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08.07.2014

17:47 Uhr

Peter Thiel über die Technologiebranche

Paypal-Gründer fordert radikales Umdenken

ExklusivPaypal-Gründer Peter Thiel verdiente mit seinem Online-Bezahldienst viel Geld. Wer es ihm heute gleichtun will, brauche eine deutlich bessere Idee als nur Bill Gates, Larry Page oder Mark Zuckerberg zu kopieren.

2002 brachte Thiel PayPal an die Börse, noch im selben Jahr übernahm aber eBay das Unternehmen. Reuters

2002 brachte Thiel PayPal an die Börse, noch im selben Jahr übernahm aber eBay das Unternehmen.

San FranciscoPaypal-Gründer Peter Thiel fordert ein radikales Umdenken der Start-Up-Szene im Technologiesektor. In seinem neuen Buch „Zero to One“, das dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) vorab vorliegt, betont der mittlerweile als Risikokapitalgeber tätige Thiel, die Zukunft werde durch innovative Technologien geprägt.

Wer nur versuche, legendäre Unternehmer wie Bill Gates, Larry Page, Sergey Brin oder Mark Zuckerberg zu kopieren, habe nichts gelernt, so Thiel. Gründer müssten die Kühnheit haben, auch unpopuläre Ideen zu vertreten. „Besser dreist als trivial sein“, fordert er. „Ein schlechter Plan ist besser als kein Plan.“

Der Investor rät Entwicklern: „Wenn du tust, was noch keiner gemacht hat und wenn du dich besser anstellst als jemand anderes, hast Du ein Monopol. Jedes Geschäft ist genauso erfolgreich, wie es dieses Monopol besitzt.“ Thiel sieht hier noch viel Potential. „Wir können schnellere Wege erfinden, von einem zum anderen Punkt des Planeten zu reisen; wir können sogar lernen, wie wir ihm ganz entfliehen und neue Grenzen besiedeln; aber wir werden diese Geheimnisse nie kennen, wenn wir nicht von uns selbst fordern, sie zu finden und uns dazu zwingen, nach ihnen Ausschau zu halten.“

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Natürlich gebe es das Risiko zu scheitern. „Die Aussicht, einsam zu sein, aber recht zu haben und sein Leben dem zu widmen, woran niemand sonst glaubt, ist schon schwer. Die Aussicht, allein und im Unrecht zu sein, kann unerträglich sein.“ Das Buch „Zero to One“ erscheint offiziell im September.

Den vollständigen Bericht zu Peter Thiels neuem Buch finden Sie als Download im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Von

wed

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