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30.01.2014

18:31 Uhr

Paper-Premiere

Facebook veröffentlicht eigene Nachrichten-App

Das soziale Netzwerk dringt in den Nachrichtenmarkt vor und nimmt den Kampf gegen Flipboard und Co. auf. Die neue App „Paper“ wird am 3. Februar veröffentlicht – zunächst aber nur für iOS und nur in den USA.

Das soziale Netzwerk Facebook steht in den USA kurz vor dem Einstieg in den App-Markt. Ab dem 3. Februar soll eine eigene Nachrichten-App unter dem Namen „Paper“ verfügbar sein, meldet das Unternehmen – zunächst allerdings nur für Apples mobiles Betriebssystem iOS. Das Programm soll, ähnlich wie die bereits etablierten Apps Flipboard oder Googles Currents, personalisierte Nachrichten schnell und einfach in Bildform darstellen.

Inhalte für Facebook Paper sollen Verlage liefern, Blogs, Facebook selber, aber auch Nutzer selbst sollen in der Lage sein, mit der App eigene Inhalte zu erstellen und zu teilen. Die Darstellung konzentriert sich dabei auf Bilder und Videos, dazu lassen sich auch Texte einbinden. Ersten Bildern zufolge unterscheidet sich „Paper“ stark von der aktuellen Facebook-App für Mobilgeräte. Auffällig ist der fast vollständige Verzicht auf Schaltflächen bei gleichzeitiger Nutzung von Gestensteuerung. Auch neue Veröffentlichungsformen für Bilder sollen möglich sein. So sind etwa großformatige Fotos zu sehen, die der Nutzer mittels Schwenkbewegungen „erkunden“ kann. Dem Vernehmen nach soll das Programm zunächst werbefrei sein.

Facebook in Zahlen

Transparenz dank Börsengang

Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

Schon früh profitabel

In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

Werbung als wichtigste Geldquelle

Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

Beispielloses Wachstum

Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

Zuckerberg hat die Kontrolle

Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

Dominant in aller Welt

Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

Keine Chance für StudiVZ

Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Riese Datenmengen

Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Die Veröffentlichung einer eigenen Nachrichten-App setzt einen kleinen Trend innerhalb des Netzwerks fort. Vergangenes Jahr hatte Facebook bereits erklärt, seinen Newsfeed-Algorithmus insofern zu verändern, dass er tatsächliche Nachrichten stärker gewichtet als Katzenbilder oder sonstige Internet-Memes. Paper ist außerdem das erste Produkt aus den Creative Labs der Kalifornier. Konzeption und Entwicklung sollen rund neun Monate gedauert haben.

Bei mehr als 1,2 Milliarden Nutzern weltweit dürfte es etwas dauern, bis die neue App in allen Ländern und für alle Plattformen verfügbar ist. Entsprechend gibt es auch noch kein Veröffentlichungsdatum für Deutschland. Nach bislang eher enttäuschenden Eigenentwicklungen wie Facebook Home, Facebook Camera oder einem Snapchat-Klon namens „Poke“ (Anstupsen), ist „Paper“ nun einer neuer Versuch, Nutzer auch jenseits der häufig kritisierten Facebook-Mobilanwendung zu binden. Gegenüber der Nachrichtenseite „The Verge“ wollten sich die Entwickler allerdings nicht dazu äußern, ob oder wie Paper in Zukunft ein Ersatz für die aktuelle Mobilversion des sozialen Netzwerks sein könnte.

Von

tsn

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