Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.12.2014

09:23 Uhr

Personal

Ein Kümmerer für die digitale Revolution

VonChristof Kerkmann

Die Digitalisierung krempelt die Wirtschaft um. Auch Maschinenbauer oder Seifenhersteller müssen sich bald darüber Gedanken machen, sagt der Personalberater Dwight Cribb – und fordert einen Kümmerer im Vorstand.

Der Computer als Helfer: Die digitale Revolution hat längst die Fabriken erreicht. dpa

Der Computer als Helfer: Die digitale Revolution hat längst die Fabriken erreicht.

DüsseldorfComputer sind heute zu Leistungen fähig, die vor wenigen Jahren noch als undenkbar galten – ob als Fahrer im Auto, Übersetzer im Büro oder Assistent in der Fabrik. Experten sehen eine neue industrielle Revolution anbrechen – und die könnte auch viele traditionelle Unternehmen durchschütteln. Um sich auf die rasanten Veränderungen einzustellen, sollten sie einen Spezialisten in den Vorstand holen, fordert der Personalberater Dwight Cribb. „Die Firmen müssen wichtige Fragen beantworten: Wie verändern sich die Märkte, wie die Technologie – und in welchem Tempo?“

Herr Cribb, warum sollte sich ein Maschinenbauer oder ein Waschmittelhersteller Gedanken über die Digitalisierung machen?
Bei Digitalisierung denken viele erstmal an E-Commerce und digitales Marketing. Das sind die offensichtlichsten Bereiche, die auch den Alltag der Konsumenten stark prägen. Aber die digitale Transformation geht weit darüber hinaus. Sie betrifft alle Unternehmensbereiche. Das fängt bei der Kommunikation an und geht bis zur Produktion. 

Zum Beispiel?
Ein Waschmittelhersteller muss sich beispielsweise darauf einstellen, dass die Waschmaschinen in Zukunft Sensoren haben, die das Abwasser oder die Wäsche analysieren und dem Konsumenten dann raten, wie er das Waschmittel noch besser, effizienter einsetzen kann. Grundsätzlich gilt: Wer sich nicht bewegt, wird feststellen, dass viele kritische Geschäftsbereiche nicht auf den digitalen Wandel vorbereitet sind.

Personalberater Cribb sucht Spezialisten für die Digitalisierung. Cribb

Personalberater Cribb sucht Spezialisten für die Digitalisierung.

Wie verändern sich die Geschäftsmodelle?
Uber ist ein gutes Beispiel: Das Unternehmen ist ja kein klassischer Internet-Dienst. Es baut eine Plattform auf, die zwischen den Konsumenten – also den Fahrgästen – und den Lieferanten – also den Fahrern – steht. Dort findet der Markt statt. Die Macht dieser Plattformen ist sehr stark, nicht nur im E-Commerce, sondern auch bei Reisen oder anderen Geschäftsmodellen.

Lässt sich das so einfach übertragen?
Häufig ja. Das zeigt der Stahlhändler Klöckner: Der versucht derzeit, seine gesamte Lieferkette und Auftragsabwicklung zu digitalisieren – bisher läuft das überwiegend per Fax. Doch nicht nur das, Klöckner spielt mit dem Gedanken, eine Stahlhandelsplattform aufzubauen, über die auch Wettbewerber ihren Stahl anbieten können.  Wenn das gelingt, wird Klöckner das Gesicht gegenüber dem Kunden.

Sie vermitteln Führungskräfte für die Digitalisierung. Warum braucht es Spezialisten?
Die Firmen müssen wichtige Fragen beantworten: Wie verändern sich die Märkte, wie die Technologie – und in welchem Tempo? Und was wollen Kunden wirklich? In einem Bereich, der sich so rapide verändert, ist es schwierig, den Überblick zu behalten, deswegen brauchen die Unternehmen Menschen, die sich hauptsächlich damit beschäftigen.

Also ein Chief Digital Officer.
Man braucht eine Person auf Vorstandsebene, deren Hauptaufgabe die Digitalisierung ist. Das kann auch der Strategievorstand sein, da es eigentlich egal ist, wie die Position heißt. Hauptsache, es gibt dort einen Digital-Verantwortlichen, der die Unterstützung des CEO hat..

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Viele Mitarbeiter sehen Veränderungen skeptisch…
Keiner mag Veränderungen, noch weniger welche, die einen zu bedrohen scheinen. Es ist eine schwierige Aufgabe, die Mitarbeiter mitzunehmen. Zunächst sollte der Digital-Verantwortliche ein klares Bild zeichnen: Was passiert, wenn wir uns nicht verändern? Die Verlagsbranche, die ja so sehr unter der Digitalisierung leidet, ist ein gutes Beispiel dafür. Stillstand ist keine Option. Vielleicht wird ein Teil der Belegschaft mittelfristig nicht mehr gebraucht, aber das bringt leider jeder Wandel mit sich.

Herr Cribb, vielen Dank für das Gespräch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×