagat“ zwischen Datennutzung und Datenschutz beherrschen. Ständig wachsende Datenmengen böten enormes wirtschaftliches Potenzial.

Die Diskussion über Missbrauch und unerwünschten Zugriff auf persönliche Daten war insbesondere von den Enthüllungen über weltumspannende Spionageaktivitäten des US-Geheimdienstes NSA und anderer Dienste entbrannt. Fast 60 Prozent der Verbraucher sagten in einer Bitkom-Umfrage, die NSA-Affäre habe ihre Haltung zur Datenverarbeitung negativ beeinflusst. Hacker-Attacken wie der Diebstahl von rund 16 Millionen Login-Daten für E-Mail-Konten und Angriffe auf Internet-Router taten ihr Übriges, um Datenschutzbedenken zu fördern.

Unternehmen müssten deshalb dafür sorgen, dass Kunden sich leicht über die Speicherung und Nutzung ihrer Daten informieren können, sagte Kempf. Jede Firma wolle am Ende gute Geschäfte machen und müsse deshalb die Erwartungen der Kunden berücksichtigen. Zugleich empfahl der Bitkom-Präsident den Verbrauchen „Datensparsamkeit“.

Auch Cebit-Chef Frese sagte, es lasse sich nicht über „Big Data“ diskutieren, ohne die Frage der Sicherheit zu stellen. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass die intelligente Nutzung großer Datenmengen für die Allgemeinheit vorteilhaft sein könne, zum Beispiel bei der Verkehrsanalyse oder der Suche nach geeigneten Krebstherapien. „Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts.“

Von

afp

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