Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2014

10:57 Uhr

Patentverstöße

Vermittler soll im Samsung-Apple-Zank helfen

Bisherige Treffen der Firmenchefs von Apple und Samsung waren wenig harmonisch. Doch kurz vor dem nächsten Gespräch Mitte Januar ist die Kampfeslust beider Firmen geringer – der Patentstreit ist jedoch noch nicht durch.

Lass uns reden: Bisher hat dieses Motto bei den Patentstreitigkeiten um Modellen und Funktionen der Smartphone- und Tablet-Hersteller Samsung und Apple nicht gefruchtet. Vielleicht ja diesmal. Reuters

Lass uns reden: Bisher hat dieses Motto bei den Patentstreitigkeiten um Modellen und Funktionen der Smartphone- und Tablet-Hersteller Samsung und Apple nicht gefruchtet. Vielleicht ja diesmal.

San JoseApple und Samsung machen einen neuen Anlauf zur Lösung ihres festgefahrenen Patentstreits. Nach der Aufforderung eines kalifornischen Gerichts werde es bis zum 19. Februar ein Treffen der Firmenchefs Tim Cook und Oh-Hyun Kwon geben, teilten die Unternehmen am Mittwoch (Ortszeit) in einem Gerichtspapier mit. Sie hätten sich darauf geeinigt, einen Vermittler einzuschalten.

Apple und Samsung führen seit Frühjahr 2011 einen regelrechten Patentkrieg mit über 50 Klagen in rund einem Dutzend Länder. Erst sah Apple die Technik und das Design von iPhone und iPad-Tablet kopiert. Daraufhin konterte Samsung mit eigenen Vorwürfen, die sich vor allem auf technische Patente bezogen.

Zwei vorherige vom Gericht angeordnete Gesprächsrunden waren 2012 erfolglos geblieben. Im März soll ein zweiter großer Patentprozess in Kalifornien beginnen. Im ersten Verfahren hatte Apple von Geschworenen Schadenersatz von zuletzt nahezu einer Milliarde Dollar zugesprochen bekommen, Samsung geht aber noch weiter dagegen vor.

Der Elan beider Seiten in dem Konflikt hatte zuletzt merklich nachgelassen. Die Zeit, in der nahezu wöchentlich neue Klagen bekanntwurden, ist lange vorbei. Apple musste feststellen, dass es zwar gelingen kann, eine Änderung des Aussehens, den Verzicht auf eigene Funktionen oder eine hohe Zahlung zu erreichen - Samsung ist aber trotzdem mit Abstand die Nummer eins im Smartphone-Markt. Und die Südkoreaner bekamen Ärger mit Regulierern, weil sie Verkaufsverbote auf Grundlage von Patenten zu technischen Standards erreichen wollten.

Der globale Smartphone-Markt

Gesamtmarkt

Von Juli bis September 2013 wurden nach Zahlen des Marktforschers Gartner weltweit etwa 456 Millionen Mobiltelefone verkauft, knapp 5,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon waren 250 Millionen Smartphones – damit verkauften die Hersteller mehr Handy-Computer (55 Prozent) als einfache Mobiltelefone.

Platz 5

Auf Rang fünf vorgeschoben hat sich der chinesische Hersteller Huawei. Im zweiten Quartal 2013 hatten den Rang noch der Konkurent ZTE belegt. Huawei verkaufte 11,7 Millionen Smartphones (Marktanteil 4,7 Prozent).

Platz 4

Der südkoreanische Hersteller LG Electronics verkaufte 12,1 Millionen Smartphones, der Markanteil liegt bei 4,8 Prozent. Einschließlich einfacher Mobiltelefone verkaufte LG 18 Millionen Geräte (4,0 Prozent Marktanteil).

Platz 3

Lenovo ist bislang vor allem vom chinesischen Heimatmarkt abhängig. Der Konzern verkaufte von Juli bis September 2013 12,8 Millionen Smartphones (5,1 Prozent globaler Marktanteil).

Platz 2

Apple war im dritten Quartal 2013 mit etwas mehr als 30 Millionen verkauften iPhones die Nummer zwei, der Marktanteil bei Smartphones rutschte jedoch in Erwartung neuer Modelle von 14,3 Prozent im Vorjahreszeitraum auf rund 12,1 Prozent ab.

Platz 1

Nach Stückzahlen ist Samsung die unangefochtene Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern. Die Südkoreaner verkauften im dritten Quartal 2013 nach Schätzungen Gartners über 80 Millionen Computer-Handys. Damit kam nahezu jedes dritte weltweit verkaufte Smartphone von Samsung. Insgesamt setzte der Konzern 117 Millionen Handys ab und baute seinen Marktanteil damit von 22,7 Prozent im Vorjahr auf 25,7 Prozent aus.

Kommen die Unternehmen jetzt zu einer Einigung, könnten sie sich einen weiteren langwierigen und teuren Prozess ersparen, bei dem es auch um die neueren Smartphone- und Tablet-Modelle geht. Richterin Lucy Koh, die im November das Vermittlungsgespräch gefordert hatte, käme das recht. Sie hatte bereits im ersten Verfahren immer wieder deutlich gemacht, dass sie eine friedliche Lösung bevorzugen würde.

Apple-Chef Cook hatte schon einmal fallengelassen, er hasse Patentklagen. Zugleich blieb er im Streit mit Samsung hart. Zuletzt hatte Apple in dem ersten kalifornischen Verfahren vor kurzem erneut ein Verkaufsverbot für mehr als 20 Samsung-Geräte beantragt.

Dem geplanten Spitzentreffen gingen Verhandlungen ranghoher Juristen der beiden Unternehmen am vergangenen Montag voraus, wie aus dem Gerichtsdokument hervorgeht. Dabei sei über Möglichkeiten einer Beilegung des Streits gesprochen worden, hieß es. Der ausgesuchte Vermittler habe Erfahrung mit Konflikten in dieser Größenordnung.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×