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24.04.2014

04:11 Uhr

Pakt zwischen Großaktionären

Carlos Slim mehrt seinen Einfluss bei Telekom Austria

Mehr als die Hälfte der Anteile an Telekom Austria gehören ÖIAG und Carlos Slim. Dürfen sie sich zusammentun? Belegschaftsvertreter bei ÖIAG stellten die Entscheidung auf die Kippe - doch ihr Plan ging nicht auf.

Ringen um die Kontrolle bei der Telekom Austria: Belegschaftsvertreter bei Großaktionär ÖIAG wollten den Pakt mit Carlos Slim nicht abfahren lassen. Reuters

Ringen um die Kontrolle bei der Telekom Austria: Belegschaftsvertreter bei Großaktionär ÖIAG wollten den Pakt mit Carlos Slim nicht abfahren lassen.

WienDer mexikanische Milliardär Carlos Slim treibt seine Expansionspläne in Europa voran. Über seinen Mobilfunkkonzern America Movil kontrolliert er künftig gemeinsam mit dem staatlichen Großaktionär die Telekom Austria. Das Unternehmen habe mit der Staatsholding ÖIAG einen sogenannten Syndikatsvertrag geschlossen, teilte América Móvil am Mittwoch mit.

Damit sprechen die beiden Großaktionäre künftig mit einer Stimme. Bestandteil der Einigung ist eine Kapitalerhöhung um eine Milliarde Euro. Die Partner bündeln ihre Telekom-Anteile zu einem gemeinsamen Paket von mehr als 55 Prozent und sprechen sich bei wichtigen strategischen Entscheidungen ab.

Derzeit hält der Staat 28,4 Prozent der Aktien, Slim 26,8 Prozent. Das könnte sich bald ändern: Sie müssen nun den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot unterbreiten. America Movil teilte mit, man biete 7,15 Euro je Telekom-Aktie. Der Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate liegt bei 6,46 Euro je Aktie.

Die österreichische Politik und die Telekom Austria begrüßten die seit Wochen erwartete Einigung. Die Arbeitnehmervertreter waren mit dem Vertrag jedoch nicht zufrieden. Sie hatten aus Protest eine entscheidende Aufsichtsratsitzung der ÖIAG boykottiert und damit beinahe das erwartete grüne Licht des Kontrollgremiums verhindert.

Milliardäre: Wer ist Carlos Slim?

Reichster Mann

Forbes taxiert sein Vermögen auf 69 Milliarden Dollar, Bloomberg schätzt es Ende 2012 auf 75 Milliarden Dollar.

Lebensstil

Slim gilt nicht als extravagant. Er trägt Anzüge von der Stange, am liebsten aus seinen Kaufhäusern. Er soll nicht mal einen Computer haben. Lieber schreibt er in schwarze Notizbücher.

Grundsätze

Zwei Grundsätze hat er von seinem Vater übernommen: "Geld, das das Unternehmen verlässt, verdunstet." Und: „Die Familie ist das Wichtigste.“

Holding

Seine Holding nennt er auch "Carso". Das Wort ist gebildet aus den ersten Silben seines Vornamens und des Vornamens seiner verstorbenen Frau Soumaya. An die Spitze seiner Firmen setzt er am liebsten Verwandte oder Libanesen.

Investor

Sein Geld steckt er am liebsten in Firmen, die er günstig erwirbt, aufmöbelt und sie dann in florierende Unternehmen verwandelt. "Er hat einen unvergleichlichen Riecher für Geschäfte und Schnäppchen", sagt Rogelio Ramirez de la O, Chef der Investmentberatungsgesellschaft Ecanal.

Fußballfan

Über seine Holding "Carso" erwarb er 35 Prozent der Anteile am nordspanischen Fußballklub Real Oviedo und rettete den Traditionsverein damit vor dem Konkurs. Zwei Millionen Dollar ließ sich Slim die Kapitalspritze kosten. Er wolle den Klub von seinen "besonderen und schwierigen" Problemen befreien, ließ Slim erklären.

Wurzeln

Der 72 Jahre alte Unternehmer hat libanesische Wurzeln.

Aufstieg

Seit den neunziger Jahren hat er ein Firmenimperium aufgebaut, das auf einem Fernmeldemonopol fußt. Es gibt heute kaum eine Branche der mexikanischen Wirtschaft, in der er nicht Aktien hätte.

Geldmeister

Die Mexikaner schlafen in Betten aus Slim-Kaufhäusern. Für das Internet nutzen sie seinen Provider. Sie gehen in den Restaurants seiner Ketten essen. CDs, Konzertkarten, Billigflieger, Krankenhäuser - immer verdient Slim. Selbst das Geld dafür kommt oft aus seinen Geldautomaten. Carlos Slim baut Häuser und Autobahnen, er schürft nach Silber und Kupfer. Er ist der Geldmeister von Mexiko. Ihm gehören große Teile des Landes.

America-Movil-Chef Daniel Hajj versprach, den Wachstumskurs der Telekom zu unterstützen. Die Einigung mit der ÖIAG sei Grundlage für weitere Investitionen in das Unternehmen. Beide Partner hätten sich darauf verständigt, eine Kapitalerhöhung im Umfang von einer Milliarde Euro bei der Telekom zu unterstützen.

Mit dem Schritt, der erst noch von der Hauptversammlung Ende Mai genehmigt werden muss, will das Unternehmen seine dünne Kapitaldecke aufpolstern und sich für weitere Übernahmen in Südosteuropa rüsten. Hajj sagte, der Pakt mit der ÖIAG werde "dazu beitragen, die Telekom Austria besser als relevanteren Spieler im europäischen Telekommunikationsmarkt zu positionieren und sie in die Lage versetzen, von Wachstumsmöglichkeiten in der Region zu profitieren."

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