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05.03.2013

16:19 Uhr

Pläne bestehen

SAP hat China-Börsengang im Blick

Der IPO in China ist für SAP weiterhin interessant. Der Software-Konzern wächst dort im Eiltempo, ein Ende ist nicht in Sicht. Doch vor einem endgültigen Schritt müssten dort internationale Standards gegeben sein.

SAP-Co-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe. dapd

SAP-Co-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe.

HannoverDer Software-Konzern SAP treibt seinen geplanten Börsengang in China voran. Das Unternehmen habe sein Interesse an einem IPO in dem Land klar bekundet und die entsprechenden Unterlagen bei den Behörden eingereicht, sagte Co-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

"Für uns ist aber wichtig, dass wir auch in China auf Basis internationaler Standards arbeiten können." Dazu gehöre beispielsweise die Anerkennung des internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS. Eine endgültige Entscheidung über den Sprung an den chinesischen Aktienmarkt sei noch nicht gefallen. "Jetzt warten wir den Prozess in China ab."

Die Stärken von SAP

Hoher Börsenwert

Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit.

Lukratives Wartungsgeschäft

SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

Zukunftstechnologie Hana

Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

SAP wächst im Reich der Mitte rasant. Vergangenes Jahr sei der Umsatz dort in einem mittleren zweistelligen Prozentbereich gestiegen, sagte Snabe. China ist für SAP schon jetzt der sechstgrößte Markt.

Nach der knapp sechs Milliarden Euro teuren Einkaufstour der vergangenen 18 Monate, auf der SAP unter anderem den Cloud-Software-Entwickler SuccessFactors sowie die Internet-Beschaffungsplattform Ariba übernahm, konzentriert sich der Konzern Snabe zufolge nun darauf, diese Firmen zu integrieren. "Wir planen derzeit keine großen Akquisitionen", sagte der Manager.

Die Schwächen von SAP

Schwache Position auf US-Markt

Der US-Markt ist für SAP äußerst wichtig – allerdings hat das Unternehmen hier mit Oracle einen sehr agilen und aggressiven Konkurrenten. Mit dem US-Konzern beharkt sich SAP auch juristisch, in einem Streit um den Diebstahl von Geschäftsdaten fordert dieser saftigen Schadenersatz. Die Übernahme der beiden amerikanischen Cloud-Dienstleister Ariba und SuccessFactors für insgesamt 7,8 Milliarden Dollar soll das US-Geschäft von SAP stärken.

Abhängigkeit von Großkunden

Trotz aller Bemühungen um Mittelständler ist SAP stark von den Großkunden abhängig. Damit leidet das Unternehmen stärker unter Konjunkturschwankungen – im Abschwung schieben die Konzerne große Investitionen lieber auf. SAP will mit alternativen Geschäftsmodellen gegensteuern, etwa Miet-Software (Software as a Service), für die die Kunden monatliche Gebühren statt Lizenzen zahlen.

Wechselkursrisiken

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben Wechselkurseffekte den Gewinn niedriger ausfallen lassen. Die Euro-Stärke gegenüber asiatischen Währungen kostete den Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung beispielsweise 400 Millionen Euro Gewinn.

Der Konzern sei aber offen für den Kauf kleinerer Firmen mit einem Marktwert im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich, mit denen das Cloud-Geschäft - also die Ausführung von Programmen in Rechenzentren - und Spezialbereiche ergänzt werden können. "Das wird aber nicht die Größe von SuccessFactors oder Ariba haben, denn das waren ja Milliarden-Akquisitionen."

Von

rtr

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