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05.01.2014

11:46 Uhr

Peinliche Panne

Snapchat wusste von Sicherheitsproblem

VonAxel Postinett

Millionen Telefonnummern und Namen von Snapchat-Nutzern landeten am Neujahrstag im Internet. Jetzt wird klar: das Unternehmen wusste schon lange vorher von der Gefahr – und hat fast nichts unternommen.

Die mobile App von Snapchat: Am Neujahrstag gab es dort eine peinliche Sicherheitspanne. AFP

Die mobile App von Snapchat: Am Neujahrstag gab es dort eine peinliche Sicherheitspanne.

San FranciscoEine Geschichte wie eine Räuberpistole. Eine Gruppe von anonymen Hackern, die sich Gibson Security nennt, veröffentlicht am 27. August 2013 einen Hinweis, dass man aus der beliebten App Snapchat Nutzernamen und Telefonnummern der Kunden herausfischen kann. Sie wenden sich auch an das kalifornische Unternehmen selbst – und bekommen vier Monate lang keine Antwort. Das jedenfalls geht aus einem Statement hervor, das Forbes.com nach eigenen Angaben von einem der Gibson-Mitglieder per E-Mail erhalten haben will.

Erst als Weihnachten mehr Details über die Verwundbarkeit des Programms veröffentlicht wurden, habe sich Snapchat per Mail einmal bei den Hackern gemeldet. Das war’s. Dafür gab es am 27. Dezember einen Eintrag auf dem Firmenblog. Der Tenor: Wir haben alles im Griff, es besteht nur eine rein theoretische Gefahr, Gegenmaßnahmen sind längst eingeleitet. Das brachte eine weitere Gruppe von Hackern dermaßen in Rage, dass sie schlicht 4,6 Millionen Namen und Telefonnummern abgriffen und  auf einer Webseite veröffentlichten. Was für eine Blamage für ein Unternehmen, das eigentlich Sicherheit als Geschäftsmodell hat. Snapchat ist ein Dienst, um Bilder zu versenden, die sich selbsttätig auf dem Gerät des Empfängers nach zehn Sekunden löschen. Das kann bei den meist jugendlichen Nutzern ein falsches Gefühl der Sicherheit erzeugen und zu unbedachten Handlungen führen. Natürlich ist es immer noch möglich, zum Beispiel über einen Screenshot oder schlichtes Abfotografieren des Bildschirms, eine Kopie des Bildes zu machen und weiterzuverbreiten. Nach eigenen Angaben werden über 350 Millionen Bilder pro Tag über Snapchat verschickt. Risikokapital von über 70 Millionen Dollar ist bislang in das Unternehmen gepumpt worden, das noch keinerlei Umsatz erzielt.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Mit den kompromittierenden Daten im Internet kommt der nächste Versuch von CEO Evan Spiegel sich aus der Verantwortung freizukaufen. An Weihnachten habe „eine Gruppe unsere API dokumentiert und es so Individuen leichter gemacht, unseren Dienst zu missbrauchen“, lässt der 23-jährige Snapchat-Mitgründer per Webblog verbreiten. Mit anderen Worten: Schuld ist nicht der Code mit dem weit offenen Scheunentor für Datendiebe, sondern sind die, die das Problem gefunden und veröffentlicht haben.

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