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12.10.2012

16:54 Uhr

Patent-Scharmützel mit Samsung

Apple verkämpft sich vor Gericht

VonChristof Kerkmann

Apple gegen Samsung, die nächste: Die beiden Smartphone-Rivalen schenken sich in ihrem Patentstreit nichts. Doch nach einer Gerichtsentscheidung stellt sich die Frage: Wie sinnvoll sind die juristischen Scharmützel?

Samsung: Apple, zieh Dich warm an

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DüsseldorfAuf den ersten Blick sieht es so aus, als habe Apple nur ein kleines Scharmützel im großen Patentkrieg gegen Samsung verloren. Der koreanische Rivale darf ein älteres Smartphone-Modell nun doch wieder in den USA anbieten, weil ein Berufsgericht in Washington ein vorläufiges Verkaufsverbot aufgehoben hat. Doch obwohl das nur wenige Nutzer davon abhalten dürfte, sich ein iPhone zuzulegen, verlor die Apple-Aktie nach der Entscheidung zunächst deutlich. Denn das Verfahren zeigt, wie mühsam es für den iKonzern ist, sich juristisch gegen die wachsende Konkurrenz zu schützen.

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Im aktuellen Verfahren geht es um Gerät, für das Käufer sicher nicht mehr Schlange stehen: das Galaxy Nexus, seit Herbst 2011 im Handel. Samsung hat seitdem bereits etliche neue Geräte auf den Markt gebracht, darunter das neue Flaggschiff Galaxy S3. 20 Millionen Stück hat der Konzern in den den ersten drei Monaten verkauft. Am Donnerstag stellte er außerdem das Galaxy S3 Mini vor, eine abgespeckte Variante. Er könnte locker auf das Galaxy Nexus verzichten, ohne dass es ihm die Bilanz verhagelt. „Samsung ist breit aufgestellt, das große Portfolio ist ein Pfund im Wettbewerb gegen Apple“, sagt Rüdiger Spies, Analyst beim IT-Marktforschungsunternehmen IDC.

Die Geschichte von Samsung

Konzern mit langer Geschichte

Smartphones, Fernseher, Computer, Kameras, und und und: Samsung ist einer der größten Elektronikhersteller der Welt. Die Geschichte des südkoreanischen Mischkonzerns begann Ende der 30er Jahre.

Trockennahrung und Getreidemühlen

Den Grundstein des Konzerns legte der Südkoreaner Lee Byung Chul bereits 1938 mit gerade einmal 25 US-Dollar in der Tasche. Er verkaufte Trockennahrung nach China. Nur ein Jahrzehnt später hatte sein anfangs kleines Unternehmen bereits eigene Getreidemühlen und Maschinen zur Herstellung von Konfekt.

Umzug im Korea-Krieg

Während des Koreakrieges (1950-53) musste Lee Byung Chul die Hauptstadt Seoul verlassen, in Busan eröffnete er eine Zuckerraffinerie. Nach dem Krieg gründete er auch eine Textilienfirma und baute eine Fabrik.

Lebensversicherungen

1963 kauft das Unternehmen die Dongbang Lebensversicherungen auf und macht sie zur heutigen Samsung Lebensversicherung. Die Tochtergesellschaft ist größter Versicherer in Südkorea.

Fernseher und Kühlschränke

Ende der 1960er Jahre fängt Samsung an, Elektronik zu produzieren. So kommt 1970 ein Schwarz-Weiß-Fernseher auf den Markt. Vier Jahre später erweitert der Konzern seine Palette um Waschmaschinen und Kühlschränke.

Telekommunikationsausrüstung

1980 übernahm Samsung einen Hersteller von Telekommunikationsausrüstung – die Grundlage für das heutige Handygeschäft.

Generationswechsel und Umstrukturierung

Nach dem Tod von Firmengründer Lee Byung Chul 1987 übernimmt dessen Sohn Lee Kun Hee die Geschäfte. Er teilte den Konzern in vier Gruppen, darunter die heute so bekannte Elektroniksparte.

Autotelefone und Smartphones

In den 1980er Jahren brachte Samsung erste Autotelefone heraus. In den 1990er Jahren verkaufte der Konzern Handys, seit den 2000er Jahren auch Smartphones. Inzwischen ist Samsung der größte Anbieter in diesem Segment, noch vor Apple und Nokia.

Tablet-Computer und intelligente Uhren

Apple hat mit dem iPad den Tablet-Markt geschaffen, Samsung macht dem kalifornischen Konzern mit seinen Galaxy-Tab-Geräten aber inzwischen enorm Konkurrenz. Außerdem hat der südkoreanische Hersteller mit der Galaxy Gear eine Smartwatch herausgebracht.

Im aktuellen Streit geht es aber nicht um ein Produkt, sondern mehr: Er ist Teil eines weltweiten Patentkrieges, den die Hersteller von Smartphones und Tablet-Computern ausfechten. Es geht um Marktanteile und Milliardenumsätze, gerade bei Apple und Samsung. Der eine hat das Smartphone in seiner heutigen Form erfunden und zum Lifestyle-Produkt gemacht; der andere den Markt aufgerollt. Allein die beiden Konzerne streiten sich in rund 50 Verfahren.

Der vor einem Jahr verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs hatte die Auseinandersetzung mit Samsung und anderen Herstellern in Gang gesetzt, weil er Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android für abgekupfert hielt. Das Android-Lager konterte mit Gegenklagen; so geht Samsung wegen der Mobilfunktechnologie LTE gegen das kürzlich vorgestellte iPhone 5 vor.

Kommentare (6)

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sailing

12.10.2012, 14:35 Uhr

Juristen und "Markt" dass paßt nicht zusammen. Sobald Juristen eingesetzt werden entstehen Kosten, die entweder vom Hersteller oder vom Kunden getragen werden müssen. Somit sind jursitische Auseinandersetzungen auf diesem Niveau volkswirtschaftlich "schädlich".
Wenn man aufgrund der gegebenen Situation Gerichte bemüht, dann versucht man nur Wettbewerb zu vermeiden, d.h. man hat Angst Marktanteile zu verlieren.
Diese Angst Apple) verwundert ein bißchen, da sie die einzigen sind die ein integriertes Konzept entwickelt haben (Produkt + SW + Marke).

Account gelöscht!

12.10.2012, 15:09 Uhr

Juristen sind immer schwierig. Wenn die einen Vertrag entwerfen, weiß man kaum noch, was da eigentlich verkauft wird. Und verstehen tun sie von dem Job insgesamt kaum was. 2 Juristen, 3 Meinungen. Sogar vor Gericht. Alles Studierte Richter. Nächste Instanz. Urteil kassiert. Da sind Autoschlosser deutlich bessere Fachleute. Wenn einer feststellt: Bremse kaputt, dann stimmt das (meist).

Lerchenzunge

12.10.2012, 17:07 Uhr

Es geht schlicht darum, dass dreistes kopieren/plagiieren sich nicht lohnen darf.

Und alle 'Runde-Ecken-darf-man-nicht-patentieren' Fetischisten sollten anstatt stumpf die Argumentation von Samsung zu wiederholen, einfach mal genauer hinsehen. Sie würden dann auf den ersten Blick erkenne, dass Samsung nahezu das gesamte Aussehen dreist kopiert hat.

Esist doch auffällig, dass Samsungs Smartphones kurz nach der Veröffentlichung des iPhone diesem 1:1 ähnelten, die Android Smartphones anderer Hersteller aber sich sehr wohl vom iPhone unterschieden.

Im Zuge des Verfahrens wurde deutlich, dass dieses bewusst getan wurde und vom Management gewollt war. Sogar Google als Android Hersteller hat rechtzeitig auf eine zu große Ähnlichkeit und mögliche rechtliche Konsequenzen hingewiesen, was vom Samsung Management ignoriert wurde. Da Apple bei ihnen der größte Kunde war, wähnte man sich sicher. Pech gehabt, Jungs.

Frech kommt nicht immer weiter, und die Strafe kann nicht groß genug sein. Da es um vorsätzliches Plagiieren handelt, wünsche ich mir eine Verdreifachung der 1 Mrd. USD Strafe. Das würde zumindest etwas schmerzen, und das Samsung Management müsste sich vor den Aktionären verantworten.

Sonste kopiert Samsung demnächst einfach weiter.

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