Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.04.2015

12:16 Uhr

Pay-TV

Vivendi wirft ein Auge auf Sky

Vivendi püft laut einem Bericht eine Übernahme des britischen Bezahlsenders Sky. Der französische Medienkonzern könnte so seine eigene Fernsehgruppe Canal Plus zu einer europaweiten Pay-TV-Größe ausbauen.

Der Unternehmer entscheidet über den Wachstumskurs des Medienkonzerns. ap

Vvendi-Aufsichtsratschef Vincent Bolloré

Der Unternehmer entscheidet über den Wachstumskurs des Medienkonzerns.

LondonDer französische Medienkonzern Vivendi liebäugelt Insidern zufolge mit einer Übernahme des britischen Bezahlsenders Sky. Mit einem Kauf der Muttergesellschaft von Sky Deutschland könnte das Pariser Unternehmen seine eigene Fernsehgruppe Canal Plus zu einer europaweiten Pay-TV-Größe ausbauen. Eine solche Expansion dürfte Vivendi bis zu 28 Milliarden Pfund (gut 38 Milliarden Euro) kosten, sagten drei Personen, die mit den nach ihren Angaben allerdings noch nicht weit gediehenen Überlegungen vertraut sind, der Nachrichtenagentur Reuters.

Eine Fusion brächte zwei mächtige Manager zusammen: Rupert Murdochs Twenty-First Century Fox ist Haupteigner von Sky, bei Vivendi hat der französische Großunternehmer Vincent Bolloré das Sagen.

Erst im vergangenen Jahr erreichte Murdoch sein seit langem verfolgtes Ziel, seine europäischen Fernsehgeschäfte in einem Unternehmen zusammenzufassen: Großbritanniens Pay-TV-Primus BSkyB kaufte den überwiegenden Teil von Sky Deutschland und Sky Italien. Die unter dem Namen Sky vereinte Gruppe betreibt auch Sender in Irland und Österreich und soll neue Wachstumsmärkte erschließen. Beobachter sahen schon damals den Zusammenschluss als Vorbereitung für einen späteren Verkauf. Sky hat den Insidern zufolge einen Marktwert von 17,6 Milliarden Pfund, der Preis könne inklusive Schulden aber deutlich steigen.

Das Imperium des Rupert Murdoch

Geerbtes Unternehmen

Rupert Murdoch kam 1931 in Australien zur Welt. Das Unternehmertum liegt in der Familie: Sein Vater kaufte sich in die Zeitungskette News Limited ein, Sohn Rupert erbte sie 1952 – und baute sie zu einem Medienimperium aus, zu dem heute neben den Zeitungen in aller Herren Länder auch der Buchverlag Harper Collins, Internetbeteiligungen, Fernsehsender und mit „20th Century Fox“ ein legendäres Hollywood-Studio gehören.

Von der „Sun“ bis zum „Wall Street Journal“

Begonnen hat alles mit der Zeitung „The News“ aus dem australischen Adelaide, die der damals Anfang 20-jährige Rupert von seinem Vater übernahm. Später verleibte sich Murdoch in Großbritannien die renommierte Londoner „Times“ ein, außerdem das Massenblatt „Sun“. Die britische Sonntagszeitung „News of the World“ stampfte Murdoch nach einem Abhörskandal kurzerhand ein. Im Jahr 2007 landete Murdoch einen seiner größten Coups, indem er den US-Konzern Dow Jones übernahm, den Herausgeber Wirtschaftsblatts „Wall Street Journal“.

Fox-Fernsehsender

Flaggschiff des Konglomerats sind die amerikanischen Fox-Fernsehsender, die wegen ihrer konservativen Ausrichtung berühmt-berüchtigt sind. Hier ist aber auch die Heimat der Kultsendung „Die Simpsons“. Die gelbe Zeichentrick-Familie mit Oberhaupt Homer und der guten Seele Marge nimmt in vielen Folgen den Sender und seinen Patriarchen selbst auf die Schippe.

Auch in Deutschland aktiv

Murdoch hält die Mehrheit am Bezahlsender Sky, dem früheren Premiere. Sein Sohn James ist seit 2016 wieder Vorsitzender des Aufsichtsrates beim britischen Mutterkonzern.

Schiffbruch mit MySpace

Murdoch erkannte früh die Chancen des Internet und traute sich als einer der ersten großen Verleger, Geld für Nachrichten im Netz zu verlangen. Mit einem anderen Projekt erlitt er indes Schiffbruch: Das einstmals größte Online-Netzwerk MySpace ist nach dem Siegeszug von Facebook heute nur noch ein Schatten seiner selbst.

Aufspaltung in zwei Bereiche

2013 spaltete Murdoch sein Imperium in zwei Reiche auf: die profitable Filmsparte 21st Century Fox und das schwächelnde Verlagsgeschäft News Corp.

Ins Visier von Vivendi geriet Sky laut Insidern, nachdem der französische Konzern zunächst ein Auge auf kleinere Pay-TV-Firmen unter anderem in der Türkei und anderen europäischen Boom-Märkten geworfen hatte. Eine Übernahme des britischen Unternehmens sei aber nur eine von mehreren Optionen, um das Wachstum des Konzerns voranzutreiben. Letztlich darüber entscheiden werde Vivendi-Aufsichtsratschef Bolloré, der stets ein besonderes Augenmerk auf die Zukunft von Canal Plus als Kerngeschäft von Vivendi werfe. Sämtliche Unternehmen lehnte eine Stellungnahme ab. An der Börse legten Vivendi-Aktien 0,7 Prozent zu, Sky-Papiere gewannen 1,5 Prozent. Aktien von Sky Deutschland verteuerten sich um 0,6 Prozent.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×